••• Von Martin Rümmele
HOFGASTEIN. Beim Austrian Health Forum (AHF) in Bad Hofgastein diskutierten zu Wochenbeginn mehr als 200 Personen aus dem Gesundheitswesen, wie Prävention und eHealth die Gesundheitsversorgung verbessern können. Eine von Demox Research unter 1.000 Personen durchgeführte Umfrage machte deutlich, wo aus Sicht der Bevölkerung Handlungsbedarf besteht. 29% haben in den vergangenen zwölf Monaten auf eine medizinische Leistung verzichtet oder sie aufgeschoben, weil sie zu teuer war. Bei Personen mit einer privaten Krankenzusatzversicherung waren es 17%, bei jenen ohne sogar 35%.
Zudem zeigt sich nur etwa die Hälfte (51%) mit der Gesundheitsversorgung zufrieden. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Messreihe – im Mai 2019 lag er noch bei 76%. „Die Unzufriedenheit entsteht aber auch deshalb, weil die Gesundheitsversorgung als Reparaturbetrieb gesehen wird und die Wartezeiten in manchen Bereichen zu lang sind“, betont AHF-Gründer Christoph Hörhan. Die Gesundheitsökonomin und Wifo-Forscherin Ulrike Famira-Mühlberger skizzierte den schwierigen Weg zur Gesundheitsreform, den sie mit ihrer Expertise für die Reformpartnerschaft aus Bund, Ländern und Krankenkassen maßgeblich begleitet hat. Anschließend beantworte IHS-Gesundheitsökonom Thomas Czypionka die Frage, wo im Gesundheitssystem trotzdem noch viel zu gewinnen ist, selbst wenn der große Wurf daneben geht. Das Fazit aller Experten: Die Konzepte liegen vor und sind auch zum Teil erprobt, was fehlt sind die Entscheidung und flächendeckende Umsetzung.
Digitalisierung wird gebremst
Deutlich wird das auch im Bereich Digitalisierung. Insbesondere von KI-Anwendungen versprechen sich Fachleute Chancen, Prozesse effizienter zu organisieren und die Versorgungsqualität zu verbessern. Der European Health Data Space (EHDS) bringt zudem neue Möglichkeiten, Daten und Diagnosecodierung sinnvoll einzusetzen und die Versorgung stärker am konkreten Bedarf auszurichten. Österreich hat allerdings zuletzt den e-Eltern-Kind-Pass um ein Jahr verschoben, weil Wien bremst und übermittelt Daten in anderen Bereichen noch per Fax.