••• Von Martin Rümmele
WIEN/BERLIN. Die deutsche Pharmaindustrie erwartet wegen des Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump Einbußen in diesem Jahr. Die Pharmaproduktion dürfte um 2,2% sinken und der reale Umsatz um 1,8%, heißt es in einer Prognose des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). „Die handelspolitischen Auseinandersetzungen mit den USA zeigen deutliche Auswirkungen.“ Zusätzlich belaste das Niedrigwasser die Produktion. Auch der Jobaufbau der Pharmaindustrie mit knapp 130.000 Beschäftigten in Deutschland sei fast zum Erliegen gekommen, so der VFA. Die Zahl der Beschäftigten dürfte dieses Jahr stagnieren.
Österreichs produzierende Pharmaindustrie dürfte es aufgrund der hohen Exportquote noch stärker treffen. Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) meldet für das erste Halbjahr bereits gesamt ein wertmäßiges Minus von 8,4%. Bei den pharmazeutischen Spezialitäten seien es sogar minus 12,7%, sagt Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des FCIO. Gründe seien Vorzieheffekte mit den USA. Das Wachstum der vergangenen Jahre seien vor allem Exporte in die USA gewesen.
Druck aus China steigt
„Es zeigt sich die Tendenz, dass die Produktion in den USA – auf Kosten Europas – durch die US-Politik steigt“, bestätigt auch Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog: „Wie sehr sich das letztlich auf den Standort Österreich auswirkt, können wir derzeit nicht voraussehen. Allerdings sind hiesige Preis- und Erstattungsregelungen derart restriktiv, dass diese eine enorme zusätzliche Belastung für die Unternehmen darstellen, auch vor dem Hintergrund der ohnehin hohen Energie-, Lohn- und sonstigen Kosten.“
Dazu komme der Druck aus China, sagt Hofinger. China überschwemme Europa derzeit mit niedrigpreisigen Antibiotika, hört man aus der Branche. Das letzte vollständig integrierte Penicillin-Werk Europas steht vor bei Sandoz im Tiroler Kundl. Der Anteil Chinas an den EU-Importen von Penicillin und dessen Derivaten, meist in Form pharmazeutischer Wirkstoffe (API), hat sich laut Eurostat von 44% im Jahr 2019 auf 86% im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Nur drei Jahre nach einer 200 Mio. € teuren Erweiterung, in die 50 Mio. € an öffentlichen Mitteln flossen, hat Sandoz die Europäische Kommission jetzt um eine Antidumping-Untersuchung gebeten. Diese könnte zu Strafzöllen auf chinesische Produkte führen.
Regierung ist gefordert
Hofinger und Herzog wiederum drängen die Regierung auf die Umsetzung der im Regierungsprogramm fixierten Life Science Strategie.