Schatzkiste Baustelle
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INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 30.09.2026

Schatzkiste Baustelle

Empfehlungen an Politik und Wirtschaft – aktuelle TU Wien-Strabag-Studie zeigt Potenzial der Kreislaufwirtschaft im Bau.

WIEN. Österreich will bis 2040 klimaneutral werden. Für die Bauwirtschaft bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel. Sie zählt zu den ressourcenintensivsten Branchen und verursacht große Mengen an Rohstoffverbrauch, Abfällen und CO₂. Eine Studie der TU Wien im Auftrag der Strabag zeigt nun, wo Kreislaufwirtschaft ansetzen könnte.

Jährlich wachsen die Gebäude und Infrastrukturen Österreichs um rund 77 Mio. t Baumaterial. Pro Kopf entspricht das einem „Baustoff-Rucksack“ von etwa 360 Tonnen. Gleichzeitig fallen 49 Mio. t Bauabfälle an. Zwar werden 78% der Bau- und Abbruchabfälle stofflich verwertet, ein erheblicher Teil davon jedoch nur im Downcycling. Hochwertigere Kreisläufe könnten Rohstoffe sparen, Emissionen senken und den Druck auf Deponien verringern.

Was es zu heben gilt
Besonders groß ist das Potenzial beim Bodenaushub. Mit rund 38 Mio. t jährlich macht er 57% des gesamten österreichischen Abfallaufkommens aus. Technisch wären rund 90% verwertbar, tatsächlich werden aber nur 21% stofflich genutzt. Knapp 60% landen auf Deponien. Die Studie fordert deshalb bessere Rahmenbedingungen und Förderungen für neue Verwertungsverfahren.

Auch beim Re-Use von Bauteilen sehen die Autoren erhebliches Potenzial. Die Wiederverwendung ganzer Bauteile ist bisher kaum systematisch etabliert. Referenzprojekte zeigen jedoch CO₂-Einsparungen von bis zu 91%. Wiedergewonnene Materialien können zudem rund 20% günstiger sein als Neuprodukte. Kreislaufoptimierte Gebäude könnten damit über ihren Lebenszyklus sogar kostengünstiger als konventionelle Bauweisen werden.

TU Wien und Strabag empfehlen unter anderem einen verpflichtenden Gebäuderessourcenpass, standardisierte Re-Use-Checks vor Abrissen und verbindliche Zirkularitätskriterien bei öffentlicher Beschaffung. Gefordert werden zudem praxistauglichere Qualitätskriterien für Recyclingbaustoffe, mehr Spielraum bei der Verwertung von Bodenaushub sowie Förderungen für Forschung, Pilotprojekte und die Zertifizierung von Re-Use-Bauteilen.

Stimmen zur Studie
Für Strabag CEO Stefan Kratochwill ist die Bauwirtschaft noch weit von einer flächendeckenden Kreislaufwirtschaft entfernt. Die Studie solle eine Grundlage schaffen, um Standards und Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln: „Die österreichische Bauwirtschaft ist noch weit davon entfernt, flächendeckend zirkulär zu bauen. Gemeinsam mit der TU Wien haben wir jetzt eine belastbare Grundlage geschaffen, um notwendige Standards weiterzuentwickeln, regulatorische Rahmenbedingungen anzupassen und den Wandel hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft im Bauwesen zu beschleunigen.“

Helmut Rechberger, Professor für Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement und Institutsvorstand Wassergüte und Ressourcenmanagement an der TU Wien: „Über Jahrzehnte hinweg ist ein großes Lager an Baumaterialien in Siedlungen und Infrastrukturen entstanden. Für eine künftige Kreislaufnutzung bedarf es neuer, moderner Recyclingtechnologien, besserer Daten zu seiner Materialzusammensetzung sowie verbesserter Rahmenbedingungen.“

Iva Kovacic, Professorin für integrale Planung und Institutsvorständin Hoch- und Industriebau an der TU Wien betont abschließend: „Die Studie zeigt die Best Practices für Re-Use und identifiziert Kriterien, die zusammenwirken müssen, damit zirkuläre Transformation ermöglicht wird. Schlüssel für das Hochskalieren des zirkulären Bauens ist die Wiederverwendung von Primärkonstruktionen bzw. tragenden Bauteilen – hier liegen die größten Materialmassen und -mengen.“

Zur kompletten Studie mit mehr Zahlen, Daten und Fakten geht es hier.

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