Die letzte  Stellenanzeige
MARKETING & MEDIA Redaktion 09.10.2026

Die letzte Stellenanzeige

Wenn KI alles besser und billiger macht, fließen dann Milch und Honig?

Leitartikel  ••• Von Sabine Bretschneider

UTOPIA. Marcus Hutter, ein international profilierter Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz, skizziert in einem Interview für den YouTube-Kanal von Everlast AI ein düsteres Szenario für den Arbeitsmarkt der (nahen) Zukunft: Technologisch könne KI in zwei bis fünf Jahren praktisch alle klassischen Office-Jobs ersetzen. Körperliche Arbeit brauche aufgrund der behäbigeren Robotikentwicklung womöglich fünf bis zehn Jahre länger. Buchhalter, Übersetzer, Softwareentwickler, Finanzanalysten, juristische Mitarbeiter – und, danke der Nachfrage, auch Journalisten – stehen auf seiner Liste weit oben. Man muss Hutter diese Zeitrechnung nicht abkaufen. Prognosen über die Zukunft der Arbeit haben eine ehrwürdige Tradition des Danebenliegens. Dampfmaschine, Fließband, PC – Fortschritt wurde immer wieder mit „Achtung, Massenarbeitslosigkeit“ gekoppelt. Stattdessen entstanden neue Berufe, neue Branchen, neue Bedürfnisse.

Was aber, wenn diesmal auch die neuen Jobs sofort automatisierbar sind? Eine hinreichend leistungsfähige KI ist kein Werkzeug, sondern ein Universalinstrument. Und sobald sie Neues ebenso schnell lernt wie der Mensch, wird aus Strukturwandel etwas völlig anderes. Das führt zu einem interessanten Paradoxon. In einer Welt, in der KI und Roboter programmieren, planen, analysieren, produzieren, diagnostizieren und irgendwann auch das Badezimmer verfliesen, verschwinden zwar Jobs – nicht aber Waren und Dienstleistungen. Im Gegenteil: Die Produktivität könnte explodieren.

Hutters neues Buch trägt den beinah provokant optimistischen Titel „Job-Less Utopia“. Seine These: Eine Welt ohne Arbeit muss keineswegs verarmen. Wenn Maschinen dieselbe oder sogar eine größere Menge an Gütern und Dienstleistungen herstellen, bleibt der materielle Wohlstand erhalten. Das Problem ist nicht mehr die Produktion. Es ist die Verteilung. Alles lösbar.

Grundeinkommen, Maschinensteuer, Frieden auf Erden und eine gute Gesinnung für jedermann. Das glauben wir nicht wirklich, oder?

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