WIEN. Print bleibt stabil, Digital wächst, der Werbemarkt bleibt herausfordernd: Gino Cuturi, Sprecher der Geschäftsführung des Medienhauses Wimmer, spricht in medianet TV mit Chris Radda über die Entwicklung der Oberösterreichischen Nachrichten-Gruppe, neue Geschäftsmodelle und die Transformation des Hauses.
„Es gibt Bereiche, die funktionieren sehr gut“, meint Cuturi zur aktuellen Situation des Medienhauses. Im Abobereich sei die Lage relativ stabil. Zwar sei Print seit Jahren leicht rückläufig, das könne das E-Paper bei den Verkaufszahlen teilweise ausgleichen, bei den Erlösen allerdings noch nicht.
Schwieriger sei die Situation im Werbemarkt, wo internationale Plattformen stark in die österreichische Werbelandschaft hineinspielen. Gleichzeitig setzt Wimmer auf Print, Radio, Fernsehen sowie Online und Digital. „Man sollte und muss in verschiedene Richtungen aufgestellt sein“, so Cuturi. Damit wolle das Haus für unterschiedliche Zielgruppen jeweils passende Angebote bereitstellen.
Digital stärker binden
Im Digitalbereich gehe es nicht allein darum, mehr Abos und E-Paper zu verkaufen. Entscheidend sei auch, die Nutzung zu erhöhen. Während die gedruckte Zeitung täglich in den Haushalt komme, müsse man Nutzer digital immer wieder dazu bringen, das Produkt zu öffnen. In der App testet das Haus unter anderem Rätsel und Elemente aus sozialen Medien.
Die Weiterentwicklung zeige bereits Wirkung: Durch Veränderungen „im Produkt und im Produkt-Feeling“ komme es zu einer stärkeren Nutzung, so Cuturi. Innovation sei allerdings kein Selbstzweck. „Wichtig ist bei all diesen Überlegungen, das natürlich auch monetarisieren zu können.“ Elektronische Reichweite sei nicht im selben Maß vermarktungsstark wie Print, weshalb neue Geschäftsmodelle entwickelt werden müssten.
Zugleich will das Medienhaus seine unterschiedlichen Gattungen stärker bündeln und die vorhandene Kompetenz gemeinsam ausspielen. Werbekunden sollen künftig Angebote über mehrere Medienkanäle hinweg einfacher aus einer Hand erhalten.
„In Zukunft soll ein Ansprechpartner alle Mediengattungen abwickeln“, beschreibt Cuturi die Stoßrichtung. Dafür seien technische, organisatorische und auch mentale Veränderungen nötig. KI soll dabei sowohl bei neuen Angeboten als auch bei der Optimierung von Prozessen helfen, etwa beim Redigieren oder Korrekturlesen. Parallel werde bei den Oberösterreichischen Nachrichten ein neues Redaktionssystem implementiert, bei dem User Needs und die Ausspielung über unterschiedliche Kanäle stärker mitgedacht werden. Cuturi spricht von einer „extrem spannenden Zeit im Medienhaus mit vielen, vielen Veränderungen“.
Regionalität als Basis
„Bei allen Überlegungen, die man anstellt, muss man die Kunden in den Fokus setzen“, sagt Cuturi. Als USP des Hauses bezeichnet er die Regionalität. Diese Strategie zeigt sich auch in eigenen Standorten in zahlreichen Bezirkshauptstädten. In der Linzer Innenstadt wurde das frühere Druckereiareal weiterentwickelt, ein Großteil der Fläche wird extern vermietet.
Eine Herausforderung bleibt die Zustellung der Printprodukte. Laut Cuturi sind die Kosten dafür in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 40% gestiegen. Die Zeitungszustellförderung sei deshalb eine wichtige Unterstützung, insbesondere für die Versorgung ländlicher Gebiete. Zugleich hebt er die Stabilität klassischer Printabonnenten hervor: Diese seien „sehr, sehr stabil und langlebig und lang lesend“.
Für 2027 will das Medienhaus zwar vorsichtig budgetieren. Zugleich sieht Cuturi Anzeichen einer möglichen Erholung und verweist darauf, dass sich einzelne Branchen bereits gut entwickelten. „Ich bin in Summe schon optimistisch, aber ich möchte realistisch optimistisch sein“, sagt er.
Das gesamte Interview finden Sie auf: tv.medianet.at