Serbien-Wahl: Nun geht es auch um die Medien
APA / AFP / Milos Milanovic
Viele Bürger wünschen sich nach dem Sieg der Studenten eine baldige Änderung in der Medienlandschaft.
PRIMENEWS Redaktion 27.10.2026

Serbien-Wahl: Nun geht es auch um die Medien

TV-Sender Vojvodina entschuldigte sich noch am Wahlabend bei Zuschauern - Mitarbeiter beim staatlichen Sender RTS verlangen Rücktritt der Geschäftsführung.

BELGRAD Nach dem Sieg der studentischen Liste bei der serbischen Parlamentswahl wird es noch einige Wochen dauern, bis das Land zuerst ein neues Parlament und danach auch eine neue Regierung bekommt. Inzwischen sollen spätestens Ende Dezember auch die Präsidentschaftswahlen stattfinden, nachdem der Amtsinhaber Aleksandar Vučić Ende September seinen Rücktritt eingereicht hatte. Viele Bürger wünschen sich nach dem Sieg der Studenten eine baldige Änderung in der Medienlandschaft.

Eine kleinere Menschengruppe war dementsprechend am Montagnachmittag in die Belgrader Redaktionsräume des verhassten TV-Senders Informer vorgedrungen, der seit seiner Gründung vor drei Jahren für Hassrede, Lügen über die Opposition und vor allem eine große Nähe zu Vučić bekannt ist.

Der Zwischenfall verlief glimpflich: Die Studentenliste ließ daraufhin wissen, dass sie keine Einbrüche in Institutionen und Medien unterstütze. "Die Medienwerden wir im Parlament durch den institutionellen Kampf für die Freiheit und Berufsjournalismus befreien", hieß es in einer Aussendung der Studenten.

Journalistenverband regt Entzug der Sendegenehmigung für Informer an

Die Journalistenvereinigung NUNS will sich allerdings schon im Laufe des Tages an die REM, die Regulierungsbehörde für elektronische Medien, mit der Initiative für den Entzug der ohnehin strittigen Sendegenehmigung für TV-Informer wenden. Der Sender wird in der NUNS-Initiative für "langjährige systematische Verletzung von Gesetzen und Programmverpflichtungen" beschuldigt.

Im öffentlich-rechtlichen TV-Sender Vojvodina (RTV) war es schon am Montag zu einer ersten Personaländerung gekommen, als der bisherige Chefredakteur Nenad Ćaćić, ein Funktionär der bisher regierenden SNS, zurückgetreten war. In der Nachrichtensendung hat sich der Sender daraufhin bei seinen Zuschauern entschuldigt, "weil er jahrelang seinen Aufgaben nicht nachgekommen war".

Unterdessen sind auch in Belgrad die Direktorin des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RTS, Manja Grčić, und die erst im April bestellte Chefredakteurin des Nachrichtendienstes Bojana Mlađenović mit der Aufforderung eines Teils der Beschäftigten konfrontiert, ihren Rücktritt einzureichen. "Es ist Zeit für die Verantwortung", teilten sie mit. Eine Reaktion von Grčić und Mlađenović, die in einem Interview mit Vučić die demonstrierenden Studenten gar als "Mob" bezeichnete, blieb bisher aus.

Dem autoritären Regime von Vučić war es in den vergangenen 14 Jahren gelungen, so gut wie die gesamte Medienlandschaft unter seine Kontrolle zu bringen. Die wenigen verbliebenen regierungskritischen Medien, vor allem TV N1 und Nova, waren häufigen Angriffen und Beschuldigungen durch Vučić ausgesetzt. Selbst "Terrorismus" war ihnen vorgeworfen worden. Auch am Sonntagabend, als er die Wahlniederlage seiner Serbischen Fortschrittspartei SNS eingestand, unterließ es Vučić nicht, die zwei Sender als "schlimmstes Gesindel" zu bezeichnen. (APA)

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