financenet: Strengere Regeln für das Geschäft auf Raten

Ab 20. November 2026 gelten in Österreich neue Regeln für Verbraucherkredite. Was die Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie II für Banken, Handel und Konsumenten bedeutet, erläutert Kreditmarkt-Experte Gerhard Wagner, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH, im „financenet“-Studiogespräch mit medianet-Herausgeber Chris Radda.

Im Zentrum stehen erweiterte Informationspflichten und eine strengere Kreditwürdigkeitsprüfung. Auch Klein- und Kleinstfinanzierungen werden erfasst, die bisherige Untergrenze von 200 Euro entfällt. Damit rücken „Buy now, pay later“-Angebote stärker in den regulatorischen Fokus. Entscheidend sei, ob sich der Kunde einen Kredit oder Zahlungsaufschub leisten könne. Lasse sich diese Frage nicht positiv beantworten, dürfe die Finanzierung nicht gewährt werden.
„Der Kreditanbieter wird viel früher in die Pflicht genommen“, sagt Gerhard Wagner. Das Ziel sei, finanzielle Überforderung bereits vor Vertragsabschluss zu verhindern. Gerade viele kleine Zahlungsverpflichtungen könnten sich zu einer erheblichen Belastung summieren. Zugleich sieht er mögliche Folgen für notwendige Anschaffungen: Im Einzelfall könne auch die Finanzierung einer kaputten Waschmaschine scheitern. Ob Menschen dadurch auf informelle Kreditangebote ausweichen, lasse sich noch nicht prognostizieren.
Auch die Werbung soll die finanziellen Folgen deutlicher machen. Wagner verweist auf den Hinweis „Kreditaufnahme kostet Geld“. Ein Kredit könne vorübergehend Liquidität schaffen, müsse aber zurückgezahlt werden. Die Vorstellung, damit ließe sich der Lebensstandard dauerhaft erhöhen, sei irreführend.

Für den Handel erwartet Wagner unterschiedliche Herausforderungen. Große Anbieter könnten die notwendigen Prüfungen strukturell leichter umsetzen. „Je kleiner das Unternehmen ist, desto anspruchsvoller wird die Aufgabenstellung.“ Neben der Prüfung selbst gehe es darum, Entscheidungen nachvollziehbar zu dokumentieren und erklären zu können. Kleineren Onlinehändlern empfiehlt er, die Nutzung ihrer Zahlarten und die Folgen eines möglichen Wegfalls zu analysieren. Fehlen eigene Kapazitäten, komme ein Finanzierungspartner infrage – allerdings gegen Entgelt. Änderungen sollten Kunden transparent erklärt werden.

Eine substanzielle Verteuerung von Bankkrediten erwartet Wagner durch die Reform nicht. Banken verfügten bereits über ausgefeilte Risikoprüfungen. Zusätzlichen Aufwand sieht er vor allem bei Information, Administration und Dokumentation. Auch Nachsichtsmaßnahmen bei Zahlungsproblemen seien für Banken und Leasingunternehmen vielfach gelebte Praxis, etwa durch Stundungen oder angepasste Rückzahlungsvereinbarungen.

Der KSV1870 unterstützt laut Wagner mit Bonitätsinformationen und digitalen Prüfangeboten. Je nach Dienstleistung würden Auskünfte im Regelfall in weniger als einer Sekunde oder im einstelligen Sekundenbereich geliefert. Technische Geschwindigkeit allein entscheide jedoch nicht: Auch die Möglichkeit einer menschlichen Überprüfung müsse gewährleistet sein. Ob die erweiterten Pflichten Onlinefinanzierungen insgesamt verlangsamen, bleibt für Wagner offen.

Weitere Videos