retail.conversations: 50 Jahre SCS: Einkaufen allein reicht nicht mehr

Die Shopping City Süd setzt zu ihrem 50-jährigen Bestehen auf einen breiteren Angebotsmix. Gastronomie, Freizeit und Dienstleistungen gewinnen neben dem Handel an Gewicht. Im medianet-TV-Format „retail.conversations“ erläutert Zsolt Juhasz, General Manager der Westfield Shopping City Süd, im Gespräch mit medianet-Herausgeber Oliver Jonke, wie sich der Standort auf veränderte Konsumgewohnheiten einstellt.

Die Shopping City Süd gehört zur an der Pariser Euronext-Börse notierten Unibail-Rodamco-Westfield SE. Zum 30. Juni 2026 umfasste das Konzernportfolio 65 Shoppingcenter in elf Ländern und hatte einen anteiligen Wert von rund 49,5 Mrd. Euro.

1976 verwirklichte Gründer Hans Dujsik seine Idee einer “Einkaufsstadt”. Internationale Marken unter einem Dach und ein auf den wachsenden Individualverkehr ausgerichteter Standort bildeten die Grundlage. Für seine visionäre, aber damals riskante Idee, investierte Hans Dujsik sein gesamtes Vermögen von damals 50 Mio. Schilling. Heute erwirtschaftet die SCS auf einer Fläche von 498.000 quadratmetern und 5.000 Mitarbeitenden einem Umsatz von rund 1,6 Mrd. Euro. 25 Mio. Besucher pro Jahr kaufen in 380 Shops auf einer Länge von 1,8 km ein.

Auch die versetzte Bauweise war wirtschaftlich relevant: Beide Verkaufsebenen verfügen über direkte Zugänge von außen. Das erleichtere die Vermietung des Obergeschosses, erklärt Juhasz. Seit 2008 gehört die SCS zur heutigen Unibail-Rodamco-Westfield-Gruppe.
Inzwischen gehe es um mehr als den Einkauf. „Das muss eine Stadt sein, man muss alles finden, was man in der Stadt braucht“, sagt Juhasz. Er bezeichnet das Konzept als „One-Stop-Shop-Destination“. Die Zahl der Gastronomieflächen sei von rund 25 auf mehr als 50 gestiegen. Im Multiplex wurden seinen Angaben zufolge in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Partnern rund 20 Mio. Euro investiert. Zum Angebot gehören neben dem Kino etwa Bowling, Minigolf und Karaoke. Mit Virgin Active habe zudem ein weiterer Freizeitmieter unterschrieben: Die Fitnessmarke soll erstmals nach Österreich kommen.

Frequenz und Flächenmanagement
An gewöhnlichen Wochentagen zählt die SCS laut Juhasz rund 40.000 bis 50.000 Besucher. An Spitzentagen, etwa rund um den Black Friday, könnten es bis zu 100.000 sein. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liege bei eineinhalb bis zwei Stunden. Veranstaltungen sollen zusätzliche Besuche auslösen; interne Analysen zeigten laut Juhasz Frequenzzuwächse von fünf bis zehn Prozent durch entsprechende Kampagnen und Events.

Die Leerstandsquote beziffert der Manager auf ein bis drei Prozent. Dahinter stecke teilweise Planung: Flächen würden für potenzielle Mieter während laufender Verhandlungen freigehalten. Bei der Auswahl neuer Konzepte zählen neben Umsatzanalysen und Kundennachfrage auch Nachhaltigkeitskriterien. Ein externes Audit soll die Angaben der Unternehmen überprüfen.
Langfristige Prognosen würden zugleich schwieriger: Statt zehn bis 15 Jahren sei heute ein Planungshorizont von fünf Jahren realistisch.

Elf Millionen Euro für den Net-Zero-Umbau
Für das Ziel, bis 2040 Net Zero zu erreichen, hat die SCS einen Investitionsplan über elf Mio. Euro mit Maßnahmen bis 2030 entwickelt. Ein Großteil sei bereits umgesetzt, berichtet Juhasz. Dazu zählen Drehtüren zur Verringerung des Luftaustauschs, die thermische Dämmung der Ostfassade und Anpassungen technischer Anlagen. Allein für die Fassadendämmung nennt er vier Mio. Euro.

Auch die Verbindung von stationärem und digitalem Handel bleibt Teil der Strategie. KI könne die Produktauswahl und Kaufentscheidungen beschleunigen, meint Juhasz. Beratung, Anprobieren und persönliche Begegnungen blieben Gründe für einen Besuch. Für den Standort mit rund 5.000 Arbeitsplätzen auf dem Areal wird damit die Frage zentral, wie sich Handel und weitere Angebote zu einem dauerhaften Besuchsanlass verbinden lassen.

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