retail.conversations: Vom Druckauftrag zum Kommunikationsprozess

VENDO erweitert sein Geschäftsmodell über die Druckproduktion hinaus. In dieser Ausgabe von „retail.conversations“ erläutern Geschäftsführer Florian Wollner und Alexander Sigmund, Geschäftsfeldleiter Business Communication, im Gespräch mit medianet-Verlagsleiter Bernhard Gily, wie das Unternehmen aus Vöcklabruck gedruckte und digitale Geschäftskommunikation verbindet.

„Wir denken nicht papierlos, sondern kanaloffen“, sagt Wollner. Die Pandemie habe den Wandel beschleunigt: Mit dem Wechsel ins Homeoffice gewannen digitale Kommunikationswege an Bedeutung. Entscheidend sei jedoch ein Mix, der zur Zielgruppe, zum Inhalt und zur erforderlichen Verbindlichkeit der Zustellung passe.
Für die VENDO Kommunikation + Druck GmbH, in Vöcklabruck, Oberösterreich, beginnt die Leistung deshalb vor dem Versand. Das Unternehmen übernimmt die Aufbereitung von Daten, die Erstellung und Gestaltung von Dokumenten sowie die Steuerung der Zustellung. „Die Zustellung eines Dokuments […] ist ein Endergebnis“, erklärt Sigmund. Der wirtschaftliche Nutzen für Auftraggeber liege in der Automatisierung und der Einbindung in ihre bestehenden Systeme.
Dabei genügt es aus seiner Sicht nicht, mehrere Kanäle parallel anzubieten. Unternehmen müssten nachvollziehen können, auf welchem Weg Informationen übermittelt wurden. Scheitert etwa die elektronische Zustellung wegen einer fehlerhaften E-Mail-Adresse, kann ein automatisierter Wechsel zum Druck und postalischen Versand folgen. Die Kanalwahl hängt auch vom Dokument ab: Eine Werbebotschaft über WhatsApp bewertet Sigmund anders als eine Rechnung oder Mahnung, für die er verbindlichere Zustellwege empfiehlt.

Ein weiteres Geschäftsfeld erschließt VENDO mit der im April übernommenen enve print services GmbH bei Augsburg. Laut Wollner wurden Produktionsanlagen in ein VENDO-Werk verlagert. enve konzentriere sich nun als Handelsunternehmen auf Verpackungslösungen, unter anderem für die Optikbranche und einen großen E-Commerce-Anbieter. Die Marke soll eigenständig am Markt bleiben und auf die Fertigungskompetenz von VENDO zurückgreifen.
Wollner sieht insbesondere in der Optik Wachstumspotenzial. Er verweist auf die demografische Entwicklung und die Bedeutung der Brille als Lifestyleprodukt. Bedient werden sollen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette, vom Brillenglashersteller bis zur Optikerkette. Zugleich erforderten international tätige Kunden eine verlässliche Belieferung über den deutschsprachigen Raum hinaus.

Trotz rückläufiger Druckvolumina bleibt Papier für beide Gesprächspartner ein wichtiger Teil des Geschäfts. Sigmund verweist auf Empfängerpräferenzen und Anforderungen in regulierten Bereichen. Elektronische Kommunikation lasse sich leichter integrieren und automatisieren, ersetze physische Dokumente aber nicht in jedem Fall.
Als nächsten Entwicklungsschritt erwartet Sigmund stärker vernetzte Prozesse: Strukturierte elektronische Rechnungen ermöglichen die direkte Verarbeitung von Daten im Empfängersystem. Künstliche Intelligenz könne zudem den Austausch mit Kunden verändern. An die Stelle der reinen Informationsübermittlung trete zunehmend ein Dialog, bei dem Rückfragen mit dem ursprünglichen Dokument verknüpft werden.

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