FINANCENET
© Panthermedia.net/Andriy Popov

Redaktion 14.12.2018

Wer fürchtet sich vor Digital? Niemand!

Fast die Hälfte der heimischen Unternehmen mit digitaler Strategie – Handlungsbedarf beim Rechnungswesen.

••• Von Reinhard Krémer

Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten und schreitet hurtig in allen Bereichen voran. Gerade im Rechnungswesen ist der digitale Wandel bei Unternehmen deutlich spürbar.

Doch wo steht die österreichische Wirtschaft aktuell? Deloitte hat dazu zwischen Juni und September 2018 insgesamt 369 heimische Unternehmen befragt. Das Ergebnis: Die Umsetzung der Digitalisierung im Rechnungswesen schreitet nur langsam voran.
„Bereits 43 Prozent der Unternehmen in Österreich haben eine Digitalisierungsstrategie entwickelt. Weitere 49 Prozent planen, in den nächsten drei Jahren eine solche zu etablieren. Das ist in Anbetracht der rasant wachsenden technologischen Herausforderungen sehr erfreulich”, erläutert Gerald Vlk, Partner bei Deloitte Österreich.

Zukunft in Kinderschuhen

Bei den großen Technologietrends gibt es laut Studie in Österreich noch ordentlich Aufholbedarf. Auf das Zukunftsthema Cloud setzen aktuell nur die wenigsten: 15% geben an, bereits Cloud-Lösungen für das Rechnungswesen zu nutzen; Sicherheitsbedenken und der erwartete hohe Kostenaufwand beim Umstieg halten die meisten Befragten bisher noch davon ab.

„Sicherheitsbedenken sind meist unbegründet. Gerade die größeren Cloud-Anbieter halten sich an hohe Standards. Die Vorteile der Cloud überwiegen hier meist”, betont Gerald Vlk. Robotergesteuerte Prozess­automatisierung ist lediglich bei 14% der Befragten im Einsatz. Über die Hälfte will diese Technologie aus heutiger Sicht gar nicht anwenden. „Robotic Process Automation ist vor allem ein Thema für die größeren Unternehmen. Bei diesen kann eine Anwendung der Technologie Optimierungen bringen”, erklärt Vlk.

Papier versus Digital

Statt auf neue Technologien fokussieren sich die heimischen Unternehmen noch auf Basisarbeiten wie die Automatisierung des Eingangsrechnungsprozesses. Die verschiedenen Rechnungsformate erschweren die automatische Verarbeitung.

Mit 49% erhält der Großteil der Befragten seine Eingangsrechnungen zudem nach wie vor in Papierform. In 44% der Fälle kommen die eingehenden Rechnungen zwar bereits im PDF-Format an, strukturierte Formate wie XML-Dateien sind aber noch selten. Über die Hälfte der elektronischen Rechnungen wird nach Erhalt außerdem wieder ausgedruckt.

Nachfrage steigt

„Die Unternehmen drehen sich oft noch im Kreis. Dabei liegt es auf der Hand: Strukturierte Ausgangsrechnungen steigern die Chance auf automatisierbare Eingangsrechnungen. Auch die kundenseitige Nachfrage nach elektronischem Rechnungsversand nimmt zu”, sagt Katrin Demelius, Senior Managerin bei Deloitte Österreich. „Immerhin geben 73 Prozent der Befragten an, sich in den kommenden Jahren verstärkt mit strukturierten Rechnungsformaten auseinandersetzen zu wollen.”

Berufsbild im Wandel

Durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung im Rechnungswesen entwickelt sich auch das Berufsbild in diesem Bereich weiter.

Das schlägt auch auf den Arbeitsmarkt durch: 81% der Befragten nehmen bereits veränderte Anforderungen an die Mitarbeiter im Rechnungswesen wahr. Fast die Hälfte der Unternehmen will zukünftig verstärkt nach Personen mit fundierten IT-Kenntnissen suchen. Auch Prozessdenken wird laut einem Viertel eine immer wichtigere Fähigkeit.

Geld allein ist zu wenig

„60 Prozent der Unternehmen haben zwar bereits ein klares Budget für die Automatisierung von Buchhaltungsprozessen vorgesehen. Aber Investitionsbereitschaft allein reicht nicht. Die neuen Arbeitsanforderungen müssen bei großen Umstellungen immer mitgedacht werden. Nur wenn Mitarbeiter und Technologie einander ergänzen und gut zusammenspielen, kann man erfolgreich ins digitale Zeitalter starten”, so Demelius.

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL