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Redaktion 05.02.2021

Die Bundesländer im ­Leistungsvergleich

Trotz Covid-19 zeigte sich die Industrie- und Baukonjunktur in den vergangenen Monaten einigermaßen robust.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Aufgrund der Corona-Pandemie lag der Konjunktureinbruch 2020 in Österreich bei –7,5 Prozent. Hauptleidtragende von Covid-19 sind Teile des ­Dienstleistungssektors wie Gastgewerbe und Beherbergung, Kunst und Unterhaltung und Teile des Handels, während sich die Industrie- und Baukonjunktur relativ robust zeigte. In den Bereichen Gesundheit, IT-Dienstleistungen und im Immobilienwesen zeigte sich dagegen in beinahe allen Bundesländern ein positiver Trend.

„Im Vorjahr war die Steiermark vor allem wegen der Sonderkonjunktur in der Fahrzeugindustrie der Wachstumskaiser unter den Bundesländern”, erklärt UniCredit Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. „2020 kam es aber natürlich aufgrund der weltweiten Auswirkungen der Corona-Pandemie zu einem kräftigen Rückgang der Wirtschaftsleistung in allen Bundesländern.”

Tirol mit dem stärksten Minus

Das „Heilige Land” verzeichnete den stärksten Rückgang der regionalen Wirtschaftsleistung mit 9,5 Prozent, gefolgt von Salzburg und der Steiermark mit jeweils –8,5 Prozent.

Vergleichsweise weniger betroffen zeigte sich die Konjunktur im Burgenland und Vorarlberg mit einem Rückgang von jeweils sechs Prozent.
Dazwischen liegen Nieder- und Oberösterreich mit –7,5 Prozent, was der BIP-Veränderung Gesamtösterreichs entspricht. In Kärnten und in Wien war der Rückgang der Regionalwirtschaft mit sieben Prozent etwas unter dem Durchschnitt.

Robuste Produzenten

Erstmals seit dem Krisenjahr 2009 verzeichnete die Industrie 2020 einen Rückgang der Wertschöpfung. Die gute Nachricht: Die Rezession in der Industrie fiel 2020 viel schwächer aus als 2009!

Differenziert nach Industriesektoren, gab es den größten Rückgang der Wirtschaftsleistung in der KFZ-Industrie, im Maschinenbau und in der Metallindustrie. Von dieser sektoralen Schwäche waren vor allem die Unternehmen in den Industriebundesländern Oberösterreich und Steiermark betroffen.
Die globale Konjunktureintrübung führte in den ersten drei Quartalen 2020 auch bei den Warenexporten zu einem kräftigen Rückgang um neun Prozent im Jahresvergleich. Einen starken Exportrückgang gab es in der Fahrzeugindustrie, bei Eisen und Stahl und bei Maschinen, wovon wiederum Oberösterreich und die Steiermark negativ betroffen waren.
Demgegenüber standen robuste Exportzahlen in der Pharma-Industrie – das sind Stärkefelder der Exportindustrie in Wien und Tirol.

Bau zeigt differenziertes Bild

Im Burgenland und in Vor­arlberg konnte die Bauwirtschaft 2020 positive Impulse für die Regionalkonjunktur ­setzen.

Österreichweit waren alle drei Sparten der Bauwirtschaft – Hochbau, Tiefbau und das Baugewerbe – von den Lockdown-Maßnahmen negativ betroffen; den stärksten Rückgang der Bauleistung gab es in Kärnten und Wien.

Positive „Ausreißer”

In den meisten Bundesländern konnten die Bereiche Gesundheit, Erbringung von IT-Dienstleistungen und das Immobilienwesen trotz Lockdown-Maßnahmen positiv zur Wirtschaftsleistung beitragen.

Hingegen verursachten die Lockdown-Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie vor allem im Gastgewerbe und in der Beherbergung, in der Verkehrswirtschaft und in Teilen des Handels einen massiven Rückgang der Sektorwertschöpfung. Am stärksten war der negative Wachstumsbeitrag des Dienstleistungssektors in Tirol, Salzburg und Wien, am geringsten in den Industriebundesländern Steiermark und Oberösterreich.

Viel mehr Arbeitslose

Aufgrund der Lockdowns stieg die Arbeitslosenquote in allen Bundesländern stark an. Den prozentuell kräftigsten Anstieg der Arbeitslosenzahl wiesen die Tourismushochburgen Tirol und Salzburg auf, die von den Hotelschließungen besonders stark betroffen waren.

Die niedrigste Arbeitslosenquote wies 2020 Oberösterreich mit 6,7 Prozent auf, während die Bundeshauptstadt Wien mit 15,3% die mit Abstand höchste Quote verzeichnete.
Größtes Sorgenkind bleibt der Tourismus: Hier hat sich die Arbeitslosigkeit im Jahresabstand auf knapp 80.000 Betroffene verdoppelt. Die Fremdenverkehrs-Bundesländer Tirol (+118%) und Salzburg (+71%) sind daher von der Winterarbeitslosigkeit mit Abstand am stärksten betroffen, während Niederösterreich (+14%) und das Burgenland (+15%) noch relativ glimpflich davongekommen sind.

Ein Lob der Kurzarbeit!

Ende Jänner waren beim AMS bundesweit insgesamt 535.470 Menschen als arbeitslos gemeldet oder befinden sich in einer AMS-Schulungsmaßnahme – um 27 (!) Prozent mehr als im Jänner 2020 und um knapp 15.000 Betroffene mehr als im Dezember.

Dass die 600.000er-Marke nicht überschritten wurde, liegt vor allem an der Kurzarbeit, die im Jänner für 470.000 Personen beantragt wurde.

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