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© ARA/Werner Streitfelder

Redaktion 13.01.2023

Altstoffe sind die neuen Rohstoffe Europas

ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke: „So schafft man Mehrwert für Unternehmen, Gesellschaft und Umwelt.”

••• Von Georg Sander

Altstoffe sind eine wichtige Rohstoff­quelle, die in ­Zeiten der Klimakrise immer wichtiger wird. Die gemeinnützige Organisation ARA-Gruppe (Altstoff Recycling Austria) hat mit Vorstandssprecher Harald Hauke einen wahren Profi des Fachs an der Spitze. Der Industrie- und Markenmanager war bei Nestlé, Lindt & Sprüngli und Unilever – und ist nun seit elf Jahren in der Gruppe tätig, unter anderem als Geschäfts­führer der Austria Glas Recycling GmbH; seit Oktober 2022 ist er Vorstands­sprecher.

In den retail conversations (medianet.tv) erklärt Hauke, dass er jede Anstrengung, Verpackungen in Europa und Österreich zu rezyklieren, nicht nur als Investition in den Klima- und Umweltschutz sieht, sondern auch direkt in die heimische Wirtschaft und präsentiert die ARA als Recycling-Investor mit der Volkswirtschaft als Profiteur, denn „wir alle sind Teil des Kreislaufs”.

Das Ziel: Nachhaltigkeit

Sammelsysteme wie die ARA und die Kreislaufwirtschaft sind sinnvolle Investitionen in eine nachhaltige Zukunft für unseren Planeten und die Wirtschaft, vor allem aber für Europa, weil es hier wenig Rohstoffe gibt. Altstoff kann somit auch als solcher interpretiert werden, sei es Glas, Kunststoffe, Metalle, Elektroschrott, etc.

ARA versteht sich als Vorreiter und schenkt dem Altstoff die verdiente Aufmerksamkeit: „Wir haben über 130 Sammelpartner – von Städten und Gemeinden, über Abfallwirtschaftsverbände bis hin zu Medien und Bevölkerung”, sagt Hauke. „Wir haben alle ein großes Ziel: Klimaschutz und Nachhaltigkeit.” In den letzten Jahren habe man versucht, das EU-Kreislaufwirtschaftspaket bestmöglich zu unterstützen.
Da gebe es eine ganze Reihe an Zielen, die in den nächsten Jahren zu erreichen sind. Die drei Säulen dafür sind Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt bzw. die drei C: Circular Economy, Community und Convenience. „Die Bevölkerung ist der wichtigste Teil”, hebt Hauke hervor. Weder ARA noch Politik oder Kommunen könnten die Ziele alleine umsetzen, insofern müsse man es den Menschen so einfach wie möglich machen.

Vereinheitlichte Systeme

Ein Beispiel: Von Neusiedler bis Bodensee ist die Sammlung von Papier oder Bunt- bzw. Weißglas exakt gleich. Beim Kunststoff sei das noch anders. So gebe es, teils historisch gewachsen, zehn verschiedene Systeme. „Wer in Baden wohnt, in Wien arbeitet und in Kärnten Urlaub macht, der hatte drei Systeme”, erklärt Hauke. Seit 1. Jänner 2023 ist das anders: Da werden alle Kunststoffe in der Gelben Tonne gesammelt. Ab 2025 folgen dann auch die Metallverpackungen in dieser Form. Sprich: nur eine Tonne für Plastik- und Metallverpackungen. Manche Bundesländer wie Wien oder Niederösterreich ziehen das jetzt schon vor.

„Es gibt dann Papier, Glas und den Rest”, so der Vorstandssprecher, „dann ist es aus unserer Sicht für die Konsumenten wesentlich einfacher, den Müll zu trennen.” So könne man dann, wenn der Übergang abgeschlossen ist, auch einheitlich kommunizieren. Bei Metall, Papier und Glas übererfüllt man somit schon heute die EU-Anforderungen hinsichtlich Kreislaufwirtschaft. Das betrifft übrigens auch die Kommunen. Das Ziel bis 2030 hinsichtlich Kunststoff – aktuell wird dieses Ziel von 22,5 mit 31% übertrumpft – liegt bei 55%: „Eine Herausforderung, der wir uns aber auch stellen.”

App schafft Sicherheit

Convenience, also Komfort, soll dabei ein Schlüssel sein. Gemeinsam mit der Firma Saubermacher wurde eine App entwickelt. „Sie heißt digi-Cycle, man kann sie schon herunterladen”, erklärt Hauke. Beworben wurde sie 2022 noch nicht. „Der erste Schritt ist, gemeinsam mit Industrie und Handel, so viele EAN-Codes wie möglich einzuspeisen.” Anhand derer erkennt die App dann, um welche Verpackung es sich handelt. Ein Beispiel: Ein Joghurt-Becher hat oben einen Aluminiumverschluss, einen Kunststoffkörper und oftmals eine Ummantelung aus Karton. Mit dem Code zeigt die App genau an, worum es sich handelt und in weiterer Folge, wo der nächste Container ist.

In einem weiteren Schritt soll, Stichwort Gamification, mittels Intensivierung versucht werden, mehr Verpackungen zu sammeln. Etwa durch Produkte oder Gutscheine bei einer bestimmten gesammelten Anzahl. Der dritte Schritt wäre noch, in Zukunft Pfand über die App abzuwickeln. Denn ab 1. Jänner 2025 kommt das Einwegpfand auf Kunststoffeinwegflaschen sowie Getränkedosen. 25 Cent soll dieses ausmachen. Bis 2029 sollen so 90% aller Kunststoffflaschen gesammelt werden. Die App kann hierbei helfen und auch bei möglicherweise noch folgenden Produktkategorien.

Die ARA als Investor

Die App-Entwicklung ist aber nicht die einzige Neuigkeit bzw. Investition. In Oberösterreich wird die ARA mit Partnern eine große Sortieranlage errichten. „Ein weiteres C: Circular Economy”, spricht er die Kreislaufwirtschaft wieder an – und das ist nicht einfach: „Um 50 Prozent der Kunststoffverpackungen zu recyceln, müssen wir 80 Prozent sammeln und die dann sortieren.” Hier braucht es einen Grad von 80%. Um das zu erreichen, will man nun eben die größte und modernste Sortieranlage in Österreich bauen. Gemeinsam mit DSD – Duales System Holding GmbH & Co. KG (Der Grüne Punkt) und der Bernegger GmbH wird an einem Standort von Letzterer in Enns eine Anlage errichtet. Diese soll ab 2025 pro Jahr rund 100.000 t Leichtverpackungen aus der Gelben Tonne und dem Gelben Sack für das anschließende Recycling aufbereiten. Derzeit schafft die größte bis zu 30.000 t. Über große Investitionen hinaus sei es auch wichtig, die gesamte Gemeinschaft – die Community – ins Boot zu holen. Hier setzt man bereits in der Schule an.

Die Menschen mitnehmen

Auch das Thema Umweltbildung ist wichtig und findet, etwa durch ARA4Kids, statt. Das koste, aber man mache es gerne, bekommt Unterstützung durch die Kunden. So kann bereits früh Bewusstsein geschaffen werden. Dazu kommt eine Awareness-Kampagne namens „Rohstoffe im Kreislauf halten”: „Die Idee ist simpel. Unser Claim ist: Ich möchte deine Verpackung zurück. Dabei ist das Wort ‚Verpackung' durchgestrichen und wird durch ‚Rohstoffe' ersetzt.”

Die Philosophie ist, via Dominoeffekt und Marken, die ARA unterstützen, möglichst viele zu erreichen: „Alle teilen die Botschaft über ihre Kanäle. Damit erreichen wir Millionen Österreicher. Alleine könnten wir das auch nie schaffen.” Der Zuspruch sei groß, es sei ein „virales Lauffeuer” und soll zu noch mehr Sammlung führen.
Außerdem gibt es noch die Abfallberatung, um am Ende der Produktion so wenig Rohstoffe wie möglich zu verschwenden. Beides bringt am Ende des Tages mehr Geld. Für die Wirtschaft heißt das: „Sekundärrohstoffe kann ich verkaufen, Restmüll muss teuer entsorgt werden.”

Sammelquoten

Um Bewusstsein dafür zu schaffen, hat man zudem den ARA Circular Economy Barometer geschaffen. „Wir wollten wissen, wie stark Kreislaufwirtschaft genutzt wird, ob man mehr Chancen und Risiken sieht. Wir fragen große bis kleine Unternehmen”, erklärt Hauke. Die Bereitschaft stimmt – mit einem Anstieg von 50,0 (2021) auf 59,2 (2022) auf einer Skala von 0 bis 100. Jedes zweite Unternehmen in Österreich plant, in Circular Economy zu investieren. Er sagt: „Das ist ein Triple-Wumms. Die Unternehmen sehen deutlich mehr Chancen, obwohl wir in einer großen Krise sind.” Und die ARA-Gruppe will noch besser zeigen, wie das geht, denn schon seit 2017 gibt es die Agenda 2030 auf Basis der 17 SDGs: „Unser Anspruch ist, Vorreiter zu sein.” Und am Ende des Tages, so Harald Hauke, schafft man so Mehrwert für die Unternehmen, die Gesellschaft und die Umwelt.

Den gesamten retail conversations-Beitrag sehen Sie hier:

https://tv.medianet.at/video/retail-ara-altstoffe-als-wertvolle-ressource

Redaktion TV: Andy Marada

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