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© ORF/Roman Zach-Kiesling

Leitung Stefan ­Zechner führt seit vielen Jahren die ORF-Delegation zum Eurovision Song Contest. Auch heuer ist er wieder als deren Leiter ­unterwegs.

Dinko Fejzuli 12.05.2017

Der ESC-Klassenvorstand

Seit vielen Jahren führt Stefan Zechner die ORF-Delegation als deren Leiter zum jeweiligen Song Contest. medianet bat ihn um eine Job-Beschreibung.

••• Von Dinko Fejzuli

KIEW. Stefan Zechner ist seit mehreren Jahren Delegationsleiter für den ORF beim Song Contest. medianet traf ihn vor Ort in Kiew beim diesjährigen Megaevent und bat ihn zum ­Interview.

medianet:
Herr Zechner, im Vergleich zu den anderen Teilnehmern – wie sehen Sie unsere Chancen?
Stefan Zechner: Ich schätze ­keine Chancen ein, bevor ich keine Performance auf der Bühne gesehen habe. Da kann man noch relativ leicht performen, noch dazu im Studio von der Stimme sehr viel machen; deshalb ist es auch so wichtig, die Künstler live auf der Bühne zu sehen.

In Bezug auf die eigenen Delegation war alles vor der Abfahrt nach Kiew noch relativ entspannt. Insgesamt sind wir aber sehr froh, dass es dann am Ende auch endlich losgegangen ist.


medianet:
Vor der Ankunft hier am 1. Mai war unser Vertreter noch nicht wirklich auf dem Radar der anderen. Ab seiner Ankunft hier hat er sich dann aber zu einer Art Geheimtipp entwickelt. So platziert die österreichische Delegation unseren Vertreter beim Song Contest.
Zechner: Ich stelle unseren eigenen Künstler auch nirgendwo hin, weil die Eurovision immer wieder so überraschend sein kann, und Länder ins Finale kommen, wo ich mir denke, das kann es jetzt aber nicht sein.

Von meiner Grundstruktur her bin ich aber ein Zweckoptimist und ich freue mich, wenn wir ins Finale kommen. Lassen wir uns mal überraschen. (Anmerkung der Redaktion: Das Interview mit dem Beteiligten fand noch vor dem zweiten Semifinale statt, in dem unser Vertreter Nathan Trent seinen Auftritt hatte. Die Entscheidung, ob er ins Finale eingezogen ist oder nicht, fand nach Redaktionsschluss statt und konnte entsprechend auch in den Interviews nicht berücksichtigt werden.)


medianet:
Lassen Sie uns kurz über die Organisation reden. Da gab es ja in Kiew einige Schwierigkeiten im Vorfeld …
Zechner: Nach außen hin, in dem, was wir so mitbekommen, ist alles gut organisiert. Die Menschen sind extrem freundlich, es funktioniert alles. Es gibt so ein paar Kleinigkeiten, die im Top-Level nicht ganz funktionieren; ich möchte aber daraus keine Rückschlüsse ziehen, was im Vorfeld passiert ist oder nicht, weil ich nicht dabei war. Ich weiß aber, was für ein Aufwand es ist, einen Song Contest zu organisieren, aber es sind wirklich Kleinigkeiten, die nicht optimal funktionieren. Ich bin aber überzeugt, dass es auch am Samstag eine tolle Final-Show geben wird.

medianet:
Sie sind ja als Delegationsleiter für die österr. Truppe verantwortlich. Was macht ein Delegationsleiter eigentlich?
Zechner: Der Delegationsleiter beginnt in Wahrheit bereits nach dem letzten Song Contest gemeinsam mit anderen zu überlegen, wer vertritt unser Land in einem Jahr. Das geht bis zur Organisation des gesamten Teams. Wir sind hier immerhin inklusive Künstler um die 25 Personen, und in der Zusammenarbeit mit Presseabteilung, Marketing, Onlineteams und TV-Teams bemüht, ein gutes Package zu schnüren, damit wir hier ordentlich performen.Hier vor Ort ist dann schon viel getan, und es geht vor allem darum, den Künstler zu betreuen, damit er die bestmöglichen Arbeitsbedingungen vorfindet, und bestmöglich abliefern zu können.

medianet:
Wie weit kann man da auch eingreifen?
Zechner: Es kommt immer auch auf den jeweiligen Künstler an. Nathan neigt zum Beispiel dazu, fast zu viel zu machen, weil es ihm so unglaublich gefällt, all das zu machen. Da muss ich darauf schauen, dass er sich nicht zu sehr verausgabt.

medianet:
Sind sie so etwas wie der Klassenvorstand auf der Klassenfahrt?
Zechner: Richtig. Es hat auch etwas von Skikurs. Wir sind ja auch sehr oft als Gruppe mit dem Bus unterwegs, und da findet dann der eine oder andere mal seine Akkreditieurung nicht, ohne die man aber nirgends reinkommt, der Zweite hat Hunger und der Dritte muss noch aufs Klo (lacht). Ja, der Vergleich mit dem Klassenvorstand passt wunderbar.

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