MARKETING & MEDIA
© Kronehit

Redaktion 11.02.2022

Eigenvermarktung als wesentliches Asset

Die Kronehit-Geschäftsführer Mario Frühauf und Philipp König im Interview über ihre Agenda für 2022.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN.  „Mehr als 900.000 Menschen nutzen Kronehit werktags als Unterhaltungs- und Informationsmedium. Im Vergleich zum Radiotest 2020/4 steigt damit die Tagesreichweite in der Zielgruppe 10+ und auch in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen um jeweils 23% (Mo–So). medianet bat aus gegebenem Anlass das neue Führungsduo Mario Frühauf und Philipp König zum Interview

medianet: Herr König, Kronehit hatte bisher einen Alleingeschäftsführer, nun gibt es mit Ihnen beiden eine Doppelspitze. Welche Gründe sprechen für diese organisatorische Neuaufstellung und welche Dinge stehen für Sie auf der Agenda für das Jahr 2022?
Philipp König: Diese Änderung war bereits seit längerer Zeit fixiert. Die Doppelgeschäftsführung ist ein Modell, wie es in allen anderen Unternehmen unserer Gruppe auch gelebt wird. Durch die Aufteilung in die operativen Themen wie Programm, Verkauf, Marketing, Digital und Strategie, die durch Mario wahrgenommen werden, und die Bereiche Recht, Medienpolitik, Verwaltung und Technik, die durch mich wahrgenommen werden, ergänzen wir uns in den jeweiligen Fachbereichen hervorragend.

medianet:
Herr Frühauf, die aktuellen Radiotestzahlen sind da und für Kronehit mehr als erfreulich. Ich nehme an, Sie sind zufrieden …
Mario Frühauf: Ich war schon lange nicht mehr so zufrieden! Wir haben zu Beginn des Vorjahres diverse Änderungen vorgenommen und an vielen Stellschrauben gedreht – dieses sensationelle Ergebnis ist der Output. Ich gehe davon aus, dass viele Auftraggeber die neuen Werte entsprechend würdigen und ihre Planung nochmals überarbeiten werden, um das günstige Preis-Leistungs­verhältnis für sich beziehungsweise ihre Kunden zu nutzen.

medianet:
Laut dem aktuellen Radiotest ist die RMS Top Kombi erstmals das reichweitenstärkste Radioangebot bei 14–49. Welchen Beitrag hat Kronehit bei diesem Meilenstein geleistet?
Frühauf: Kronehit leistet einen sehr großen Beitrag, im Vergleich zum RT 2020/4 haben wir in der ZG 14–49 (Mo–So) rund 124.000 Hörer dazugewonnen, die RMS Top Kombi 69.000 Hörer – ein schöner Erfolg für unsere Branche, zu dem jeder Privatradiosender seinen Beitrag leistet.

medianet: Herr König, in Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn waren Sie unter anderem in einer Anwaltskanzlei, beim ORF und zuletzt Büroleiter und Rechtsexperte des ehemaligen Kanzler-Medienbeauftragten Gerald Fleischmann; Sie sind nun bei Kronehit und haben so vermutlich einen sehr guten Einblick in die Bedürfnisse aller Marktteilnehmer an den Gesetzgeber. Aus Ihrer Sicht: Wo muss die Politik die Stellschrauben neu stellen, um gegen die internationale, digitale Konkurrenz besser bestehen zu können – vor allem aus Sicht von Kronehit?
König: Die Stellschrauben auf nationaler Ebene sind das eine. Gerade jetzt werden in Zusammenhang mit der Regulierung der internationalen, digitalen Konkurrenz auf europäischer Ebene jedoch Rechtsakte diskutiert, die für die heimische ­Branche weitreichende Folgen haben könnten – positiv wie negativ.

Der Digital Markets Act und der Digital Services Act werden den europäischen Rechtsrahmen insbesondere im Bereich digitaler Dienste stark beeinflussen. Hier gilt es einerseits, die Interessen europäischer Anbieter im Auge zu behalten und andererseits auf die Besonderheiten des europäischen Marktes einzugehen. Bei aller Wichtigkeit eines digitalen Binnenmarktes dürfen die Interessen kleiner Mitgliedsstaaten dabei nicht unter die Räder kommen. Bereits etablierte Rechtsinstrumente wie beispielsweise Must-Carry- und Must-Be-Found-Bestimmungen zugunsten nationaler Anbieter könnten dabei ebenso eingesetzt werden wie bspw. eine Verschärfung der Haftungsbestimmungen für internationale Plattformen oder ein punktuelles Abgehen vom Herkunftslandsprinzip, wo dies zum Erhalt regionaler Vielfalt erforderlich ist.

medianet: Der ORF fordert aktuell vor allem im digitalen Bereich deutliche Erleichterungen. Wo sind für Sie die roten Linien?
König: Es gibt keine bestimmten roten Linien. Das Gesamtpaket muss am Ende einen entsprechend fairen Interessensausgleich zwischen den Marktteilnehmern darstellen. Einseitige Erleichterungen zugunsten des ORF würden die heimischen Medienunternehmen massiv schädigen. In einem solchen Fall müsste man sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen – zum Schutz der Medienvielfalt und zum Schutz des österreichischen Medienstandorts.

medianet:
Auf der anderen Seite wünschen sich die Privatsender, zum Teil ORF-Inhalte kostenlos auf deren eigene Plattformen stellen zu können. Wie ist hier der Standpunkt von Kronehit vor allem im Hinblick auf den neuen ORF-Player? Und: Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Content auch einer ORF-Radiothek zu überlassen, denn nach derzeitigem Stand ist ein gemeinsamer Player noch nicht realisierbar.
Frühauf: Diese Frage kann und möchte ich nur aus Radiosicht beantworten. Es gibt seitens der Privatradios die Einladung an den ORF, seine Radioprogramme auch über den Radioplayer zu verbreiten. Ich habe den Eindruck, dass sehr konkret über unseren Vorschlag nachgedacht wird. Eine finale Entscheidung beziehungsweise Zusage steht aber noch aus. Ganz grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir auf Plattformen kooperieren sollten und der Wettbewerb über den zur Verfügung gestellten Content ausgetragen wird. Der Radioplayer wäre ein erster Schritt.

medianet:
Herr Frühauf, Ihr Sender ist sicherlich ein wesentliches Asset für das RMS-Vermarktungs-Portfolio, aber auch Sie selbst vermarkten Ihren ­Sender natürlich selbst. Wie teilen sich hier die Erlösströme auf?
Frühauf: Mir war eine starke Eigenvermarktung immer sehr wichtig, nicht nur weil ich die Abteilung aufgebaut und rund 15 Jahre lang geleitet habe. Auch aus wirtschaftlichen Aspekten ist es wichtig, so wesentliche Unternehmensbereiche in der eigenen Hand zu haben und nicht zu sehr von äußeren Einflüssen abhängig zu sein. Wir tragen mit unserer Reichweite und Marktbedeutung natürlich auch dazu bei, dass die RMS Top Kombi am Markt eine hohe Relevanz hat. Im Gegenzug profitieren wir entsprechend unserer Marktbedeutung an den generierten Erlösen. Es ist aber nach wie vor so, dass deutlich mehr als 50 Prozent unserer Erlöse aus der Eigenvermarktung kommen.

medianet:
Noch eine Frage zu möglichen neuen Erlösquellen, auch wenn diese derzeit noch nicht relevant sind. Kronehit ist auch im Digitalbereich beziehungsweise mit speziellen Streaming-Angeboten sehr aktiv. Wie ist hier der Stand und welche Pläne haben Sie hier und welche Bedeutung hat dieses Angebot für die Marke Kronehit?
Frühauf: Wir versuchen mit unserer Marke auf allen gängigen Plattformen und Endgeräten unsere Hörer bzw. User mit entsprechenden Angeboten zu erreichen. Der Aufbau eines breiten digitalen Spektrums ist für die Marke wichtig. Auch die Erlöse steigen von Jahr zu Jahr. Wir planen, im ersten Halbjahr 2022 in unseren Streams Programmatic Advertising einzuführen. Es gibt viele weitere Pläne, Ideen und Überlegungen, in denen die digitale Transformation eine wichtige Rolle spielt. Genauso wichtig beziehungsweise gegenwärtig noch viel wichtiger ist aber das Hier und Jetzt.

medianet:
In einem Interview in medianet meinte der neue VÖP-Präsident Stögmüller, dass mit seinen Gebühreneinnahmen im Rücken die Rabatt-Politik des ORF die Privatsender marktverzerrend unter Druck setzen würde. Teilen Sie seine Ansicht und wenn ja, wie könnte eine Lösung aussehen, denn gesetzlich gibt es ja einen Rabatt-Korridor, innerhalb dessen sich der ORF bewegen muss?
König: Selbstverständlich stehen wir hinter der Meinung des VÖP-Präsidenten, und die angesprochene Regelung kennt leider viele Ausnahmen. Die Rabattsituation ist sehr vielschichtig und deshalb gilt es auch hier, an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten.

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