MARKETING & MEDIA
© APA / dpa / Christian Charisius

Redaktion 11.03.2022

Von Hegemonie zu Diversität

Das House of Communication wurde zum Weltfrauentag zum House of Diversity, Equity and Inclusion (DE&I).

••• Von Josephine Wolfram

WIEN. Anlässlich des 111. Weltfrauentags am 8. März 2022 lud das House of Communication zu einem Online-Talk mit dem Schwerpunkt „Diversity, Equity & Inclusion” ein. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer der Serviceplan-Gruppe, Markus Mazuran, übernahm Christian Berger den ersten Abschnitt des Talks zum Thema „Gender Gaps in Wirtschaft und Gesellschaft”.

Der Universitätslektor und Gleichstellungsexperte ging auf die politökonomischen Perspektiven der Geschlechterverhältnisse im 21. Jahrhundert ein, „die manchmal modern wirken, aber in Zahlen betrachtet und mit Blick auf Macht und Herrschaft wenig verändert sind”. Laut Berger gäbe es heute zwar kein „Ernährer-Modell” mehr mit einem Hauptverdiener und der weiblichen Zuverdienerin, aber „sehr wohl noch eine abgestufte Form davon”. Blickt man auf die Coronakrise zurück, waren Frauen in systemrelevanten Berufen besonders belastet.
„Auf der anderen Seite gibt es eine große Gruppe von Frauen, die nicht in systemrelevanten Berufen tätig sind, aber übermäßig von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Das wiederum hat einen langfristigen Einfluss auf den Gender Pay Gap”, erklärte Berger die Entstehung von ökonomischen Ungleichheiten.

Narrative gegenüberstellen

Im zweiten Abschnitt sprach Marita Haas, Genderexpertin, über das Thema „Diversity – wozu?” Sie räumte dabei mit alten Gender-Mythen auf und nahm Unternehmen in die Verantwortung, strukturelle Rahmenbedingungen für Gleichberechtigung zu schaffen. Das erste Narrativ, auf das sie einging, ist „Frauengeführte Unternehmen performen besser”. Diese Hypothese sei bereits weit verbreitet durch empirische Erhebungen, aber dennoch „kritisch zu betrachten”. „Sieht man sich diese von Frauen geführten Unternehmen an, kann man tatsächlich Korrelationen erkennen. Was wir aber nicht entdecken können, ist eine Kausalität”, so Haas. Das zweite Narrativ lautet „Diverse Teams bringen bessere Leistungen”.

„Nur die Tatsache, dass ich unterschiedliche Personen an einen Tisch bringe, bedeutet noch nicht automatisch, dass bessere Ergebnisse erzielt werden”, so Haas. „Der Boden für Diversität ist die gegenseitige Akzeptanz und die Bereitschaft, die eigenen Bilder zu hinterfragen”, erklärte sie weiter. Das dritte Narrativ, auf das sie einging, lautet „Diversität ist ein Wettbewerbsfaktor”. Die Expertin äußerte sich kritisch: „Warum brauchen wir einen ökonomischen Grund für Gleichberechtigung? Geht es nicht eigentlich um Fairness?”

Diversity richtig umsetzen

Was können Unternehmen tun, um ein diverses Arbeitsfeld zu schaffen? „Der wichtigste Punkt ist, die Relevanz der Themen Diversity und Gendern anzuerkennen”, so Haas. Weiters sei es essenziell, „die Nutzenmaximierung in den Hintergrund zu stellen” und Diversity als Ausgangspunkt zu setzen.

Arbeitgeber sollen ihre gesellschaftliche Verantwortung als solche erkennen und faire Bedingungen am Arbeitsplatz schaffen. Ein weiterer Punkt sei, Diversität als Grundsatz im Recruiting zu verankern, aber nicht in Form von „Diversity-Picking”, so Haas. Ihre Conclusio: „Wir stehen noch am Anfang, aber es soll uns nichts davon abhalten, in Zukunft mehr auf dieses Thema zu achten”.

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL