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© APA/dpa/Uwe Anspach

Redaktion 07.06.2019

CO2-Richtlinien: Ein Wettlauf mit der Zeit

Die Begrenzung der CO2-Emissionen hängt wie ein Damoklesschwert über der Automobilbranche.

WIEN. Das größte Problem der europäischen Autohersteller ist aktuell weder der Brexit noch drohende Automobilzölle in den USA, sondern die im April verabschiedeten neuen Vorschriften der EU zur Begrenzung der CO2-Emissionen. Zu diesem Schluss kommt die Kreditversicherung Acredia in ihrer aktuellen Studie.

Wettlauf mit der Zeit

„Die europäischen Hersteller müssen gemäß der Richtlinie die CO2-Emissionen innerhalb von nur zwei Jahren um 20 Prozent senken. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren waren es minus 25 Prozent. Das ist mehr als sportlich”, sagt Gudrun Meierschitz, Acredia-Vorständin. „Hinzu kommen weitere ehrgeizige Ziele für 2025 und 2030. Das wird ein Wettlauf mit der Zeit, den die Hersteller wahrscheinlich verlieren werden.”

Die neuen Emissionsziele könnten für die Automobilindustrie nach Ansicht der Studie sogar ein katastrophales Szenario auslösen. Aktuell erfüllt kein Hersteller die geforderten Abgasnormen.

Hohe Geldbußen drohen

„Für die Autohersteller ist es gleich in dreierlei Hinsicht eine riesige Herausforderung”, sagt Meierschitz. „Es erfordert zum einen eine schnelle und drastische Anpassung des Antriebsstrangmix zugunsten von alternativ angetriebenen Fahrzeugen. Zum anderen drohen bei Nichterreichen hohe Geldbußen: Wenn man von den Zahlen von 2018 ausgeht, würden sich diese auf 30 Milliarden Euro summieren. Das entspricht der Hälfte der gesamten Nettogewinne der Hersteller. Außerdem würde eine vollständige Weitergabe der zusätzlichen Produktionskosten an die Kunden zu einem Rückgang der Verkäufe führen mit Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsplätze.”

Die Produktionskosten könnten bis Ende 2020 um bis zu sieben Prozent und bis 2025 um bis zu 15% steigen. Deren vollständige Weitergabe an die Kunden würde zu Einbußen bei den Autoverkäufen um neun Prozent bis Ende 2020 und um 18% bis 2025 führen.

Ziele kaum erreichbar

Es ist nach Einschätzung der Acredia-Experten nahezu sicher, dass die Hersteller die geforderten CO2-Ziele nicht einhalten werden können. Gudrun Meierschitz: „Selbst mit einer schnellen Anpassungsstrategie werden sie maximal ein Drittel der Ziele erreichen. Wir erwarten daher bis Ende 2020 einen Anstieg der durchschnittlichen Pkw-Preise um etwa 2,6 Prozent und einen Rückgang der Neuzulassungen um 3,1 Prozent. Das dürfte zu einem Minus von 2,9 Mrd. Euro bei den verkauften Fahrzeugen führen und etwa 60.000 Arbeitsplätze gefährden.” (red)

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