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Redaktion 08.09.2023

Das Ottakringer-Rezept für gutes Wirtschaften

Ottakringer hat Tradition. Mit Kreativität kommt man durch die aktuellen Zeiten, meint Geschäftsführer Harald Mayer.

••• Von Georg Sohler

Die gute Nachricht für alle Freunde des Gerstensafts aus dem 16. Wiener Gemeindebezirk verrät Ottakringer-Geschäftsführer Harald Mayer gleich vorneweg. Denn auch wenn die Zeiten herausfordernd für alle Menschen sind, gelte: „Als Familien-geprägte Privatbrauerei mit 186-jähriger Erfahrung können wir langfristiger denken und agieren. Wir unterliegen hier nicht den oft üblichen Konzern- bzw. Renditezwängen.”

Klarerweise aber müssen die gestiegenen Kosten abgebildet werden, bei Ottakringer aber eben „in weniger kleinteiligen Schritten, die, wie ich meine, sehr moderat und transparent an die Kundschaft weitergegeben” würden. Das sei ein Mitgrund dafür, warum die Brauerei trotz aktuell angespannter Situation in der Gastronomie gerade auch neues Land dazugewinnen konnte. Sein Zugang zu Teuerungen: „Energie- und Rohstoffpreise haben sich aktuell auf einem Plateau eingependelt. Weitere Preissteigerungen kann man nie ausschließen, aber ich denke, dass der aktuelle Status quo etwas andauert und damit zumindest auch Planbarkeit bietet.” Ottakringer selbst ist eben aus mehreren Gründen resilient.

Ein Produkt für viele Events

Die Jahreszwischenbilanz sieht positiv aus – auch, weil man das anbietet, was gewünscht ist. „Wir haben im Sommer eine Marketagent-Umfrage in Auftrag gegeben, die bestätigt, dass Bier einfach zum Sommer und seinem Lebensgefühl dazugehört”, erklärt Mayer. Als Bier- und Servicepartner betreut man jährlich rund 500 Events, darunter die großen Sommerevents wie Donauinselfest oder Novarock. Da stimmt die Laune für ein Bier, in den verschiedensten Ausführungen.

„Biergenuss mit weniger Alkohol rückt immer mehr in den Vordergrund”, weiß er. „Daher bieten wir auch das vielleicht spannendste Radler-Lineup von Wassermelone als Limited Edition, über Zitrone-Minze bis hin zu unserem ‚Bierspritzer', ein perfekt für die Gastro abgestimmter Soda-Radler.” Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch auf der hauseigenen Event-Location. Den Heimatmarkt kann man mit dem eigenen Betriebsgelände gut in den Mittelpunkt rücken: „Unser Betriebsgelände ist ein echtes Asset für die Bearbeitung unseres Zielmarkts. Heuer möchten wir erstmals die 500.000 Besucher-Grenze knacken.” Das Bierfest werde auch heuer ein voller Erfolg sein und besonders freut ihn, dass immer öfter auch Touristen kommen. Denn diese spielen auch beim Absatz eine Rolle.

Auffälligkeiten und Neues

In Wien spüre man Unterschiede zwischen den Touristenzonen und den Wohn- bzw. Randbezirken. Dass der Städtetourismus in Wien wieder voll angelaufen ist, könne er definitiv bestätigen. „Teilweise liegen wir hier auf Vor-Corona-Niveau oder vereinzelt leicht darüber”, so der Geschäftsführer, der auch zugibt: „In den Wohnbezirken und etwas außerhalb ist das Bild aber für uns etwas schwerer zu lesen. Hier spüren wir die allgemeine Konsumverhaltenheit natürlich auch in der Gastro.”

Das sei für Ottakringer als Gastropartner der wichtigste Grund, „mehr denn je für unsere Wirtinnen und Wirte da zu sein”. Es kommen laufend Gastrokunden dazu, Mayer betont die eigenen Partner- und Servicequalitäten als Grund. Als regionale Privatbrauerei, die seit 1837 ihrem Standort treu ist, hat man sich zudem dazu entschieden, den Heimatmarkt stärker in den Mittelpunkt zu rücken – mit durchaus kreativen Ideen für Partner und Kunden. „Unsere ‚Bierzirke'-Offensive, bei der wir jedem Bezirk sein eigenes Bier gegönnt haben und so aus einem ‚Ottakringer' auch mal einen ‚Hietzinger' oder ‚Hernalser' gemacht haben, war ein charmanter Aufschlag, den wir bestimmt so oder so ähnlich wiederholen möchten”, erklärt er. Neben neuen Produkten beschäftigt sich Ottakringer im Hinblick auf Pfandsysteme und Nachhaltigkeit aber auch sehr stark mit Gebinden, alternativen und wirklich „tragbaren” Verpackungslösungen: „Wir möchten hier als Brauerei den Trend mitbestimmen und nicht bloß erfüllen, was uns ins Lastenheft geschrieben wird. Gerade im urbanen Raum, wo der Einkauf zu Fuß oder per Rad nach Hause transportiert wird, braucht es Kreativität.”

Regional und privat

Das alles geschieht unter Verwendung von besten Rohstoffen aus den klimatisch ideal geeigneten Regionen. Leider sind die besten Regionen für beispielsweise Hopfen viele Kilometer von der Brauerei entfernt, was die Möglichkeiten für kürzere Transportwege erschwert.

Dann muss man eben wieder innovativ sein: „Wir haben hier erste Versuche mit kreativen Landwirten in und um Wien gestartet, unsere Rohstoffe ganz lokal zu ziehen. Denn die Verfügbarkeit im Landesosten würde eben nicht nur kürzere Transportwege und noch mehr lokale Identität, sondern auch Wertschöpfung dort hinbringen, wo man unsere Produkte schätzt und genießt.” Unterm Strich gelte für ihn: Die Kundschaft vertraut in Österreich ihren regionalen Biermachern. Mit dem Label „Privatbrauerei” will man dies noch stärker zeigen. „Man sieht unsere Kreativität, unseren Regionalitätssinn und so stiften wir auch ein Stück weit lokale Identität. Doch man möchte von uns auch mehr als ‚nur' klassisches Bier”, führt er aus. Der Innovations- und Qualitätsdruck auf alle Marktteilnehmer sei – positiv – groß.
Jede Brauerei habe auch das oft internationale Know-how, um auch abseits von klassischen Bieren kreative Varianten, Sorten oder gänzlich neue Produkte mit mehr, weniger oder gänzlich ohne Alkohol zu kreieren: „Wir, die Privatbrauereien, arbeiten mit Hochdruck daran, einerseits völlig Neues zu schaffen und gleichzeitig die jahrundertealte Biertradition zu würdigen. Die Flexibilität des Kleinen – und die besitzen auch wir als verhältnismäßig große Privatbrauerei – hat hier enormen Vorteile.” Viele Köche schaffen viel, selbst wenn man am Markt, insbesondere im LEH, im Wettbewerb steht. Doch das Miteinander ist wichtig.

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