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Nataša Nikolic 20.01.2017

Der Zalando der Sportnahrung

Sportnahrung.at-Chef Konrad Kreid über Expansionspläne und den Markt für Nahrungsergänzungsmittel.

••• Von Nataša Nikolic

Das Marktvolumen des globalen Wellness- und Fitnessmarkts belief sich im Jahr 2014 in den Segmenten ­Diätindustrie und Nahrungsmittel auf rund 595 bzw. 391 Mrd. USD (insgesamt 931 Mrd. €, Quelle: Statista). „Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel beträgt im deutschsprachigen Raum etwa eine Milliarde Euro. Er wurde bisher eher als Nische wahrgenommen; dies ändert sich zunehmend, da auch immer mehr Hobbysportler zu den Produkten greifen”, sagt Konrad Kreid, Geschäftsführender ­Gesellschafter von Sportnahrung.at, dem heimischen Marktführer mit über 50% Marktanteil.

medianet traf Kreid, der das Unternehmen vor zwei Jahren vom Firmengründer Johannes Mitteregger übernommen hat, zum Gespräch. Gegründet wurde Sportnahrung 1999 in Österreich; heute zeichnet sich der Fachhändler u.a. durch starke Expansion in Deutschland aus, wo er zwölf Shops betreibt. Insgesamt betreibt der Multi-Channel-Anbieter 34 Shops hierzulande und in Deutschland und erzielt einen Umsatz im zweistelligen Millionenbetrag. Zu den Kunden zählen Leistungssportler, Athleten, teils Fitnessstudios und Hobbysportler. Seit dem letzten Jahr sind einige Produkte der Eigenmarken Powertech und Sportnahrung.de bei Merkur gelistet. „Sie sind als Teaser für die breite Masse gedacht, die das Sortiment noch nicht kennt”, erzählt Kreid. Der Eigenmarkenanteil am Gesamtsortiment, welches rd. 4.000 Artikel umfasst, liegt derzeit bei etwa einem Drittel und ist stark wachsend. Alle Produkte sind Made in Austria, erklärt Kreid. Das „de” beim Namen soll lediglich die Etablierung am deutschen Markt erleichtern. Denn während in Österreich ein „de” durchgeht, sei es umgekehrt schwieriger, mit dem „at” bei den Nachbarn zu reüssieren. Und das will das Unternehmen nicht riskieren angesichts der geplanten Expansionsoffensive. „Wir werden in Deutschland zehn Shops pro Jahr eröffnen.”

Fokus auf Beratung

Das Konzept von Sportnahrung fasst Kreid wie folgt zusammen: „Wir verstehen uns als der Peek & Cloppenburg oder Zalando der Sporternährung. Das heißt, wir bieten das größte Sortiment am Markt an, mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.” Der Großteil der Kunden sind Stammkunden, die vor allem die Beratung schätzen. „Der Sportnahrungsmarkt ähnelt dem Apothekenmarkt. Es geht mittlerweile vieles online, aber der Kunde ist mit einer Vielzahl an Produkten mit unterschiedlichsten Wirkungen konfrontiert und braucht dementsprechend Beratung. Deswegen ist diese das Um und Auf für den Erfolg”, so Kreid.

Online würden hauptsächlich Kunden bestellen, die sich bereits gut mit den Produkten auskennen und in den Filialen eingekauft haben, was sich u.a. an steigenden Onlinekäufen in Gegenden zeigt, in denen eine neue Sportnahrungsfiliale eröffnet hat. Die Umsatzverteilung online und stationär liegt bei einem Drittel zu zwei Drittel. „Ich sehe in den nächsten fünf bis zehn Jahren in unserer Branche keinen Trend, dass online stationär komplett ersetzen wird. Ich denke aber, dass sich online schon steigern wird.” Für das stationäre Geschäft, das derzeit jährlich um 10 bis 15 Prozent wächst, sieht Kreid keine Gefahr.
Wachstumspotenzial im Sportnahrungsmittelmarkt sieht Kreid u.a. im Bio- und veganen Bereich sowie Functional Food, wie Low Carb-Chips oder High Protein-Eis. „Wir bemerken eine verstärkte Nachfrage nicht nur nach Nahrungsergänzungsmitteln sondern auch nach normalem Essen, das einen gewissen Nutzen erfüllt, wie Low Carb Pizza.”

„Stark fragmentierter Markt”

Über die Konkurrenz im D-A-CH-Raum sagt der Marktführer: „Am Nahrungsergänzungsmittelmarkt gibt es viele ehemalige Sportler, die sich ohne betriebswirtschaftliches Know-how selbstständig gemacht haben und die zumeist scheitern. Der Markt ist deshalb sehr stark fragmentiert.” In Österreich gebe es „ein zwei kleinere Ketten”, die Kreid zur Konkurrenz zählt.

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