AUTOMOTIVE BUSINESS
Chipmangel belastet Autobranche weiter © Toyota

Die aktuell in vielen Werken schleppende Fahrzeugfertigung soll bis zum Ende des Jahres mit Extra- und Wochenendschichten wieder aufgeholt werden.

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Die aktuell in vielen Werken schleppende Fahrzeugfertigung soll bis zum Ende des Jahres mit Extra- und Wochenendschichten wieder aufgeholt werden.

Jürgen Zacharias 27.08.2021

Chipmangel belastet Autobranche weiter

Nach Produktionseinschränkungen bei vielen anderen Herstellern muss nun auch Toyota sein Fertigungstempo reduzieren.

TOKIO. Der Engpass bei Halbleitern führt jetzt auch beim Branchenprimus Toyota zum Einbruch der Autoproduktion. Im September werde der japanische Hersteller weltweit rund 40 Prozent weniger Autos produzieren können als ursprünglich geplant, erklärte das Unternehmen, das bisher dank Vorratshaltung besser als andere durch die Chipkrise gekommen war. Seine Absatzprognose von 8,7 Millionen Fahrzeugen 2021 hatte Toyota kürzlich erst bekräftigt.

Auch bei anderen Autobauern stockt die Fertigung. Denn Corona-Ausbrüche in Südostasien, etwa in Malaysia, führten zu Fabrikschließungen bei den Chipherstellern. So konnte das VW-Stammwerk Wolfsburg nach der Sommerpause in der dieser Woche nur eingeschränkt wieder starten, sagte ein VW-Sprecher. Auf allen Fertigungslinien werde nur in einer Schicht produziert. „Die anhaltend eingeschränkte Liefersituation bei Halbleitern sorgt weiter herstellerübergreifend für erhebliche Störungen in der weltweiten Fahrzeug-Produktion.“ Der Konzern gehe davon aus, dass die Versorgung im dritten Quartal angespannt bleibe. Daher seien weitere Produktionsanpassungen nicht auszuschließen. Bis Jahresende soll sich die Lage bessern, sodass der Produktionsrückstand im zweiten Halbjahr möglichst aufgeholt werde. Der deutsche Mehr-Markenkonzern hatte wegen des Chipmangels im ersten Halbjahr eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht produzieren können.

Auch bei Audi standen die Bänder in Deutschland in dieser Woche noch still, erklärte eine Sprecherin. Eigentlich hätten einige Linien anlaufen sollen. Bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm mussten rund 10.000 Beschäftigte ihren Sommerurlaub verlängern und in Kurzarbeit, weil Halbleiter fehlen. Im Stammwerk Ingolstadt stehen alle Bänder überhaupt bis zum 30. August still: Auf der Linie 1 wegen Umbauarbeiten für den Produktionsstart des vollelektrischen Q6 etron, auf den beiden anderen Linien wegen Chipmangels. Hier sind deshalb 6.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. In Neckarsulm stand der größere Teil der Produktion mit etwa 4.000 Mitarbeitern mehrere Tage lang wegen Chipmangels.

Für September hat Audi ebenfalls vorsorglich Kurzarbeit angemeldet, aber zugleich Zusatzschichten an mehreren Wochenenden geplant. Audi hat volle Auftragsbücher, konnte aber wegen fehlender Bauteile schon im ersten Halbjahr etwa 50.000 Autos nicht bauen. Wenn Bauteile geliefert werden, versucht das Unternehmen die Produktion aufzuholen. „Man muss von Woche zu Woche planen. In der Vergangenheit mussten auch schon geplante Zusatzschichten wieder abgesagt werden“, erklärte der Sprecher.

Mercedes-Benz drosselte nach Medienberichten die Produktion in der vergangenen Woche in den Werken Bremen, Rastatt und Sindelfingen. Bei BMW dagegen soll es einem Sprecher zufolge nach den Sommerferien planmäßig wieder losgehen, nachdem der Konzern zuvor die Fertigung vergleichsweise wenig einschränken musste.

Trotz der Produktionsprobleme erwarten die Autokonzerne 2021 steigende Gewinne. Denn die Nachfrage hat sich vom Corona-Schock des vergangenen Jahres erholt, so dass die Hersteller höhere Preise durchsetzen können. Sie konzentrieren sich wegen des Chipmangels auf margenstarke, große Fahrzeuge und drosseln die Produktion von Kompaktwagen. Daimler prognostiziert Umsatz und operatives Ergebnis deutlich über dem Vorjahr. Die Pkw- und Van-Sparte Mercedes-Benz will trotz stagnierenden Absatzes eine rekordhohe bereinigte Umsatzrendite von zehn bis zwölf Prozent einfahren. Volkswagen will bei deutlicher Umsatzsteigerung konzernweit operativ zwischen 6,0 und 7,5 Prozent vom Umsatz verdienen und BMW rechnete zuletzt mit einer positiven Geschäftsentwicklung und erhöhte das Renditeziel für Pkw um einen Prozentpunkt auf sieben bis neun Prozent. (jz)

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