••• Von Sabine Stehrer
WIEN/LINZ. Für viele mag es wie eine Fiktion klingen, was bereits zur Realität geworden ist: Bei einem gesundheitlichen Problem in die Apotheke gehen zu können und dort assistiert von Apothekern an deren Tara via Bildschirm Hilfe von Ärzten zu bekommen. Doch das geschah bereits, und zwar 481-mal von Februar bis Juni 2026 in Apotheken in Wien und Oberösterreich – und zur Zufriedenheit fast aller Patienten: Neun von zehn empfanden die gemeinsame Verfügbarkeit von Apothekern und Ärzten als „sehr nützlich“ und zeigten sich „sehr zufrieden“. Das Angebot war ein Pilotprojekt mit dem Namen „Assistierte Telemedizin in der Apotheke“. Durchgeführt wurde es von der Österreichischen Apothekerkammer (ÖAK) in Kooperation mit Uniqa Health Services, Mavie Next und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU).
Das Projekt wurde von einer Studie begleitet, für die neben der Zufriedenheit der Patienten noch andere Daten erhoben wurden. Wie etwa jene, dass es bei 94% der Patienten bei der apothekerlich begleiteten ärztlichen Konsultation zu einer Verordnung kam. Oder dass sich 24% der Patienten ohne das Angebot an eine Spitalsambulanz gewandt hätten, wohin nach der ärztlichen Hilfe an der Tara weniger als ein Prozent gingen. Auch die Wirtschaftlichkeit des Angebots wurde in der Studie herausgearbeitet. Durch die Telemedizin hätten pro Fall 18,62 € eingespart werden können, heißt es dazu. Und: Eine Fortsetzung und Ausweitung des Projekts auf 50 Apotheken und fünf Monate Laufzeit würde mehr als
46.500 € einsparen.
Für ÖAK-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr ist das neue Angebot „die richtige Antwort auf eine bestehende Notwendigkeit“. Die Apothekerschaft stehe voll hinter der Telemedizin, 90% wollten sie dauerhaft implementieren.
ÖÄK: „Sehen das kritisch“
Zu Telemedizin in den Apotheken sagt Alexander Moussa, Leiter des eHealth-Referats in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK): „Wir sehen das kritisch, weil wir darin sinnlose Parallelstrukturen orten, die das System nur teurer machen.“ Telemedizin solle in Ordinationen oder Spitälern implementiert werden.