••• Von Martin Rümmele
WIEN. Rund 250.000 Menschen sind laut der Initiative „Wund?Gesund!“ hierzulande von einer oder mehreren chronischen Wunden betroffen. Der neue – im März beschlossene – Qualitätsstandard „Integrierte Versorgung Chronische Wunden“ befindet sich jetzt in der Umsetzung. Er soll die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden durch Empfehlungen verbessern, berichtete Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Auch ein Monitoring wurde eingerichtet, betonte sie.
Spätestens in zwei Jahren soll es eine „erste Rückmeldung“ zu den bisherigen Umsetzungsschritten geben, erläuterte Alexander Eisenmann von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Bisher fehlen in Österreich noch immer Daten zu chronischen Wunden, insbesondere im niedergelassenen Bereich, sagte er. Zudem erhalten nicht im ganzen Land alle betroffenen Menschen die gleiche Versorgung, betonte Königsberger-Ludwig. Wunden, die wochen-, monate- oder jahrelang offen bleiben, können Schmerzen verursachen, sich auf die Psyche auswirken und zu Amputationen und früherem Tod führen.
Der Qualitätsstandard solle Nutzen für den Patienten schaffen, indem er den Weg der Betroffenen durch das System festlegt oder empfiehlt, beschrieb Eisenmann. Zudem laute eine der Empfehlungen, dass bei der Behandlung von Betroffenen zumindest ein Experte für Wundmanagement eingebunden sein soll. Es gehe nicht nur darum „ein schönes Papier zu schreiben“, betonte auch Michael Müller von der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS), sondern „dass wir es auf den Boden bringen“. Hier gebe es noch Arbeit zu erledigen.
Umsetzung spart Kosten
Versorgungsgerechtigkeit entstehe erst dann, wenn die Standards in jeder Region und jeder Ordination tatsächlich ankommen, sagte die Medizinerin und Gesundheitsökonomin Anna Vavrovsky von der Academy for Value in Health. Sie plädierte, nicht nur die „kurzfristigen Kosten“ zu sehen, sondern die hohen Kosten, die durch vermeidbare Chronifizierung und Versorgungsbrüche entstehen. Martina Laschet und Philipp Lindinger von der Initiative Wund?Gesund! forderten Transparenz bei deren Umsetzung.