WIEN. Die Österreichischen Medientage sind am Erste Campus in Wien mit einer düsteren Momentaufnahme zur Sicherheitslage auf diesem Planeten in ihre 33. Ausgabe gestartet. "Der Boden bebt", konstatierte Sicherheitsexpertin Ulrike Franke am Mittwoch bei der vom Manstein-Verlag organisierten Veranstaltung. Medien seien im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI) und der massiven Verbreitung von Desinformation gefragt, um einzuordnen und zu erklären: "Schonungslos, aber ohne Panik."
In ihrer Keynote sprach Franke über die brüchige liberale Ordnung, autoritäre Tendenzen sowie digitale Bedrohungen. Sie sprach von einem "Europa, das nicht mehr weiß, wo es ist und wo es hintreibt". Viele Europäer würden sich wie auf hoher See verloren fühlen. Alte Partnerschaften würden in Frage gestellt. Man sei mit hybriden Angriffen konfrontiert: Cyberangriffe, Sabotage, "massive Desinformationskampagnen", zählte Franke, die als Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations (ECFR) tätig ist, auf.
Mittel zur Kriegsführung in privaten Händen
Im technologischen Sektor sei man mit dem Aufstieg privater Akteure mit enormem geopolitischem Einfluss konfrontiert. Als Beispiel nannte Franke das Satellitennetzwerk Starlink von SpaceX. Mittel zur Kriegsführung liegen in privaten Händen - in diesem Fall in jenen von Elon Musk. In solch einer Zeit der massiven Unsicherheit müsse man auf "Resilienz, Stärke und Vertrauen" setzen. Verteidigungsfähigkeiten müssten aufgebaut und neue Allianzen geschmiedet werden. Sie trat in einer "Welt der von den USA verlassenen Partnern" für eine verstärkte Zusammenarbeit mit "Mittelmächten" ein. Die Abhängigkeit von Unternehmen müsse geprüft und das Vertrauen in einer "führungslosen Welt mit einbrechenden Wellen" gestärkt werden. Hier seien auch Medien gefragt. Sie müssen informieren und erklären. "Schonungslos, aber ohne Panik", stellte die Sicherheitsexpertin klar.
Brodnig: "Großteil der Falschmeldungen ist Schrott"
Bald darauf tauschte sich ein Panel dazu aus, wie Medienfreiheit und eine offene Gesellschaft gegen Desinformation und Deepfakes geschützt werden können. "Das Problem ist, dass viele Menschen glauben, man kann gar nichts mehr glauben. Dann glauben sie nur noch das, was ihre Ansichten bestätigt", sagte Digitalexpertin Ingrid Brodnig. Viele Fakes und viel Desinformation würden sich aber schon noch überprüfen lassen. "Der Großteil der Falschmeldungen ist Schrott", beschwichtigte sie. KI schreibe wie ein "Häusl". Essenziell sei, der Bevölkerung die Fähigkeit zu vermitteln, genau hinzuschauen.
"Krone" will Erster am Stammtisch und am Tatort sein
Keinen "AI-Slop" will die "Kronen Zeitung" liefern. Wenn KI zum Einsatz komme, werde sie ausgeschildert, sagte "Krone"-Geschäftsführer Clemens Schwaiger. In Zeiten von Large Language Models und kopierter Inhalte sei es wichtig, an Ursprung und Originalinhalt heranzukommen. "Wenn etwas passiert, sind wir die ersten vor Ort - am Stammtisch, am Tatort oder am Weltgeschehen", sagte er. "Regionalität und Themen mit einem gewissen Spin darzustellen wird zukünftig relevant bleiben - auch wenn viele Diskussionen im KI-Chatfenster stattfinden", zeigte sich Schwaiger sicher.
Das Geschäftsmodell von amerikanischen Plattformen sei "Hass", sagte EU-Abgeordneter Helmut Brandstätter. Dagegen müsse man sich wehren. Eigenverantwortung sei wichtig, aber es brauche auch Konsumentenschutz. Im Europäischen Parlament gebe es dafür eine große Mehrheit. Brodnig bemängelte, dass es am Papier zwar eine strenge EU-Regulierung gebe, aber bei der Umsetzung bisher wenig passiere: "Es gibt wenig harte Strafen.“ (APA)