„AI X Human“ als Zukunftsmodell
© Philipp Lipiarski
Josef Mantl präsentierte sein neues Buch „AI X Human – The New Era of Synergy“ in Wien. Die Publikation fasst Erkenntnisse der Moving Forward Conference 2025 zusammen.
MARKETING & MEDIA Redaktion 19.10.2026

„AI X Human“ als Zukunftsmodell

Josef Mantl (Moving Forward Konferenz) über sein ­neues KI-Buch und die Moving Forward Konferenz 2026.

WIEN. Wie können Mensch und künstliche Intelligenz zusammenarbeiten, und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Unternehmen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Publikation „AI X Human – The New Era of Synergy“, die Herausgeber Josef Mantl (JMC – Josef Mantl Communications) vergangene Woche im Le Méridien in Wien präsentierte. Das Buch versammelt Erkenntnisse und Beiträge der Moving Forward Conference 2025 und soll Unternehmen und Entscheidungsträgern als Orientierung dienen. „Die Zukunft ist nicht ‚AI versus Human‘, sondern ‚AI X Human‘“, erklärt Mantl. Fortschritt entstehe dort, wo menschliche Kreativität, Empathie und Verantwortungsbewusstsein mit den technologischen Möglichkeiten von KI verbunden werden. Die Publikation beleuchtet diese Zusammenarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven: Von Softwareentwicklung und Content Creation über Customer Centricity bis zu Regulierung und Ethik.

Dokumentation des Wandels
Mit dem Buch sollen die Inhalte der Konferenz über die Veranstaltung hinaus zugänglich bleiben. „Die Publikation dokumentiert deshalb nicht nur, worüber wir 2025 gesprochen haben, sondern auch, an welchem Punkt der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen KI-Transformation wir zu diesem Zeitpunkt standen“, so Mantl.

Das Buch enthält strategische Fragen und konkrete Anwendungsfälle sowie Beiträge, die sich mit Agentic AI und der Frage, wie gut KI Kunden tatsächlich versteht, befassen. Eine Erkenntnis beschäftigt Mantl besonders: „Wir sprechen bei KI vielleicht zu häufig über die Leistungsfähigkeit der Technologie und zu wenig über die Qualität der Zusammenarbeit.“

Dass technologische Fortschritte nicht automatisch volle gesellschaftliche Zustimmung bedeuten, zeigen die Ergebnisse der Moving Forward Studie 2025. Demnach bewerteten 44% der Befragten den Einfluss von KI positiv, 51% eher kritisch. Unter den unter 30-Jährigen lag die positive Bewertung bei 29%. Zudem äußerten 69% Datenschutzbedenken, während 94% eine Kennzeichnung des KI-Einsatzes befürworteten.
„Technologische Leistungsfähigkeit allein erzeugt noch keine Akzeptanz“, so Mantl. Gefragt seien Vertrauen, Transparenz und entsprechende Kompetenzen. In seinem eigenen Buchbeitrag beschäftigt sich Mantl mit dem EU AI Act. Die größere Herausforderung sieht er aktuell in der praktischen Umsetzung innerhalb der Unternehmen. Dabei gehe es um Zuständigkeiten, den Umgang mit Daten und die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen. „Der AI Act sollte nicht nur als zusätzliche Compliance-Aufgabe verstanden werden.“ Eine funktionierende KI-Governance könne Vertrauen schaffen und breiteren Einsatz der Technologie ermöglichen.

Moving Forward 2026
Im Rahmen der Buchpräsentation wurde auch das Programm der Moving Forward Conference am 6. November im Wiener Haus der Industrie vorgestellt. Unter dem Titel „AI Transformation & Future Skills“ steht eine Frage im Mittelpunkt: „Wie wird aus dieser Zusammenarbeit echte Transformation?“, so Mantl. Themen sind AI Agents, Führung, Marketingautomatisierung, Vertrauen im Journalismus sowie Europas Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Für Mantl bilden Buch und Konferenz einen fortlaufenden Dialog: Die Publikation dokumentiert die Erkenntnisse von 2025, die Konferenz greift neue Entwicklungen auf. Entscheidend sei, wie Unternehmen aus technologischen Möglichkeiten „tatsächlich nachhaltige Wettbewerbsvorteile machen“ können.

Lesen hier das vollständige Interview mit Josef Mantl:

medianet: Die Publikation trägt den Titel „AI X Human – The New Era of Synergy“. Welche zentrale Botschaft möchten Sie damit vermitteln?
Josef Mantl: Die zentrale Botschaft lautet: Die Zukunft ist nicht „AI versus Human“, sondern „AI X Human“. Fortschritt entsteht dort, wo wir die jeweiligen Stärken miteinander verbinden: Menschliche Kreativität, Empathie, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein auf der einen Seite, Geschwindigkeit, Datenverarbeitung und Skalierbarkeit der KI auf der anderen.

Genau dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Publikation. Die New Yorker Speakerin Samrah Kazmi beschreibt etwa die „kollaborative Intelligenz“, also Mensch-Maschine-Teams, in denen Aufgaben gezielt nach den jeweiligen Stärken verteilt werden. In der Softwareentwicklung wird die KI zum „Driver“, während der Mensch als „Navigator“ überprüft, strategisch denkt und Verantwortung übernimmt. In der Content Creation wiederum kann KI als „Creative Buddy“ unterstützen, Authentizität und emotionale Tiefe bleiben aber menschlich. Und bei Customer Insights zeigt sich sehr konkret, dass Datenanalyse und KI enorme Möglichkeiten eröffnen, Empathie und echte Kunden aber nicht einfach ersetzen können.

Die Publikation bringt diese Perspektiven aus Technologie, Wirtschaft und Ethik zusammen. Es geht um einen verantwortungsvollen Umgang mit einer sehr leistungsfähigen Technologie. Innovation, Verantwortung und gesellschaftlicher Nutzen müssen gemeinsam gedacht werden. Genau dafür steht das „X“ im Titel: für Zusammenarbeit und Multiplikation menschlicher und technologischer Fähigkeiten.

medianet: Was hat Sie dazu bewogen, die Inhalte der Moving Forward Conference 2025 nicht nur im Rahmen der Veranstaltung zu behandeln, sondern auch in Buchform festzuhalten?
Mantl: Eine Konferenz lebt zunächst vom Moment: Von Keynotes, Workshops, Diskussionen und insbesondere von den Begegnungen zwischen Menschen. Wir hatten Beiträge, die von der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs über die gesellschaftliche Akzeptanz von KI, intelligente Dokumentenverarbeitung, Banking und Softwareentwicklung bis hin zu Content Creation, Customer Centricity, Future Skills, Start-ups und dem EU AI Act reichen. Das Buch macht aus diesen einzelnen Impulsen ein Gesamtbild.

Gleichzeitig entwickelt sich KI so schnell, dass es wichtig ist, bestimmte Momente dieser Transformation festzuhalten. Die Publikation dokumentiert deshalb nicht nur, worüber wir 2025 gesprochen haben, sondern auch, an welchem Punkt der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen KI-Transformation wir zu diesem Zeitpunkt standen.
Uns war wichtig, daraus etwas Nachhaltiges zu machen: Einen Leitfaden, auf den Unternehmen, Führungskräfte und Entscheidungsträger zurückgreifen können, wenn sie sich fragen, was diese Entwicklungen für ihre eigene Organisation bedeuten.

medianet: Die Beiträge des Buches gehen auf Vorträge, Workshops und Diskussionen der Moving Forward Conference 2025 zurück. Wie wurden die Inhalte für die Publikation aufbereitet und weiterentwickelt, und welchen zusätzlichen Mehrwert bietet das Buch gegenüber der Konferenz?
Mantl: Die Publikation beschreibt ihren Anspruch als Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Impulse sowie als Inspiration und Leitfaden für die aktive Gestaltung der Zukunft.

Das Spannende ist die Kombination aus strategischer und sehr konkreter Ebene. George Wallner zeigte beispielsweise anhand intelligenter Dokumentenverarbeitung, dass KI nicht abstrakt bleiben muss: Bei einem Anwendungsfall konnte die Bearbeitungszeit von 1,5 Stunden auf drei Minuten reduziert werden. Gleichzeitig wird dabei bewusst auf „Human in the Loop“ gesetzt, wenn die Maschine unsicher ist.
Andere Beiträge betrachten dieselbe Transformation aus völlig anderen Perspektiven: Timo Salm beschäftigte sich bereits mit Agentic AI und der veränderten Rolle von Entwicklern, während Dominik Lindner untersuchte, wie gut KI Kund tatsächlich „versteht“.

Der Mehrwert des Buches liegt daher in der Gesamtschau: Die Leser können zwischen Praxis, Strategie, gesellschaftlicher Perspektive und Regulierung wechseln und daraus konkrete Schlüsse für ihre eigene Arbeit ziehen.

medianet: Welche Erkenntnis aus den Beiträgen hat Sie persönlich besonders beschäftigt oder Ihre eigene Sicht auf künstliche Intelligenz verändert?
Mantl: Besonders beschäftigt hat mich die Erkenntnis, dass wir bei KI vielleicht zu häufig über die Leistungsfähigkeit der Technologie und zu wenig über die Qualität der Zusammenarbeit sprechen.
Sehr treffend finde ich in diesem Zusammenhang das in der Publikation aufgegriffene Konzept der „Jagged Frontier“: KI ist nicht einfach generell besser oder schlechter als der Mensch. Sie kann bei einer Aufgabe außergewöhnlich leistungsfähig sein und bei einer scheinbar ähnlichen Aufgabe überraschend schwach. Deshalb braucht es menschliches Urteilsvermögen, um zu erkennen, wann man delegieren kann und wann man eingreifen muss. Genau hier liegt meines Erachtens eine der wichtigsten Kompetenzen der kommenden Jahre.

Auch unsere Moving Forward Studie war sehr wichtig: Die gesellschaftliche Wahrnehmung ist deutlich ambivalenter, als der technologische Hype manchmal vermuten lässt: 44 % bewerteten den Einfluss von KI positiv, 51 % eher kritisch. Bemerkenswert ist insbesondere, dass die unter 30-Jährigen mit nur 29 % positiver Bewertung besonders skeptisch waren. Gleichzeitig machen sich 69 % Sorgen um den Datenschutz und 94 % befürworten eine Kennzeichnung des KI-Einsatzes.

Das zeigt: Technologische Leistungsfähigkeit allein erzeugt noch keine Akzeptanz. Wir brauchen Vertrauen, Transparenz und Kompetenzen. Die eigentliche KI-Transformation ist deshalb mindestens ebenso sehr eine Führungs-, Bildungs- und Kulturaufgabe wie eine technologische.

medianet: Sie selbst beschäftigen sich in Ihrem Beitrag mit dem EU AI Act. Wo sehen Sie derzeit die größte Herausforderung: bei der Regulierung selbst oder bei ihrer praktischen Umsetzung in Unternehmen?
Mantl: Ich sehe die größere Herausforderung mittlerweile eindeutig bei der praktischen Umsetzung in den Unternehmen.

Der EU AI Act verfolgt bewusst einen risikobasierten Ansatz: Je höher das potenzielle Risiko einer Anwendung, desto höher sind auch die regulatorischen Anforderungen. Gleichzeitig spielen Transparenz, Sicherheit, Dokumentation und menschliche Verantwortung eine zentrale Rolle. Genau diese Balance zwischen Schutz und Innovation habe ich auch in meinem Beitrag herausgearbeitet.

In der Praxis beginnt die Herausforderung aber viel früher. Unternehmen müssen zunächst wissen: Welche KI-Systeme verwenden wir überhaupt? Wer verwendet sie? Mit welchen Daten? Welche Anbieter stehen dahinter? Welche Systeme sind für welche Entscheidungen relevant und welches Risiko ergibt sich daraus?
Daraus entstehen sehr konkrete Managementfragen: Wer übernimmt intern Verantwortung? Wie arbeiten Legal, IT, Datenschutz, Cybersecurity, HR und die Fachabteilungen zusammen? Wie stellen wir KI-Kompetenz bei den Mitarbeitern sicher? Und wie schaffen wir Governance, ohne Innovationsprozesse unnötig zu verlangsamen?

Genau hier sehe ich den entscheidenden Punkt. Der AI Act sollte nicht nur als zusätzliche Compliance-Aufgabe verstanden werden. Richtig umgesetzt kann eine gute AI Governance Vertrauen schaffen und damit überhaupt erst ermöglichen, KI breiter und professioneller einzusetzen.

Im Buch beschreibe ich daher auch die zentrale Herausforderung als Balance zwischen Regulierung und Innovationsförderung. Europa muss Sicherheit und Grundrechte gewährleisten, darf aber gleichzeitig im internationalen Wettbewerb nicht den Anschluss verlieren.

medianet: An wen richtet sich das Buch, und welchen konkreten Nutzen sollen Unternehmen, Führungskräfte und andere Entscheidungsträger daraus ziehen?
Mantl: Das Buch richtet sich bewusst nicht nur an KI-Spezialisten. Es ist für Unternehmer, Führungskräfte, Kommunikations- und Marketingverantwortliche, Innovations- und Digitalexperten, Start-ups sowie Entscheidungsträger aus Politik, Institutionen und Wissenschaft gedacht: Letztlich für alle, die nicht nur beobachten wollen, was KI mit unserer Wirtschaft und Gesellschaft macht, sondern die Entwicklung aktiv mitgestalten möchten.

Der konkrete Nutzen liegt darin, dass wir KI aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Ein Unternehmen kann anhand der Beiträge beispielsweise folgende Fragen für sich beantworten: Wo kann KI tatsächlich Produktivität schaffen? Welche Aufgaben sollten Mensch und Maschine jeweils übernehmen? Welche neuen Skills benötigen meine Mitarbeiter? Wie verändert KI Marketing und Kommunikation? Wie gehe ich mit Halluzinationen, Deepfakes, Datenschutz oder Regulierung um? Und wie schaffe ich aus Pilotprojekten echte Wertschöpfung?

Die Publikation zeigt dafür auch sehr unterschiedliche Einsatzfelder: Von Dokumentenverarbeitung und Banking über Softwareentwicklung und Content bis zu Marktforschung und Customer Centricity. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht nur von Tools abhängt. Kollaborative Intelligenz basiert laut einem der Beiträge auf vier wesentlichen Prinzipien: Komplementären Fähigkeiten, bewusster KI-Delegation, kontextuellem Design und kontinuierlichem Lernen.

Wenn Führungskräfte nach der Lektüre nicht einfach zehn neue KI-Tools ausprobieren, sondern zehn bessere Fragen über die Transformation ihres Unternehmens stellen, dann hat die Publikation einen wesentlichen Zweck erfüllt.

medianet: Am 6. November findet die nächste KI-Konferenz im Haus der Industrie statt. Welche Entwicklungen seit der Moving Forward Conference 2025 werden dort im Mittelpunkt stehen, und wie knüpft die Veranstaltung an die Publikation an?
Mantl: Die Konferenz am 6. November 2026 im Haus der Industrie steht unter dem Titel „AI Transformation & Future Skills“. Das ist aus unserer Sicht die logische Fortsetzung von „AI X Human“. 2025 haben wir sehr stark untersucht, wie Mensch und Maschine zusammenarbeiten können. Jetzt rückt die nächste Frage ins Zentrum: Wie wird aus dieser Zusammenarbeit echte Transformation?

Interessant ist dabei, dass vieles, was in der Publikation bereits angelegt ist, 2026 nochmals an Bedeutung gewonnen hat. Im Buch wurden beispielsweise bereits Agentic AI – Systeme behandelt, die nicht mehr nur auf einzelne Prompts reagieren, sondern selbstständig Aufgaben und Prozessschritte übernehmen können. Die diesjährige Conference greift diese Entwicklung mit einem eigenen Workshop zu „Prompting, AI Agents & Legal“ auf.

Auch andere Linien werden weitergeführt. Die Frage nach Vertrauen und Verantwortung wird im Panel „Truth Under Pressure: Journalism, Ethics & the Fight for Trust“ behandelt. Aus dem Thema Mensch-Maschine-Teams wird „Leading through AI Transformation: Workforce, Clients & Skills“. Customer Centricity wird mit „Customer Centric Automation in Marketing & Sales“ weiterentwickelt. Hinzu kommen Themen, die angesichts der geopolitischen Entwicklung noch stärker in den Vordergrund gerückt sind, insbesondere KI in Defense und Security sowie die Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Auch die gesellschaftliche Dimension wird erneut messbar gemacht: Christoph Haselmayer präsentiert 2026 eine neue Studie zur Transformation der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft durch KI. Das schafft zugleich eine spannende Verbindung zur Studie in der Publikation, die 2025 noch ein sehr ambivalentes Bild zwischen Chancenorientierung und Skepsis gezeigt hat.

Für mich bilden Publikation und Conference deshalb einen kontinuierlichen Dialog. Das Buch hält einen wichtigen Stand der Entwicklung fest: vom „AI X Human“-Gedanken über konkrete Business Cases bis zu Ethik und Regulierung. Die Konferenz 2026 stellt die nächste Entwicklungsstufe daneben: Agentic AI, Transformation, Future Skills, Vertrauen, Security und die Frage, wie Unternehmen aus technologischen Möglichkeiten tatsächlich nachhaltige Wettbewerbsvorteile machen.

Und auch hier bleibt die Grundbotschaft dieselbe: Wir sollten die Zukunft der KI nicht nur abwarten. Wir müssen sie aktiv gestalten: Technologisch mutig, wirtschaftlich ambitioniert und gleichzeitig verantwortungsvoll.

Lesen Sie dazu aus unserem AI & Brands Schwerpunkt auch noch weitere Interviews zum Thema mit Roman Breithofer (Media1) sowie Andreas Vretscha und Christian Müller (WPP Media).

 

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