Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli
MATHEMATIK. In der Mathematik gibt es den s.g. Riemannschen Umordnungssatz, bei dem man bei bedingt konvergenten Reihen deren Summanden so lange umsortieren kann, bis jedes gewünschte Ergebnis herauskommt. Das Resultat hängt dann nicht mehr von den Zahlen, sondern vom Ordnungssinn des Betrachters ab.
Wie elegant das in der Praxis funktioniert, zeigt FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker bei der Volksabstimmung in Slowenien über die dortigen Rundfunkgebühren, wo das Volk mit
700 Stimmen Vorsprung knapp mit Ja stimmte.
Kommunikations-Posse in zwei Akten
Akt eins: Kurz sah es nach einer Mehrheit von 50,7% gegen die Gebühr aus. Hafenecker sprach sofort via Aussendung von einem „klaren Ergebnis“ und einem „über die Grenzen Sloweniens hinausgehenden Signal“. Dass 50,7% zu 49,3% selbst bei großzügigster Auslegung weniger „klar“, sondern eher „knapp“ sind, wurde ignoriert.
Akt zwei: Die Auszählung ging weiter, und am Ende lagen die Befürworter der Gebühr mit 50,4% knapp vorn. Da hätte man mit einer kleinen Denkpause in der FPÖ rechnen können, beziehungsweise einer Neubewertung des nun tatsächlich endgültigen Abstimmungsergebnisses.
Und tatsächlich: Eine neue Aussendung kam, aber mit derselben Botschaft wie zuvor: Das Ergebnis sei ein „massiver Warnschuss“ und ein „klarer Auftrag“, schließlich habe „fast die Hälfte“ dagegen gestimmt. Dass die andere, knapp größere Hälfte dafür war, zählt jetzt plötzlich nicht mehr.
Halten wir also fest: 50,7% dagegen sind ein klares Signal gegen die Gebühr und, Achtung: 50,4% dafür sind ebenfalls ein klares Signal gegen die Gebühr.
Da passt das Zitat des Ökonomen Ronald Coase (er gilt als Begründer der Transaktionskostentheorie), als er einmal meinte: „Foltere die Daten lange genug, und sie gestehen alles.“
Hier musste nicht einmal gefoltert werden, die Daten hätten vermutlich schon beim Anblick der Aussendung alles Gewünschte gestanden.