••• Von Elisabeth Schmoller-Schmidbauer
WIEN. Journalismus für eine Generation, die kaum noch Zeitung liest: Max Langer ist Chefredakteur der digitalen Schülerzeitung campus a college. Im medianet-Interview spricht er darüber, wie sich das Medienverhalten junger Menschen verändert, welche Auswirkungen TikTok, Instagram und KI auf die journalistische Arbeit haben und wie sich Schülerinnen und Schüler für das Zeitungsmachen begeistern lassen.
medianet: Herr Langer, wie würden Sie das redaktionelle Konzept von campus a college beschreiben: Ist es in erster Linie eine Schülerzeitung, eine journalistische Lernplattform oder ein eigenständiges Jugendmedium?
Maximilian Langer: Von allem ein bisschen. Für Schülerinnen und Schüler ist campus a college eine Spielwiese, auf der sie allem nachgehen, was sie interessiert: Politik, Sport, Gaming, Technik, Musik und Wirtschaft. Gleichzeitig ist es ein Sprungbrett für erste Praktika und Jobs im Journalismus. Und es ist ein Abbild dessen, was Jugendliche in ganz Österreich gerade beschäftigt.
medianet: Wie hat sich der Medienkonsum von Schülern in den vergangenen Jahren verändert?
Langer: Sehr stark. Wenn ich campus a college in Schulklassen vorstelle, frage ich immer, wie viele Leute Zeitung lesen oder Armin Wolf kennen. Das Ergebnis: ein bis zwei Prozent lesen Zeitung, ungefähr ein Zehntel kennt Armin Wolf. Wir ermutigen die Schüler deshalb, ihre Beiträge so zu gestalten, wie sie es von TikTok und Instagram kennen: Entwickelt euren eigenen Stil, bringt eigene Erfahrungen ein und schreibt so, dass es jeder versteht.
medianet: Wirkt sich das veränderte Medienverhalten auch auf die Themenwahl aus?
Langer: Das kann ich zweiteilig beantworten. Schüler, die neu bei uns sind, haben einen Hang zu Themen, mit denen sie gerade von ihrem Algorithmus auf Social Media überschwemmt werden, etwa die Epstein Files, die Schülerproteste in Frankreich oder den Vergewaltigungsskandal an der Cornell University.
Schüler, die regelmäßig auf campus a college schreiben, entwickeln aber schnell ein Gespür für neue, aktuelle, authentische Themen und beobachten ihre Umwelt anders. Daraus entstehen großartige Geschichten, zum Beispiel ein Artikel über das neue Restaurant des Wiener Promiwirts Ferhat Yildirim. Diesen Artikel haben andere Medien mehrfach zitiert.
medianet: Wie gut kennen Sie Ihre Leserschaft? Welche Daten haben Sie zur Altersstruktur und zum Nutzungsverhalten Ihrer Leserinnen und Leser?
Langer: Die meisten unserer Leser sind zwischen 15 und 19 Jahre alt. Rund um die Beiträge entsteht eine Community, die sich gegenseitig ermutigt und Feedback gibt. Außerdem wissen wir von einigen Lehrern, dass sie die Beiträge ihrer Schüler lesen.
medianet: Über welche Kanäle erreicht campus a college sein Publikum? Welche Rolle spielen dabei die Website, soziale Medien, Schulen, Lehrkräfte und persönliche Empfehlungen?
Langer: Zum Start im letzten Jahr waren erfolgreiche Kooperationen mit Schulen wie dem Sacré Coeur in Wien oder der HLW Rankweil wichtig für uns. Seit Beginn des neuen Schuljahres entwickelt sich eine Art ‚Word of Mouth‘-Marketing: Fast jeden Tag melden sich Schüler auf campus a college an, mit denen wir vorher keinen Kontakt hatten. Das freut uns sehr. Unseren Social-Media-Kanal bauen wir gerade aus. Dort entstehen derzeit drei Formate: ein Autotest, ein Schuljausentest und ein Stadionvlog.
medianet: Versteht sich campus a college als Qualitätsmedium für junge Menschen?
Langer: campus a college ist ein neues Medium an der Schnittstelle von klassischem Online-Medium, Social Journalism und Social Media. Es ist das einzige österreichweite Medium, in dem Artikel von Schülern für Schüler entstehen und das sich an den Lese- und Schreibgewohnheiten dieser Gruppe orientiert. Dabei entsteht allmählich ein ganz neuer journalistischer Stil, der die alten Grundlagen des Journalismus in die Zukunft transportiert.
medianet: Lesen junge Menschen aus Ihrer Erfahrung überhaupt noch klassische journalistische Medien oder müssen Medien grundsätzlich neue Formen und Zugänge entwickeln, um diese Generation nicht zu verlieren?
Langer: Wir beobachten das laufend und fragen auch nach: 99 Prozent informieren sich über Social Media, im ORF interessiert sie vor allem Live-Sport. Die meisten Medien haben das aber ohnedies verstanden und holen die Jugendlichen dort ab. Die Zeit im Bild auf TikTok ist zum Beispiel sehr beliebt.
medianet: Welche Reichweite erzielt die Zeitung derzeit? Sowohl auf der eigenen Website als auch über soziale Medien, und welche Inhalte funktionieren auf den einzelnen Kanälen besonders gut?
Langer: Auf unserer Website zählen wir pro Monat eine fünfstellige Zahl an Besuchern. Die meisten Aufrufe holen in der Regel Exklusivgeschichten und Interviews mit bekannten Persönlichkeiten. Viele Zugriffe kommen auch über Google, wo unsere Beiträge gut ranken. Auf Social Media erzielen wir für unseren noch kleinen Kanal eine erstaunliche Reichweite: Ein Video kommt im Schnitt auf rund 1.000 Aufrufe, unsere letzten beiden, ein Stadiontest und ein Foodvlog, sogar auf jeweils über 3.500.
medianet: Alle Beiträge werden laut Website von journalistischen Profis qualitätskontrolliert. Nach welchen journalistischen Kriterien werden die Texte geprüft, und wo ziehen Sie die Grenze zwischen Unterstützung und redaktionellem Eingriff?
Langer: Grundlage ist der Ehrenkodex des Österreichischen Presserats. Wir starten aber bewusst niederschwellig und versuchen, auf Basis der Texte je nach Niveau der Schüler kleine Lernerfolge zu erzielen. Die finale Version erscheint im Wesentlichen so, wie die Schüler sie schreiben. Die Redaktion passt danach gegebenenfalls noch Titel, Bildauswahl und Vorspann an.
medianet: Wie gut kennen Sie Ihre Leserschaft? Welche Daten haben Sie zur Altersstruktur und zum Nutzungsverhalten Ihrer Leserinnen und Leser?
Langer: Die meisten unserer Leser sind zwischen 15 und 19 Jahre alt. Rund um die Beiträge entsteht eine Community, die sich gegenseitig ermutigt und Feedback gibt. Außerdem wissen wir von einigen Lehrern, dass sie die Beiträge ihrer Schüler lesen.
medianet: Über welche Kanäle erreicht campus a college sein Publikum? Welche Rolle spielen dabei die Website, soziale Medien, Schulen, Lehrkräfte und persönliche Empfehlungen?
Langer: Zum Start im letzten Jahr waren erfolgreiche Kooperationen mit Schulen wie dem Sacré Coeur in Wien oder der HLW Rankweil wichtig für uns. Seit Beginn des neuen Schuljahres entwickelt sich eine Art ‚Word of Mouth‘-Marketing: Fast jeden Tag melden sich Schüler auf campus a college an, mit denen wir vorher keinen Kontakt hatten. Das freut uns sehr. Unseren Social-Media-Kanal bauen wir gerade aus. Dort entstehen derzeit drei Formate: ein Autotest, ein Schuljausentest und ein Stadionvlog.
medianet: Welche Reichweite erzielt die Zeitung derzeit? Sowohl auf der eigenen Website als auch über soziale Medien, und welche Inhalte funktionieren auf den einzelnen Kanälen besonders gut?
Langer: Auf unserer Website zählen wir pro Monat eine fünfstellige Zahl an Besuchern. Die meisten Aufrufe holen in der Regel Exklusivgeschichten und Interviews mit bekannten Persönlichkeiten. Viele Zugriffe kommen auch über Google, wo unsere Beiträge gut ranken. Auf Social Media erzielen wir für unseren noch kleinen Kanal eine erstaunliche Reichweite: Ein Video kommt im Schnitt auf rund 1.000 Aufrufe, unsere letzten beiden, ein Stadiontest und ein Foodvlog, sogar auf jeweils über 3.500.
medianet: Alle Beiträge werden laut Website von journalistischen Profis qualitätskontrolliert. Nach welchen journalistischen Kriterien werden die Texte geprüft, und wo ziehen Sie die Grenze zwischen Unterstützung und redaktionellem Eingriff?
Langer: Grundlage ist der Ehrenkodex des Österreichischen Presserats. Wir starten aber bewusst niederschwellig und versuchen, auf Basis der Texte je nach Niveau der Schüler kleine Lernerfolge zu erzielen. Die finale Version erscheint im Wesentlichen so, wie die Schüler sie schreiben. Die Redaktion passt danach gegebenenfalls noch Titel, Bildauswahl und Vorspann an.
medianet: Und zum Schluss noch Thema KI: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei campus a college sowohl bei der Unterstützung der jungen Autorinnen und Autoren als auch in der redaktionellen Arbeit, und wo ziehen Sie beim Einsatz von KI klare Grenzen?
Langer: Schüler, die ganz auf KI verzichten, bilden eine Minderheit von höchstens zwei Prozent. Die Zeit des Schreibenlernens ohne KI ist vorbei. Jetzt geht es ums Schreibenlernen mit KI. Wir sagen ganz bewusst: Nutze KI, aber nutze sie kreativ. Drück mit ihr deine eigenen Gedanken, Beobachtungen, Recherchen und Ideen aus. Du wirst sehen, wie viel du dabei nicht nur über die Welt, sondern auch über dich selbst lernst und wie viel Spaß Schreiben macht. Das funktioniert erstaunlich gut. Auch dank unseres Gamification-Modells schreiben die Schüler bei uns um die Wette.