Sachbuch "50 (+) Jahre Teletext" beleuchtet resistentes Kultmedium
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ORF-Teletext-Gründungsmitglied Andreas Simhofer blickt in „50 (+) Jahre Teletext“ hinter die Kulissen und zeichnet die Entwicklung des Mediums nach.
MARKETING & MEDIA Redaktion 04.11.2026

Sachbuch "50 (+) Jahre Teletext" beleuchtet resistentes Kultmedium

ORF-Teletext-Gründungsmitglied und langjähriger Mitarbeiter Andreas Simhofer legte "anekdotische Chronologie" vor

WIEN. Der Teletext mutet wie ein Dinosaurier an, der sich trotz zahlreicher Meteoriteneinschläge in der Medienbranche erstaunlich beharrlich hält. Er erreicht mit seiner klobigen Aufmachung und den wenigen Zeichen pro Seite täglich über 600.000 Menschen. Das kürzlich erschienene Buch "50 (+) Jahre Teletext - Hinter den Kulissen eines Kultmediums" sei folglich "kein Nachruf auf ein vergangenes Medium", stellt Autor Andreas Simhofer klar. Er liefere eine "anekdotische Chronologie".

Und dafür ist der Wiener bestens geeignet, war er doch schon einst beim Gründungsteam rund um Peter Nidetzky an Bord und arbeitete anschließend 45 Jahre lang an der Befüllung des Teletexts. Nun seit rund zwei Jahren in Pension nahm er sich der Geschichte des Mediums, das sein Arbeitsleben so dominierte, näher an.

Zuerst die BBC, dann der ORF
Den ORF-Teletext gibt es seit bald 47 Jahren. Am 21. Jänner 1980 um 8.30 Uhr wurde er erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Titel des Buchs ist dennoch korrekt, legten doch die Ingenieure Geoff Larkby und Barry Pyatt den Grundstein für die Technologie, die die BBC am 23. September 1974 als Erste einsetzen sollten. Die beiden stießen auf der Suche nach technischen Möglichkeiten, Untertitel für Gehörlose und hörbehinderte Menschen auszuspielen, auf einen "unsichtbaren und ungenutzten Teil des 625-Zeilen-Fernsehsignals" - die sogenannte "Austastlücke" -, erklärt Simhofer. Diese Lücke wurde anschließend zur Übertragung von Infos genutzt.

Wenige Jahre später verkaufte die BBC ihre "Urknall"-Anlage an den ORF. Als der Launch am Küniglberg erfolgte, habe eine "Jubelstimmung fast wie bei der NASA, wenn eine Weltraummission glückt", geherrscht, erinnert sich Simhofer. Ursprünglich setzte man ausschließlich auf aktuelle Nachrichten der APA - Austria Presse Agentur, die noch per Fernschreiber über Papier- und Lochstreifen in die ORF-Redaktionsräumlichkeiten gelangten. Bei Eilt-Meldungen läutete ein Alarm, den man aber im Dutzende Meter entfernten Teletext-Büro nicht vernahm, weswegen ein Redakteur regelmäßig den Weg zum geräuschvollen Gerät antreten musste, um keine brandheißen Nachrichten zu verpassen.

Die Aufregung in der Zeitungsbranche war anfangs, ob der Aktualität und der zeitungsähnlichen Form des Teletexts groß. "Der ORF dringt mit seinem Projekt eindeutig in den Bereich der Presse ein", echauffierte sich der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) einst. Heute beäugt der Verband freilich viel mehr die "blaue Seite" ORF.at kritisch.

Ein Traktor mit Elektromotor
Aber auch der Teletext hat es mittlerweile ins Web ( https://teletext.orf.at ) geschafft - und ist überdies als App abrufbar. Zudem hat sich das manuelle Eintippen in so manchem Bereich für die Redakteurinnen und Redakteure erledigt. Seit Mitte der 2010er-Jahre werden etwa Skirennen live eingegeben. Ab 2018 folgten Live-Updates der Spielstände in diversen Fußball-Ligen. "Der Teletext ist - technisch gesehen - immer noch ein Traktor, der unter der Motorhaube allerdings stetig weiterentwickelt wird. Heute fährt er, wenn man bei diesem Bild bleiben will, mit einem Elektromotor", veranschaulicht Simhofer.

Vielleicht sei der Teletext nicht die Zukunft, sinniert er. Aber: "Er ist erstaunlich gut darin, die Gegenwart zu überleben." In dieser Ansicht bestärken ihn auch diverse Kommunikationsexperten, die mit ihrem Blick auf das Medium Eingang in das knapp über 200-seitige Buch fanden. Auch Weggefährten, Ex-"Kurier"-Chefredakteur Christoph Kotanko und ORF-Generaldirektor Ingrid Thurnher kommen in dem Werk zu Wort. Zudem dürfen sich Paul Tesarek, Christian Wehrschütz und Stefan Gehrer an ihre ORF-Anfänge beim Teletext erinnern, dem es gelungen sei, "Tradition und Moderne zu verbinden“. (APA)

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