Die Bevölkerung traut der Landwirtschaft viel zu, erwartet aber sichtbare, messbare Ergebnisse.
Beim Artenschutz ist das Bild der Landwirtschaft gespalten. Fast die Hälfte der Österreicher:innen sieht sie als Teil der Lösung, ein Drittel hingegen als Teil des Problems. Der Rest legt sich nicht fest. Die Landwirtschaft bewegt sich damit zwischen Hoffnungsträgerin und Problemfall.
Großer Hebel
Land- und Forstwirtschaft prägen den überwiegenden Teil Österreichs. Nur 13 Prozent wissen allerdings, wie groß dieser Anteil tatsächlich ist. Dabei haben Entscheidungen auf diesen Flächen weitreichende Auswirkungen. Sie beeinflussen Böden, Wasser, Lebensräume und unsere Lebensmittelproduktion. Was dort geschieht, betrifft einen großen Teil des Landes und damit uns alle.
Mehr als Naturschutz
Artenvielfalt klingt nach seltenen Tieren und geschützten Pflanzen. Tatsächlich begegnet sie uns jeden Tag, meist ohne, dass wir es bemerken. Sie steckt im Boden, der Wasser speichert, in Insekten, die Pflanzen bestäuben, und in Ökosystemen, die unsere Ernährung sichern. Biodiversität ist damit kein Extra, sondern eine Lebensgrundlage.
Vertrauen mit Bedingungen
Gute Absichten sind schnell erklärt. Vertrauen entsteht aber erst, wenn aus Versprechen nachweisbare Ergebnisse werden. Genau darauf legt die Bevölkerung Wert: Unabhängige Kontrollen und messbare Fortschritte überzeugen stärker als Berichte, Kennzeichnungen auf Produkten oder einzelne Erfolgsgeschichten. Artenschutz muss also nicht lauter erzählt, sondern besser belegt werden. Maßnahmen brauchen nachvollziehbare Kriterien und einen unabhängigen Blick auf ihre Wirkung.
Landwirtschaft weiterdenken
Der BeeWild Index zeigt, wie Österreich auf seine Landwirtschaft blickt. Sie ist weder alleinige Verursacherin noch alleinige Retterin. Doch ihr Einfluss ist groß. Künftig wird nicht mehr nur zählen, wie die nächste Ernte ausfällt, sondern auch, was zwischen, neben und unter den Nutzpflanzen weiterleben kann.
3 Fragen an Manfred Hohensinner, BeeWild-Initiator
1. Herr Hohensinner, jede:r Dritte sieht Landwirtschaft als Teil des Artenschutzproblems. Überrascht Sie das?
Überrascht hat mich das nicht. Ich sehe darin einen Auftrag. Landwirtschaft kann Lebensräume belasten, aber auch neue schaffen. Wir müssen versuchen jeden Menschen abzuholen und in der Praxis beweisen, dass Landwirtschaft und Artenschutz gemeinsam funktionieren können.
2. Die Bevölkerung fordert unabhängige Kontrollen und messbare Ergebnisse. Kann BeeWild das liefern?
Ja. Wir begleiten unsere BeeWild-Projekte wissenschaftlich und machen ihre Entwicklung mit belastbaren Daten messbar. Daneben prüft die Austria Bio Garantie unabhängig, ob Anforderungen, Dokumentationen und Rückverfolgbarkeit eingehalten werden. So wird aus Engagement überprüfbare Wirkung.
3. Reicht es aus Ihrer Sicht, beim Schutz der Artenvielfalt allein auf die Landwirtschaft zu setzen?
Die Landwirtschaft ist Teil der Lösung, aber sie kann diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Wir alle müssen Verantwortung übernehmen und ins Tun kommen. Artenvielfalt ist unsere gemeinsame Lebensgrundlage – wir haben es selbst in der Hand.