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Ein Szenegetränk zeigt Charakter © Pona
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daniela prugger 24.03.2016

Ein Szenegetränk zeigt Charakter

Die Erfinderinnen von Pona über zu viel Zucker in Lebensmitteln und die Herausforderungen für die Bezeichnung „Bio“.

••• Von Daniela Prugger

WIEN. Pomona war die Göttin der Baumfrüchte bei den alten Römern – und die Namensgeberin für das noch relativ frische Szenegetränk Pona. Doch aus Italien holten sich Anna Abermann und Simone Haslehner nicht nur mythologische ­Inspiration. Die Orangen und die Äpfel, welche für den Drink verwendet werden, stammen aus Sizilien und Südtirol. Mehr als die Früchte und prickelndes Quellwasser enthält die Zutatenliste nicht. Man verarbeite nur Bio-Früchte – „da sind wir kompromisslos“. Abermann und Haslehner legen Wert darauf, ihre Bauern beim Namen zu kennen und im Kontakt zu stehen.

Doch die Frage danach, ob denn am Markt noch Platz ist für ein weiteres „Szene“-Getränk, muss gestellt werden. „Ja, es stimmt schon, man bekommt in Österreich sehr schnell einen gespritzten Apfelsaft in der Flasche. Aber wenn man genauer hinschaut, dann nur selten ohne Zucker und Zusatzstoffe“, entgegnen beide. Eine Listung in durchschnittlichen Supermärkten strebe man sowieso nicht an. „Wir wollen vor allem in Restaurants, Bars und im ausgewählten Handel vertreten sein.“ Mit den Produktionsmengen, die große Handelsketten erwarten, könne man schlichtweg nicht dienen. Bei denn‘s und Meinl am Graben zum Beispiel kann man die 330 ml-Flaschen seit einiger Zeit schon kaufen.

Es geht auch ohne Zucker

Der Anspruch war von Anfang an, ein zucker- und zusatzfreies Getränk herzustellen. „Wir müssen wieder loskommen vom Zucker“, kritisiert Abermann den hohen Anteil in fast allen verarbeiteten Lebensmitteln. Eine reine Orientierung an der  Nährwerttabelle ist nicht ausreichend, wenn man sich über die tatsächlich enthaltenen Mengen von Zucker in Lebensmitteln informieren will. In der Tabelle muss nur herkömmlicher Haushalts-Zucker deklariert werden, andere Süßungsmittel nicht. Eine Zuckersteuer halten beide für sinnvoll. Nur durch die höhere Besteuerung von Soft Drinks und Co. könne man laut Abermann ein Umdenken erwirken: „Das Problem ist, dass wir total getrieben sind vom Zucker- und Salz-Konsum. Dabei kennen wir einfach keinen echten Geschmack mehr.“ Mit Pona habe man eine gesunde, gut schmeckende Alternative am Getränkemarkt geschaffen.

Herausforderungen für Bio

Dass Pona in „top Bioqualität“ produziert wird, wie Haslehner es formuliert, sei sowieso klar. „Wir wollen das gar nicht plakativ mit einem großen Stempel versehen.“ Denn die Bezeichnung „Bio“ hat in der Vergangenheit leider auch an Glaubwürdigkeit eingebüßt und breitet sich in Form von neuen und Eigenmarken längst auch in den Regalen von Lidl, Hofer & Co. aus. „Ich find das schon okay, ich find es besser, wenn Menschen Bio im Supermarkt oder Discounter kaufen als was anderes. Nicht jeder kann zum Markt gehen“, so Abermann; sie bleibt aber skeptisch. Denn nur weil Bio draufsteht, muss noch lange nicht Bio drinnen sein.
Abermann: „Ich finde es halt schade, dass viele in der Bioindustrie genau das Gleiche gemacht haben wie in der konventionellen bzw. kommerziellen Werbung. Sie vermitteln einem Ursprung und Handarbeit; dabei handelt es sich bei vielen um Massen-Maschinenprodukte.“ In diese Welt der wohlklingenden, den Ursprung vermittelnden Werbung wird Pona wohl nicht eintauchen. Frucht und Quellwasser – „sonst nix“ reicht als simpler Slogan auf der Flasche vollkommen aus.

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