WIEN. Der medianet executive Club widmete sich am 21.10.2026 bei LeitnerLeitner im Haus der Wiener Kaufmannschaft den Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Österreich. Unter der Moderation von medianet-Verlagsleiter Bernhard Gily diskutierten Bundesminister Peter Hanke, Sektionschef im Finanzministerium Gunter Mayr und Natascha Stornig-Wisek von LeitnerLeitner über das Spannungsfeld zwischen Budgetkonsolidierung, steuerlichen Anreizen und administrativer Effizienz. Im Zentrum der Podiumsdiskussion standen die Übersetzung von Forschung in marktfähige Produkte, bestehende steuerliche Instrumente sowie der bürokratische Aufwand für Unternehmen.
Hanke hob die Bedeutung von Produktivitätszuwächsen für die Wertschöpfung hervor und betonte, dass Politik den Rahmen setze, am Ende jedoch die Unternehmen die Anreize nutzen müssten. Um dem europäischen Problem einer verzögerten Marktumsetzung entgegenzuwirken, setze die Bundesregierung auf gezielte Schwerpunktsetzungen in Schlüsseltechnologien statt Förderung nach dem Gießkannenprinzip. Hanke verwies auf das verhandelte FTI-Paktum für die Jahre 2027 bis 2029 im Umfang von über 5,5 Milliarden Euro. Zudem betonte er die Rolle großer staatlicher Einheiten als Ankerkunden für KMUs und Start-ups, um heimischen Innovationen den Eintritt in internationale Märkte zu erleichtern.
Mayr betonte die internationale Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Steuerrechts und erläuterte die Kombination aus degressiver Absetzung für Abnutzung (AfA) und dem Investitionsfreibetrag (IFB). Bei optimaler Zusammenführung beider Instrumente könnten im Jahr der Anschaffung bis zu 50 Prozent der Kosten steuerlich abgeschrieben werden. Mayr hob zudem die Forschungsprämie in Höhe von 14 Prozent hervor, für die in den letzten Jahren jährlich 1,2 Milliarden Euro ausbezahlt wurden. Das Beiziehen der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) zur Begutachtung bezeichnete er als Erfolgsmodell, kündigte das bevorstehende Erscheinen der überarbeiteten Forschungsprämien-Richtlinien an und plädierte für eine Konzentration auf die wirksamsten Steuerungsinstrumente.
Stornig-Wisek beleuchtete die Anforderungen der Unternehmenspraxis. Sie lobte die Innovationskraft des heimischen Mittelstands, wies jedoch auf Herausforderungen bei der Bereitstellung von Wachstumskapital und der Abgabenbelastung des Faktors Arbeit hin. Während der Investitionsfreibetrag administrativ unkompliziert handhabbar sei, erzeuge die Anwendung der Forschungsprämie bei Betriebsprüfungen mitunter Unsicherheiten. Stornig-Wisek forderte mehr Planungssicherheit für Unternehmen sowie Anreize, die nicht nur die Forschung, sondern auch die anschließende wirtschaftliche Verwertung und Produktion am Standort halten.
Mayr hob zum Abschluss die Relevanz des direkten Austauschs hervor: "Dieser Austausch ist ganz entscheidend. Die Forschungsprämie hat so an Bedeutung gewonnen, dass natürlich die rechtlichen Fragen auch an Bedeutung gewonnen haben."
Stornig-Wisek fasste die Herausforderung bei der Kapitalbeschaffung prägnant zusammen: "Innovation ist die Rakete – und Wachstumskapital ist dann der Treibstoff, den es braucht."
Peter Hanke formulierte die Zielsetzung für den Standort abschließend: "Es braucht ein engeres Miteinander zwischen Wirtschaft und Politik und Unternehmertum. Wenn es uns hier gelingt, dass wir uns multiplizieren können, dann haben wir eine Chance, an der Spitze Europas jedenfalls mitzutun.“
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