MOBILITY BUSINESS
© Sabine Pipi Sperk

Das Model S P90D ist derzeit die Speerspitze der E-Mobilität: 500 km Reichweite, mindestens 140.000 Euro teuer, superschnell.

Bernhard Katzinger 08.04.2016

Mit lächerlicher Geschwindigkeit

Tesla übernimmt Errungenschaften aus der IT-Branche und sogar Zitate aus Mel Brooks-Filmen in das Automobil.

WIEN. Mehr als nur ein Elektroauto: Bei Tesla gelangt Technologie selbstverständlich zur Anwendung, welche andere Hersteller nur mit Scheu einsetzen. Während die „Autopiloten” in vielen Modellen zum Beispiel nach wenigen Sekunden ohne Lenkimpuls drohen, den Dienst zu verweigern, beschränkt sich der Tesla auf den Hinweis, doch bitte die Hände aufs Lenkrad zu legen.

Auch das Einspielen neuer Funktionen per Software-Update ist etwas, das Tesla wie selbstverständlich aus der Computerbranche in seine Automobile übernimmt. So lassen sich neue Funktionen wie Parkassistent oder vollautomatischer Spurwechsel per Blinkertipp (wie bei der neuen E-Klasse von Mercedes-Benz) einfach aus dem Internet holen.
Symbol dieser Geisteshaltung ist der riesige 17 Zoll-Touchscreen in der Mitte. Der funktioniert quick und ohne Schluckauf, ist aber nicht überragend bedienerfreundlich, weil man – das Problem ist bekannt – ein wenige Quadratzentimeter kleines Bildschirmsymbol während der Fahrt auch auf einem noch so großen Screen nicht immer trifft.

Wie steht's um die E-Mobility?

Bei 500 Kilometer Reichweite, so hört man oft, soll gewissermaßen schlagartig die Akzeptanz der breiten Masse für Elektromobilität einsetzen. Doch es ist ein wenig früh, um mit Teslas Model S das Reichweitenproblem als gelöst zu bezeichnen. Denn noch wollen selbst bei Fahrten innerhalb Österreichs die Zwischenstopps penibel nach den vorhandenen Ladestationen eingeplant werden. Dass man als Tesla-Fahrer stets eine recht unübersichtliche Fülle an Adaptern und Kabeln mitführt, geht als Gewöhnungssache durch. Regelmäßig erzwungene halbstündige Pausen in Tankstellencafés sind allerdings nicht jedermanns Vorstellung von einer angenehmen Reise. Wobei derzeit – dank der noch schleppenden Verbreitung von E-Autos – fast immer ausreichend freie und geeignete Steckplätze an allen Stationen zur Verfügung stehen.

Nichts lächerliches dran

Natürlich darf bei den Hemmnissen für eine weite Verbreitung von Teslas auf unseren Straßen der Preis genannt werden. Für das stärkste Modell, den P90D mit Performance- Paket inklusive „Ludicrous”-Modus (ein verspielt-nerdiges Zitat aus der Mel Brooks-Komödie „Spaceballs”), legt man ein Minimum von 140.000 € hin. Das Beschleunigungs-­Upgrade verkürzt den 100er-Sprint von 3,3 auf 3,0 Sekunden und kostet 11.200 € extra.

Wer sich mit dem 70D begnügt – in der Praxis ca. 350 km Reichweite und 5 Sekunden auf 100 –, kann sogar mit knapp unter 100.000 € das Auslangen finden. Das ist kein Schnäppchen, aber auch keine Unverschämtheit für eine bis zu siebensitzige Oberklasse-Limousine mit den Fahrleistungen eines Sportwagens. Die Beschleunigung ist auch ohne Performance-Paket alles andere als lächerlich, und besser: Sie taugt in ihrer ansatzlosen und gleichmäßigen Kraftentfaltung weniger zur pubertären Angeberei als zur nützlichen Reserve beim unaufgeregten Einordnen in den Autobahnverkehr oder beim Überholen.

Wo bleibt der Durchbruch?

Dass das Ganze von der reinen Gediegenheit der Ausstattung und Verarbeitung her nicht ganz mit einem Porsche Panamera mithalten kann, ist eine Sache. Andererseits verfügt der Tesla unbestritten über mehr Tech-Appeal. Dieser Tage hat der E-Autopionier sein Model 3 vorgestellt, das mit Mittelklassepreisen endgültig den Durchbruch bringen soll. Zweifel am Auslieferungstermin Ende 2017 sind erlaubt. Vorher kommt noch das Model X, der Crossover-SUV mit den kompliziert nach oben schwingenden Falcon Doors als Hingucker nach Europa.

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