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© Spar/Helge Kirchberger Photography

Redaktion 21.02.2020

Spar hat den Marktanteil auf 32,7 Prozent erhöht

Spar-Vorstandssprecher Gerhard Drexel im Interview über den geradlinigen Weg zu mehr Marktmacht.

••• Von Christian Novacek

Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel im medianet-Interview über den geradlinigen, stabilen Weg der Spar, die Jahr für Jahr im Marktanteil zulegt. Die Stärke eines Familienunternehmens spielt eine zentrale Rolle.


medianet:
Wie klar ist die Wachstumsführerschaft für Spar 2019 ausgefallen?
Gerhard Drexel: Wir sind in Österreich mit einem Wachstum von 4,7% das zehnte Jahr in Folge Wachstumsführer im Bereich Supermärkte und Hypermärkte geworden. In acht der letzten zehn Jahre, so auch 2018 und 2019, sind wir mit großem Abstand auch Wachstumsführer inklusive der Diskonter. Den Marktanteil konnten wir von 31,9% im Jahr 2018 auf 32,7% im Jahr 2019 steigern – ein historischer Höchststand für Spar!

medianet:
Nun gab es im Vorfeld durchaus Kampfansagen seitens des Mitbewerbs, der in Aussicht gestellt hat, in 2019 selbst Wachstumsführer zu werden. Wie erklären Sie sich, dass Sie dennoch so deutlich zulegen konnten?
Drexel: Ich denke, es ist diese wunderbare Kombination: zum einen unsere Bereitschaft zu ständiger Erneuerung unserer Märkte, Sortimente und Eigenmarken, zum anderen unsere Kontinuität und Stabilität, was Management und Unternehmensstrategie betrifft.

medianet:
Wie nimmt denn die Industrie die Spar-Performance wahr?
Drexel: Es macht sich bezahlt, wenn man Jahr für Jahr ganz kontinuierlich ein weit über dem Branchenschnitt liegendes Umsatzwachstum hinlegen kann. Von unseren Partnerlieferanten wird das anerkannt. Denn die stehen genauso im Wettbewerb zu ihren Mitbewerbern und versuchen ebenso, alljährlich ein Umsatzwachstum zu erzielen. Und wenn diese Partnerlieferanten aus Industrie, Handwerk und Landwirtschaft sehen, mit Spar kann man jedes Jahr verlässlich weit über dem Branchenschnitt wachsen, dann wird das in der Regel honoriert und führt zu einer sehr lebendigen Partnerschaft.

medianet:
Gibt es ein weiteres Erfolgsgeheimnis?
Drexel: Uns zeichnet aus, dass wir ein Familienunternehmen sind und aus dieser Tatsache heraus eine sehr stabile und kontinuierliche Politik im Management verfolgen. Wir haben seit vielen Jahren auf allen unterschiedlichen Stufen des Unternehmens die gleichen, hervorragenden Führungskräfte. Wir ergänzen uns alle gut und ziehen an einem Strang. Eine große Gefahr besteht ja oft dann, wenn Top-Manager von außen dazustoßen und dann einfach alles ändern möchten, selbst das, was sich hervorragend bewährt hat.

medianet:
Wie würden Sie denn einen USP der Spar definieren?
Drexel: Ein wesentlicher USP sind unsere Spar-Kaufleute, auf die wir sehr stolz sind und mit denen uns intensive Beziehungen verbinden. Ein weiterer USP sind unsere lebendigen Beziehungen zu innovativen Partnerlieferanten, denen wir signalisieren, dass wir an ihren Produktneuheiten interessiert sind und diese testen wollen, z.B. bei Interspar.

medianet: Gutes Stichwort: Interspar feiert 2020 sein 50jähriges Bestehen. Womit ist expansionsmäßig zu rechnen?
Drexel: Wir werden im Jubiläumsjahr sieben Eröffnungen feiern: fünf Komplettrelaunches und zwei neue Standorte, nämlich in der Schottengasse im ersten Wiener Bezirk und in der Breitenfurterstraße in Wien Liesing.

medianet:
Der Markt in der Schottengasse ist interessant.
Drexel: Auf diesen haben wir ein ganz besonderes Augenmerk, denn dabei handelt es sich um die denkmalgeschützte Kassenhalle der ehemaligen Creditanstalt und Bank Austria. Wir freuen uns auf diese Herausforderung und Chance. Mit Supermärkten in denkmalgeschützten Gebäuden haben wir bereits schöne Erfahrungen sammeln können: Teatro Italia in Venedig und Piazza della Valle in Padua sind sehr attraktive Beispiele.

medianet:
Abgesehen von der hohen Anfangsinvestition: Wie gut läuft denn ein Prunkstück wie der DeSpar im Teatro Italia in Venedig?
Drexel: Dort haben wir einen Quadratmeterumsatz von mehr als 14.000 Euro jährlich. Das hat uns jetzt ermuntert für den Standort in der Schottengasse, wo wir auf knapp 2.000 Quadratmetern ein kompaktes, sehr gourmetaffines Sortiment anbieten werden.


medianet:
Neben den Vorzeigemärkten – wo sehen Sie Interspar generell im internationalen Vergleich?
Drexel: Interspar verfügt über eine herausragende konzeptionelle Stärke. Beispielsweise haben wir unsere Nonfood-Warenwelten immer wieder evolutionär weiterentwickelt. Bis hin zu den Eigenmarken, wo wir mit der Nonfood-Eigenmarke Simpex im letzten Jahr um 17 Prozent gewachsen sind – während die übrige Branche laut über Probleme im Nonfood-Bereich klagt. Entsprechend werden wir von vielen Hypermarktbetreibern in Europa immer wieder befragt und aufgesucht – da gibt es fast schon ein bisschen einen Fachtourismus.

medianet:
Wie korrespondierte der Pioniergeist Interspars mit der Umsatzentwicklung 2019?
Drexel: Interspar konnte 2019 in Österreich ein sensationelles Wachstum von +4,6% auf der bestehenden Fläche – also like-for-like – erzielen. Alle Vertriebslinien zusammengenommen steigerten den Umsatz auf der bestehenden Fläche um hervorragende +4,1%. Hinzu kommen +0,6 Prozentpunkte aus der Expansion. Somit kommen wir inklusive Expansion auf ein Umsatzwachstum von +4,7%.

medianet: Sie haben das starke Wachstum mit der Nonfood-Eigenmarke Simpex erwähnt – wie lief denn das Vorjahr insgesamt für die Spar-Eigenmarken?
Drexel: Wir haben nun in Österreich das zweite Jahr hintereinander mehr als 40 Prozent Eigenmarkenanteil am Umsatz geschafft. Wenn wir den Eigenmarkenumsatz in Relation zum Food-Umsatz inklusive Near Food (Kosmetik, Waschmittel, Drogerie, Anm.) setzen, dann sind wir bereits bei 42 Prozent Umsatzanteil. Unsere Eigenmarken sind ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor von Spar.

medianet:
Das heißt, der Anteil wird weiter steigen?
Drexel: Aus meiner Sicht wird sich der Umsatzanteil mittelfristig bei rd. 45 Prozent einpendeln. Es ist gar nicht unser Ziel, diesen Anteil auf 55 oder 60 zu steigern. Wir wollen ja weiterhin der Anbieter mit der größten Vielfalt an Markenartikeln bleiben.

medianet: Mit welchen Spar-Marken hatten Sie denn 2019 die größte Freude?
Drexel: Spar Natur*pur entwickelt sich ganz fantastisch, damit sind wir in den letzten zwölf Jahren im Schnitt jedes Jahr um 16 Prozent gewachsen. Im letzten Jahr waren es fast 17 Prozent und wir führen bereits mehr als 1.000 Artikel unter Spar Natur*pur. Wir erzielten aber ebenso – und das sage ich auch, um die Bipolarität der heutigen Konsumenten zu illustrieren – mit unserer günstigen Diskont-Eigenmarke S-Budget ein achtprozentiges Wachstum bei insgesamt über 700 Artikeln. Darüber hinaus hat Spar Premium um zehn Prozent zugelegt, bei über 400 Artikeln in Österreich, allein 100 unter dem Sub-Brand Spar Premium Edition Johanna Maier.

medianet: Was Sie nach wie vor nicht haben, ist eine Spar-Kundenkarte. Wie ist heute Ihre Befindlichkeit in Anbetracht der Bemühungen seitens des Mitbewerbs?
Drexel: Wir verzichten ganz bewusst auf Kundenkarten, auch auf überbetriebliche Multibranchenkarten. Wir haben sehr viele Modelle im In- und Ausland studiert und es ist uns immer wieder angeboten worden, dort und da Mitglied zu werden. Aber die Kosten der Teilnahme, speziell an einem überbetrieblichen Kundenbonusprogramm, belaufen sich auf 1,5 bis zwei Prozent vom Umsatz – und das ist im Handel eine Welt! Diese Mittel investieren wir lieber in die Entwicklung neuer Sortimente und Eigenmarken sowie in die preisliche Wettbewerbsfähigkeit.

medianet: Gibt es Konsumenten, die es dezidiert begrüßen, dass Spar keine Kundenkarte hat?
Drexel: Wir haben viele Briefe und Mails bekommen, in denen uns Kunden mitteilen, dass es ihnen gefällt, dass wir sie nicht nach ihren persönlichen Daten fragen. Im Rahmen der Spar Stickermania, die heuer zum elften Mal stattfindet, hören wir öfters, wie angenehm es ist, dass hier die Kinder sammeln können, ohne dass wir nach ihren Daten fragen.

medianet:
Weil Sie gesagt haben, dass Sie lieber in die Preispolitik investieren – wie wichtig ist die Preisführerschaft aus Spar-Sicht?
Drexel: Natürlich ist eine offensive Marktbearbeitung wichtig; dazu gehört auch, dass man eine große Auswahl an Dauerniedrigpreisen hat. Die heißen bei uns ‚Lieblingsmarken immer billig', das sind bis zu 2.500 auf Dauer preisgesenkte Artikel und zwar Markenartikel und Eigenmarken. Amerikaner würden dazu sagen: ‚Every day low price'.

medianet:
Ein Themenkomplex, der zusehends an Bedeutung gewinnt, ist die Verantwortung der Supermärkte. Konterkariert diese Verantwortung nicht die Mündigkeit des Konsumenten?
Drexel: Wir vertreten den mündigen Konsumenten, darum bieten wir die ganze Fülle an Produkten an. Das sind bei Interspar rund 50.000 Artikel, davon 20.000 im Lebensmittelbereich inklusive Near Food. Da gibt es alles, inklusive Süßwarenregal, und wir verkaufen Zucker sogar auch pur! Aber Spaß beiseite. Wir richten folgende Botschaft an unsere Kunden: ‚Lieber Kunde, es wäre schön, wenn du bewusst einkaufst. Und wenn du durch dieses Bewusstsein etwas für deine Gesundheit tun willst, bieten wir dir gern unzählige gesunde Alternativen an.'

medianet:
Mit Erfolg?
Drexel: Mit Freude stellen wir fest, dass wir mit dem Start unserer Zuckerreduktions-Offensive Anfang 2017 Pionier in Europa waren. 2017 haben wir versprochen, bis Ende 2020 1.000 Tonnen Zucker einzusparen. Dieses Ziel haben wir nun schon elf Monate früher erreicht – ohne den eingesparten Zucker durch künstliche Süßstoffe zu ersetzen. Das ist die wirkliche Leistung!

medianet:
Zweites großes Themenfeld im Bereich Nachhaltigkeit ist die Reduktion von Plastik.
Drexel: Da sehen wir uns genauso als Pioniere und wir freuen uns, wenn sich bei diesem Thema die ganze Branche als Pionier sieht. Damit meine ich auch die Lebensmittelindustrie: Wenn alle mitmachen, umso besser. Dann ist auch nicht zu fürchten, dass der Staat zu sehr eingreift, weil am wirkungsvollsten sind unternehmerische Initiativen, die aufgrund von Freiwilligkeit und Überzeugung erfolgen.

medianet:
Welche Rolle spielt hier im Kontext die Frage von Einweg oder Mehrweg?
Drexel: Wir ersetzen sukzessive Einweg durch Mehrweg; zum Beispiel gibt es ab März die Spar Natur*pur Biomilch in der Mehrwegflasche. Wir hoffen allerdings, dass das Thema Einwegpfand an Österreich vorübergeht.

medianet: Was ist schlimm daran?
Drexel: Das sehen Sie am Vergleich zu Deutschland, wo es das Pfand auf Einweggebinde gibt. Das geht zulasten der Mehrwegquote, die ist dort um über 20 Prozentpunkte gesunken. Wenn der Konsument durch das Pfand bedingt de facto nicht mehr zwischen Einweg und Mehrweg unterscheidet, nimmt er das leichtere Gebinde – eben Plastik. Das übergeordnete Ziel muss ja sein, die Mehrwegquote zu erhöhen. Dieses Ziel würde durch die Einführung eines Pfands auf Einweggebinde konterkariert.

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