Wertpapiere gewinnen weiter an Bedeutung
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FINANCENET Redaktion 30.10.2026

Wertpapiere gewinnen weiter an Bedeutung

Der Finanz­monitor 2026 der UniCredit Bank Austria zeigt ein differenziertes Bild des Anlageverhaltens.

••• Von Reinhard Krémer

Der aktuelle Finanz­monitor 2026 der UniCredit Bank Austria zeigt ein differenziertes Bild des Anlageverhaltens in Österreich. Klassische Sparformen wie Sparbuch und Bausparen bleiben zwar weiterhin die beliebtesten Anlageformen, gleichzeitig etablieren sich Wertpapiere zunehmend als fixer Bestandteil eines langfristigen Vermögensaufbaus. Besonders sichtbar wird dieser Wandel bei Frauen, Familien mit Kindern und jüngeren Anleger.

Sparen bleibt für die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher die wichtigste Form des Vermögensaufbaus. Sparbuch und Bausparen genießen weiterhin hohe Bedeutung und werden als sichere Reserve geschätzt. Der monatliche Sparbetrag liegt 2026 im Median bei 200 €. Damit hat sich der Höchstwert von 250 € im Jahr 2025 wieder auf dem Niveau von 2024 eingependelt und zeigt, dass die Menschen generell weniger auf die Seite legen können.

Lebensstandard bedrückt
Gleichzeitig sorgen sich bereits 53% der Befragten darum, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können, nach 47% im Jahr 2024. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass das Interesse an Wertpapieren mit 43% auf hohem Niveau liegt und bereits 36% selbst investiert sind.

Wertpapierveranlagungen werden damit zunehmend als bedeutende Alternative zu klassischen Sparformen gesehen, insbesondere wenn es um langfristige Ziele wie Altersvorsorge, Vermögensaufbau oder die finanzielle Absicherung von Kindern geht.

Das Interesse an Wertpapieren ist seit 2019 von 26% auf 43% gestiegen. Die tatsächliche Nutzung hat sich im selben Zeitraum von 19% auf 36% nahezu verdoppelt. Gleichzeitig bleibt Sparen mit 52% Interesse und 68% tatsächlicher Nutzung die wichtigste Anlageform.

Wertpapier-Sparen ist beliebt
Die Möglichkeit des Wertpapier-Sparens ist ein Treiber für die Wertpapier-Veranlagung bei der jungen Bevölkerung (16 bis 30 Jahre). 42% der Jungen haben Wertpapiere, davon nutzen zwei Drittel die Möglichkeit des Wertpapier-Sparens.

Die Studie zeigt auch deutlich, dass finanzielle Entscheidungen immer häufiger im Familienkontext getroffen werden. Für 40% der Anleger mit Kindern zählt die nachhaltige Vermögensanlage für Kinder und Familie zu den wichtigsten Motiven einer Wertpapierveranlagung. Fast jede zweite Familie spart gezielt für ihre Kinder: 48% der Haushalte mit Kindern geben als Sparmotiv „für mein(e) Kind(er)“ an.
Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie früh finanzielle Vorsorge beginnen sollte. Die Daten der Studie zeigen, dass die aktuelle Diskussion rund um ein Zukunftsdepot für Kinder dem Wunsch vieler Familien, bereits in jungen Jahren die Grundlage für langfristigen Vermögensaufbau zu schaffen, widerspiegelt. Auch bei Immobilieninvestitionen spielt die nächste Generation eine wichtige Rolle. 56% der Haushalte mit Kindern nennen ihre Kinder als wesentliches Motiv für entsprechende Investitionen.

Frauen meiden Wertpapiere
Einer der Schwerpunkte des Finanzmonitors 2026 liegt auf dem Veranlagungsverhalten von Frauen. Während 47% der Männer Wertpapiere besitzen oder nutzen, liegt der Anteil bei Frauen aktuell nur bei 26%. Die Unterschiede betreffen nicht nur die tatsächliche Nutzung, sondern auch die Risikobereitschaft und die Einschätzung der eigenen Finanzkenntnisse.

Besonders bemerkenswert ist die langfristige Entwicklung bei Frauen und hier insbesondere bei der jüngeren Generation: Die Wertpapiernutzung stieg von 11% im Jahr 2019 auf aktuell 26%. Bei Frauen unter 30 Jahren erhöhte sich die Nutzung von 18% im Jahr 2023 auf 31% im Jahr 2026. Wertpapiere haben in dieser Zielgruppe das Bausparen bereits überholt. Damit entwickelt sich eine neue Generation von Anlegerinnen, die Kapitalmarktprodukte deutlich selbstverständlicher in ihre Finanzplanung einbezieht als frühere Generationen.

Herausforderung Inflation
Die hohe Inflation der letzten Jahre war für die Vermögen der Haushalte in Österreich eine Herausforderung. Auch 2025 konnten Österreichs Haushalte im Durchschnitt mit den Erträgen und Wertzuwächsen ihres Geldvermögens real keinen Ertrag erzielen und mussten sogar einen Verlust von rund einem% hinnehmen. Durch niedrige Sparzinsen und hohe Inflation verloren im Durchschnitt Österreichs Haushalte seit 2003 real 18%, bei Einlagen war es sogar rund ein Drittel.

Eine Veranlagung in Wertpapiere erbrachte im Durchschnitt einen realen Gewinn von drei Prozent nach KESt 2025 und seit 2003 konnte ein realer Ertrag (inklusive Dividende, Zinsen und abzüglich Inflation und KESt) von 23% erzielt werden, trotz der hohen Inflation von fast 80%.

Langfristig erhielt sich also der reale Wert des Vermögens durch Veranlagung in Wertpapiere trotz der Inflationsschocks und der manchmal schwierigen Marktentwicklung. Dies ist auch in Zukunft zu erwarten, bei ausschließlicher Veranlagung in Spareinlagen wird dies, trotz heute höherer Zinsen als vor 2022, auch in den nächsten Jahren nicht gelingen, so die Bank Austria-Experten.

Stärkung des Kapitalmarktes
Aber nicht nur für die Sparer kann die Veranlagung in Wertpapiere, trotz gewisser Risiken, Vorteile bringen. Gerade in unsicheren Zeiten mit großen wirtschaftlichen Herausforderungen ist für die gesamte Wirtschaft die Veranlagung in Wertpapiere wichtig. „Die Stärkung des Kapitalmarktes ist gerade in einer schwierigen konjunkturellen Situation wichtig für die Wirtschaft. Investments in Wertpapiere österreichischer Unternehmen tragen auch wesentlich dazu bei, dass die Ersparnisse der heimischen Wirtschaft zugutekommen“, sagt Marion Morales Albiñana-Rosner, Vorständin für Wealth Management & Private Banking der UniCredit Bank Austria.

KI als Assistenz – nicht Ersatz
Ein weiterer Schwerpunkt des Finanzmonitors 2026 ist die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Finanzberatung. Die Bevölkerung zeigt sich neuen Technologien gegenüber grundsätzlich offen: 48% können sich eine KI-gestützte Beratung vorstellen.

Die Ergebnisse zeigen aber ebenso klar die Grenzen dieser Entwicklung auf. Neun von zehn Befragten – 90% – sind der Meinung, dass die letztendliche Anlageentscheidung immer von einem Menschen getroffen werden sollte.

Darüber hinaus stimmen 73% der Aussage zu, dass KI den Zugang zu Veranlagungen erleichtern kann, erfolgreicher Vermögensaufbau aber weiterhin kompetente persönliche Beratung benötigt.

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