••• Von Reinhard Krémer
Sparen hat in Österreich Tradition, aber die Art des Sparens verändert sich. Die aktuelle Sparstudie von Erste Bank und Sparkassen, für die IMAS International 1.382 Personen repräsentativ befragt hat, zeigt, wie die Österreicherinnen und Österreicher heute sparen, wo ihr Erspartes liegt und wie sie Vermögen für die nächste Generation aufbauen.
Für 83% der Österreicherinnen und Österreicher ist es sehr oder ziemlich wichtig, Geld zur Seite zu legen, nach 80% im Vorjahr. Dieses ist der höchste Wert seit 2014. 45% bezeichnen Sparen sogar als „sehr wichtig“. Besonders hoch ist der Stellenwert bei den Jungen: In der Generation Z hält die Hälfte Sparen für sehr wichtig, bei den Babyboomern sind es 33%. „Die Menschen in Österreich wollen sparen, und zwar mehr als in den vergangenen Jahren. Das zeigt, wie groß das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit ist. Ein eigenes Polster gibt Halt und die Freiheit, selbst zu entscheiden“, sagt Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Oesterreich.
Gefühl von Sicherheit
89% der Befragten verbinden Sparen mit einem Gefühl von Sicherheit, 88% mit persönlicher Unabhängigkeit. Beide Werte sind gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Der Wille zum Sparen ist da, der finanzielle Spielraum wird jedoch enger.
Sparende legen im Schnitt
306 € pro Monat zur Seite, um 14 € weniger als im Vorjahr. Rechnet man die Inflation heraus, liegt der Sparbetrag real in etwa auf dem Niveau von 2016 (Schätzung auf Basis des Verbraucherpreisindex und der Wifo-Prognose für 2026). Nur noch 34% sind mit diesem Betrag sehr oder ziemlich zufrieden, nach 39% im Vorjahr. Das ist der niedrigste Wert seit 2014. Ein Drittel sagt, dass am Monatsende nichts mehr zum Sparen übrig bleibt. Mit 33% sind das um vier Prozentpunkte mehr als 2025.
Die Männer sparen mehr
Deutlich ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Männer sparen im Schnitt
384 € im Monat, Frauen 227 € und damit rund 40% weniger. Gesamtwirtschaftlich sank die Sparquote der privaten Haushalte laut vorläufigen Daten von Statistik Austria 2025 von 11,7 auf 10,0%, für 2026 erwartet das Wifo 8,7%.
„Viele legen nach wie vor Geld zur Seite, haben aber das Gefühl, dass es nicht reicht. Umso wichtiger ist es, das vorhandene Geld bewusst einzusetzen. Auch kleine Beträge machen einen Unterschied, wenn man regelmäßig spart“, so Holzinger-Burgstaller. 89% der Befragten sehen das ebenso.
Erspartes als Notgroschen
Gespart wird vor allem für die eigene Sicherheit: 91% der Befragten legen Geld als Notgroschen für Notfälle zur Seite, 77% zur finanziellen Absicherung und Vorsorge und 73% für ihre finanzielle Unabhängigkeit. Alle drei Werte liegen um sieben bis acht Prozentpunkte über dem Vorjahr.
Das Sparbuch bzw. Sparkonto bleibt mit 79% die meistgenutzte Sparform. Der Anteil jener, die Wertpapiere nutzen, steigt von 38 auf 40%. Damit haben Wertpapiere das Bausparen überholt: Der Bausparer lag 2025 mit 43% noch klar vorne und geht nun auf 34% zurück. Gold und andere Edelmetalle legen von 24 auf 30% zu, Kryptowährungen von 12 auf 15%.
Geld bunkern ohne Ziel
Aber es liegt noch immer viel Geld dort, wo es kaum Ertrag bringt: 52% der Österreicherinnen und Österreicher sparen (auch) am Girokonto, in der Generation Z sind es sogar 65%. Ein Viertel bewahrt Erspartes zu Hause oder im Tresor auf, im Vorjahr waren es 23%.
„Das Girokonto ist ein Konto für den Alltag, kein Sparkonto. Als Reserve für unerwartete Ausgaben sollten dort höchstens drei Monatsgehälter liegen. Was darüber hinausgeht, gehört kurzfristig auf ein Sparkonto und langfristig etwa in Wertpapiere“, sagt Maximilian Clary und Aldringen, Privatkundenvorstand der Erste Bank Oesterreich.
ETFs treiben das Wachstum bei den Wertpapieren. Unter den Wertpapierbesitzern stieg ihr Anteil binnen eines Jahres von 38 auf 50%, in der Generation Z liegt er bei 72%. Aktien bleiben mit 66% die meistgenutzte Wertpapierform. Männer investieren deutlich häufiger in Wertpapiere als Frauen (48 gegenüber 32%). Auch die Risikobereitschaft steigt leicht: Der Anteil jener, die sich bei der Geldanlage als sehr oder eher risikobereit bezeichnen, wächst von 16 auf 19%. „Für viele sind ETFs der Einstieg in den Kapitalmarkt. Sie sind breit gestreut und schon mit kleinen monatlichen Beträgen möglich. Entscheidend ist, dass die Veranlagung zu den eigenen Zielen und zur eigenen Risikobereitschaft passt. Dabei unterstützen wir in der persönlichen Beratung“, so Clary und Aldringen.
Filialbesuch am Weltspartag
Für 26% der Befragten ist der Weltspartag ein Grund, in die Bank oder Sparkasse zu gehen. Bei der letzten vergleichbaren Erhebung 2019 waren es 17%. 60% sehen im Weltspartag einen Tag für Alt und Jung, 54% erinnert er an die Bedeutung des Sparens. Bei der letzten Erhebung 2024 waren es 50%.
Stärkstes Symbol des Weltspartags bleibt mit 46% der Sparefroh, der heuer seit 70 Jahren in Österreich im Einsatz ist. „Am Weltspartag nehmen sich unsere Beraterinnen und Berater Zeit für das persönliche Gespräch über Sparziele, Reserven und den Vermögensaufbau. Dass jede und jeder Vierte darin einen Grund sieht, zu uns zu kommen, freut uns. Persönliche Beratung bleibt auch in einer digitalen Welt gefragt“, sagt Holzinger-Burgstaller.
Für wen man spart
43% der Sparenden legen Geld für die eigenen Kinder zur Seite, 20% für Enkel, Patenkinder oder andere nahestehende Kinder. Dabei dominieren klassische Produkte: Sparbuch (44%), Jugendkonto bzw. Jugendclub (40%) und Bausparvertrag (35%) wurden am häufigsten für Kinder und Jugendliche genutzt oder abgeschlossen. Wertpapier- oder ETF-Sparen für junge Menschen nutzen erst 15%.
Die Jungen wollen sparen
Grundsätzlich ist das Interesse am langfristigen Ansparen für junge Menschen groß: 40% finden ein Angebot sehr oder ziemlich interessant, mit dem man Geld für junge Menschen anspart und später einfach überträgt.
In der Generation Z sind es 58%, in der Generation Y 46%. Wichtig sind dabei geringe Kosten bei der Übertragung (83%), die Möglichkeit, auch kleine Beträge regelmäßig anzusparen (81%), und selbst über den Zeitpunkt der Übergabe zu entscheiden (76%).
Raus aus dem Hotel Mama
Wie wichtig ein früher Vermögensaufbau ist, zeigt auch die Wohnsituation junger Menschen.
Laut Statistik Austria (Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2025) wohnen 62,5% der 20- bis 24-Jährigen in Österreich noch bei den Eltern, bei den 25- bis 29-Jährigen sind es 23,7%. Die Generation Z spart laut Sparstudie besonders häufig für eine spätere Immobilienfinanzierung: 61% gegenüber 30% im Durchschnitt.