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Premiere für Österreichische Kulturfundraising-Awards © Ludwig Schedl
© Ludwig Schedl

Redaktion 03.05.2022

Premiere für Österreichische Kulturfundraising-Awards

Fundraising Verband Austria vergab am 28. April erstmals Awards für herausragende Fundraising- und Sponsoring-Initiativen im Kultursektor.

WIEN. Nach über zwei Jahren Kulturschaffen im Zeichen der Pandemie sind kreative Wege der Mittelaufbringung zusätzlich zu öffentlichen Förderungen mehr denn je gefragt. Maßgeschneiderte Spenden-Kampagnen sind jedoch noch keine Selbstverständlichkeit und das, obwohl die Bereitschaft in der Bevölkerung, für Kunst und Kultur zu spenden, groß ist. Um die innovativsten und erfolgreichsten Fundraising- und Sponsoring-Aktivitäten des österreichischen Kultursektors vor den Vorhang zu holen, vergab der Fundraising Verband Austria heute erstmals die Kulturfundraising-Awards in Wien.

„Der neu geschaffene Preis soll den äußerst spannenden, aber noch relativ spärlichen Fundraising-Aktionen aus der Kultur mehr Sichtbarkeit geben, Kulturanbieter durch Best Practices zu eigenen Initiativen animieren und gleichzeitig mehr Aufmerksamkeit auf den von der Pandemie stark beeinträchtigten Kultursektor insgesamt richten“, betont Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verband Austria, der die Kulturfundraising-Awards in Kooperation mit dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport und mit Unterstützung der Österreichischen Lotterien initiiert hat. Am Donnerstagabend,  28. April 2022, wurden die von der Künstlerin Gisela Stiegler gestalteten Trophäen im Rahmen einer feierlichen Gala im Anschluss an die Fachtagung für Kulturfundraising und
-sponsoring 2022 in der Diplomatischen Akademie in Wien verliehen.

Große Bereitschaft zu Kulturspenden in der Bevölkerung
In NPO-Bereichen, wie Soziales, Tier- und Umweltschutz oder Entwicklungshilfe wird Fundraising heutzutage höchst fachkundig, ethischen Richtlinien folgend und mit einer Vielzahl an Methoden betrieben, um Spenden für gemeinnützige Zwecke einzuwerben. Im Kulturbereich bilden solcherlei Maßnahmen hingegen noch die Ausnahme. Hierzulande werde Kunst- und Kulturförderung nach wie vor in erster Linie als staatliche Angelegenheit gesehen. Fundraising-Aktivitäten seien deshalb im Vergleich zu den USA, Großbritannien, den Niederlanden oder auch Deutschland noch verhältnismäßig wenig etabliert, erklärt Lutschinger.

Spätestens seit dem Einschnitt durch die Pandemie ist das heimische Kulturwesen jedoch zunehmend auf zusätzliche Mittel von privater Seite angewiesen, um den steigenden Finanzierungsbedarf zu decken. „Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ist groß, wird aber von Kulturinstitutionen noch sehr wenig durch maßgeschneiderte Spendenaufrufe nutzbar gemacht. Acht Prozent der Österreicher sind aktuell gewillt, für Kunst und Kultur zu geben – ein Potenzial von über 60 Mio. Euro jährlich an Spenden“, weiß Lutschinger. Umso mehr würden innovative, kreative und qualitätsvolle Spendenkampagnen fruchtbare Wege der Kulturförderung ergänzend zu öffentlichen Mitteln eröffnen.

Erfolgreichste und kreativste Aktivitäten prämiert
Um besonders vorbildhaften Spendenaufrufen aus der Kultur mehr Sichtbarkeit zu verschaffen und das Potenzial aufzuzeigen, vergab der Fundraising Verband Austria heuer erstmals die Kulturfundraising-Awards in drei Kategorien: In der Award-Kategorie „Beste Kulturfundraising-Aktion“ wurde die erfolgreichste und mit verschiedenen Tools realisierte Initiative gesucht. Hier überzeugte die Votiv-Kino GmbH gemeinsam mit dem Café Liebling für die mittels Crowdfunding umgesetzte Fundraising-Kampagne „Bellaria Kino Retten!“

„Die Kampagne zur Rettung des Bellaria Kinos zeigt eindrucksvoll auf, welches Engagement entstehen kann, wenn ein bestimmter Ort nicht aus der Stadt Wien wegzudenken ist. Der kreative und vielseitige Ansatz – von Plakaten bis hin zu Social Media-Aktivitäten – sowie die Aktivierung zahlreicher Communities überzeugte auf allen Ebenen“, heißt es in der Jurybegründung. 2019 musste das Wiener Bellaria Kino nach über 100 Jahren Betrieb schließen. Als letzte Chance für eine Wiedereröffnung wurde von den Betreibern des Café Liebling und den Betreibern des Votiv Kinos sowie des Kino De France eine Crowdfunding-Initiative gestartet. Bereits nach zwei Wochen war die angestrebte Summe erreicht. Nachdem auch die Stadt Wien ergänzend 100.000 € an Unterstützung angekündigt hatte, wurde die Stoßrichtung des Crowdfundings entscheidend erweitert. 1.453 Unterstützer spendeten letztlich über 135.000 €. Statt einer stückweisen Renovierung wurde damit eine Generalsanierung möglich. „Wenn ein Projekt Potenzial hat und die Sympathisanten Feuer fangen, wird das Unmögliche möglich. Den Funken überspringen zu lassen, um dieses Feuer zu entfachen, ist uns offenbar gelungen. Für uns eine neue, intensive und lehrreiche Erfahrung“, freut sich Michael Stejskal, Betreiber Votiv Kino, Kino De France und Bellaria Kino.

Der Award „Beste Unternehmens-Partnerschaft“ für besonders gelungene Kooperationen von Kultureinrichtungen mit Unternehmen ging an das ImPulsTanz Festival für die gemeinsam mit mayr & more aufgebaute Partnerschaft mit Renault unter dem Motto „Warum man den Twingo eigentlich tanzen müßte“. Der Renault Twingo wurde dabei, passend zur Unternehmensstrategie, als kleiner und wendiger Stadtflitzer mit dem ImPulsTanz Festival in Verbindung gesetzt, deren Verantwortliche die zentralen USPs des Modells in einer einzigartigen Aktion in zeitgenössischen Tanz übersetzten. Das Ergebnis: Ein kreativ gestaltetes Video, das auf allen Kanälen des Festivals zu sehen war, insbesondere auf der Fassade des MQ.

„In dieser symbiotischen Partnerschaft trafen sich Kreativität, Bewegung, Technik und Ästhetik. Neben klassischen Werbemitteln wurde ein digitales Erlebnis geschaffen, das in einem Live-Event mündete und die Stärken der Partner Renault & ImPulsTanz perfekt präsentierte“, betont Karl Regensburger, Intendant ImPulsTanz Festival. Die entstandene Synergie unterstreicht auch die Jury-Begründung: „Ein zeitgemäßer Idealfall von Sponsoring ist eine Partnerschaft, bei der das Verbindende im Vordergrund steht und gemeinsame Kreativität schürt. Renault und das ImPulsTanz Festival haben genau solch eine künstlerisch exzellente Kooperation Realität werden lassen. Beide Marken konnten so nachhaltig gefördert und gleichzeitig Kultur finanziert werden.“

Beim Award „Small but smArt“ für die beste Fundraising-Aktion einer kleinen Kulturinitiative punktete die Otto Kulturgenossenschaft, die mit ihrem Projekt den Alten Bauhof in Ottensheim, OÖ, zu einer Spielstätte für Kunst und Kultur verwandelt hat. Ottensheim hatte zuvor eine bunte Kreativszene, jedoch keine Bühne. Um den Alten Bauhof in eine Kultstätte zu verwandeln, hat die Otto Kulturgenossenschaft 2019 die Kooperation mit ansässigen Kulturvereinen gesucht. Binnen kürzester Zeit zeichneten 220 Personen in der Genossenschaft und machten so das Vorhaben möglich. Ein Teil der Finanzierung sollte durch eine Crowdfunding-Aktion aufgebracht werden: Aus den angestrebten 10.000 € ist mehr als das Doppelte geworden. Seit 2021 ist die dadurch möglich gewordene Spielstätte fixer Bestandteil der lokalen und regionalen Kulturszene. (red)

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