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Schwimmt und quakt wie eine Ente
Redaktion 17.01.2020

Schwimmt und quakt wie eine Ente

Eine hoffentlich erleuchtende Reise durch die Widrigkeiten des Dunning-Kruger-Effekts.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider


IST HALT SO. Wie vergangene Woche angekündigt – und weil er so vieles erklärt, das so vielen ein Rätsel ist: der Dunning-Kruger-Effekt. Er bezeichnet die Unfähigkeit, die eigene Kompetenz auch nur halbwegs richtig einzuschätzen – oder, wie es einer seiner „Entdecker” (Dustin Dunning) erklärt: „Inkompetente Menschen erkennen nicht – nein: können nicht erkennen – wie inkompetent sie in Wirklichkeit sind.”

Das Eigenartige daran: Diese Inkompetenz führe nicht zu Ratlosigkeit oder Verunsicherung, sondern ganz im Gegenteil zu einer Selbstsicher-heit, die allein „aus etwas bezogen wird, das sich wie Wissen anfühlt”. Und: Je geringer das Wissen (zu einem Themengebiet), desto größer die Lücke zwischen Kompetenz und Einschätzung.
Zudem ist es einfacher, Unwissen bei anderen zu konstatieren als bei uns selbst. Klingt boshaft, ist es aber nicht. Weil es uns alle betrifft. Diese Erkenntnisse wurden in den vergangenen 20 Jahren in unzähligen Studien verifiziert.
Bei dem Versuch, die Welt zu interpretieren, greifen wir auf Erlebtes, Gespeichertes, vorhandene Erkenntnisse und Erfahrungen zurück. Bestätigungen erleben wir als befriedigend; was dem gespeicherten Katalog widerspricht, lehnen wir ab. Oft zu Recht. So arbeitet unser Sinnesapparat im Allgemeinen. Tausende Eindrücke, empfangen über Augen, Ohren, Nase und sonstige empfangsfähige Organe, müssen zu einem, wenn geht eher simplen Gesamteindruck zusammengefügt werden. Wer, wenn er den Kopf dreht, über die relative Anpassung seines Gleichgewichtssinns an die Koordination seiner Füße nachdenkt, verliert. Ein winziger Elefant, der recht realistisch aussieht und sich auch noch bewegt, der ist, legt unser Hirn blitzschnell fest, ein Großer, der weit entfernt ist. Mit dieser Einschätzung fährt insbesondere jener gut, der vor nicht allzu langer Zeit noch darauf angewiesen war, per automatisierter Mustererkennung das Leopardenartige im Blätterwerk nicht groß zu hinterfragen.
Wer kann sich jetzt immer noch nicht vor­stellen, wie Verschwörungstheorien entstehen?

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