Stadt Wien sparte bei den Werbeausgaben
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MARKETING & MEDIA Redaktion 30.10.2026

Stadt Wien sparte bei den Werbeausgaben

Euro für Werbung aus, die Stadt Wien halbierte ihre Ausgaben.

•• Von Jakob Klawatsch

Die öffentliche Hand hat in Österreich im ersten Halbjahr 2026 Werbung im Wert von 173,9 Mio. € gebucht. Das zeigen die vor Kurzem veröffentlichten Medientransparenzdaten der KommAustria und der RTR GmbH. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025

(176,8 Mio. €) ist das ein leichter Rückgang. Hinzu kamen Förderungen für Medien in Höhe von rund 38 Mio. €, das Gesamtvolumen liegt damit bei rund 212 Mio. €. Gemeldet wurden 68.151 Einzelpositionen von 1.415 Rechtsträgern. Meldepflichtig waren im ersten Halbjahr 2026 5.320 Rechtsträger, 3.905 von ihnen meldeten allerdings keine Ausgaben.

Auffällig ist vor allem die Entwicklung bei zwei großen Auftraggebern: Die Stadt Wien ist zwar weiterhin Spitzenreiter unter den Landesregierungen, hat aber ihre Werbeausgaben um rund 50% gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 zurückgefahren. Die Bundesregierung bleibt auf einem niedrigen Niveau.

Bund weiter sparsam
Die Bundesministerien gaben zusammengerechnet 5,8 Mio. € für Werbung aus. Niedriger war der Wert in den vergangenen zehn Jahren nur im ersten Halbjahr 2025 (3,2 Mio. €), damals dauerte aber auch die Regierungsbildung bis in den März hinein. Im ersten Halbjahr 2024 lagen die Ausgaben für Werbung noch bei 18,7 Mio. €, mehr als das Dreifache von heute. Die aktuelle Regierung hatte sich immerhin vorgenommen, ihre Werbe­ausgaben zurückzuschrauben.

Das mit Abstand ausgabefreudigste Ressort war das Verteidigungsministerium mit rund 2,1 Mio. € (erstes Halbjahr 2025: 1,5 Mio. €). Damit gab es mehr als ein Drittel der gesamten Werbung des Bundes aus. Dahinter folgt das Ministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur mit rund 812.500 €.

Im Vorjahreshalbjahr gab es nur rund 10.000 € für Werbung aus. Das Bildungsministerium kam auf rund 626.300 € (erstes Halbjahr 2025: 393.600 €), das Finanzministerium auf rund 480.000 € (erstes Halbjahr 2025: 75.100 €) und das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz auf 466.400 € (erstes Halbjahr 2025: 14.800 €).

Insgesamt gaben ÖVP-geführte Ministerien rund 2,9 Mio. € aus, SPÖ-geführte rund zwei Mio. € und jene der Neos buchten Werbung in Höhe von etwa 883.000 €.

Stadt Wien halbiert
Die Stadt Wien gab im ersten Halbjahr 2026 rund 5,6 Mio. € für Werbung aus, etwa die Hälfte des Werts vom ersten Halbjahr 2025 (11,1 Mio. €). In den Halbjahren davor lag sie konstant zwischen elf und 13 Mio. €, im Gesamtjahr 2025 bei 23,3 Mio. €.

Nachdem der Bund bereits im ersten Halbjahr 2025 die Werbe­ausgaben deutlich zurückgeschraubt hatte, hat Wien heuer im ersten Halbjahr den Sparstift angesetzt. Damit liegt Wien nun knapp hinter dem Bund
(5,8 Mio. €).

Trotz des Rückgangs ist Wien weiter die mit Abstand ausgabefreudigste Landesregierung. Von den 11,8 Mio. €, die alle neun Landesregierungen zusammen ausgaben, entfallen rund 47% auf die Hauptstadt. Dahinter folgen Oberösterreich, das auf rund 3,5 Mio. € zulegte, und Niederösterreich, das mit rund 1,3 Mio. € stabil blieb. Diese drei vereinen knapp 88% der Aus­gaben. Die übrigen sechs Bundesländer kommen gemeinsam auf nur rund 1,5 Mio. €.

Landesnahe Betriebe vorn
Ein anderes Bild ergibt sich bei den landesnahen Gesellschaften, die in den Zahlen der Landesregierungen nicht enthalten sind. Kärnten Werbung (2,4 Mio. €), Tirol Werbung (2,2 Mio. €), Burgenland Tourismus (2,2 Mio. €) und Salzburger Land Tourismus (1,8 Mio. €) geben jeweils ein Vielfaches ihrer Landesregierung aus, in Kärnten und im Burgenland mehr als das Zehnfache.

Auch die Landesenergieversorger gehören zu den größeren Werbern: die Illwerke mit 2,3 Mio. €, die Energie AG Oberösterreich mit 2,1 Mio. €, die Kelag mit 1,9 Mio. €, die Tiwag und die Energie Steiermark mit jeweils rund 1,5 Mio. €. In Wien kommen zur Stadt die Wien Energie (3,6 Mio. €) und die Wien Holding (1,7 Mio. €) hinzu.

Bei den übrigen Unternehmen in öffentlichem Besitz oder unter öffentlicher Kontrolle warb die Linz AG mit sechs Mio. € am meisten, knapp vor der Agrarmarkt Austria (5,6 Mio. €) und der Post (3,9 Mio. €).

Boulevard verliert
Größter Empfänger von Werbegeldern der öffentlichen Hand war im ersten Halbjahr der ORF. Er nahm rund 10,6 Mio. € ein und gab selbst rund 3,8 Mio. € für Werbung aus. An die drei großen Boulevardmedien ­gingen zusammengenommen 11,8 Mio. €, rund 1,5 Mio. € weniger als im Vorjahreshalbjahr. Das geht unter anderem auf die Wiener Kürzungen zurück. Die Kronen Zeitung erhielt rund 6,2 Mio. € (minus 200.000 €), Heute rund drei Mio. € (minus 680.000 €) und oe24 rund 2,6 Mio. € (minus 740.000 €). Bei den übrigen Printmedien folgen die Kleine Zeitung (2,9 Mio. €, plus 350.000 €), Der Standard (2,8 Mio. €), der Kurier (2,1 Mio. €) sowie Die ­Presse und die Oberösterreichischen Nachrichten mit jeweils rund 1,8 Mio. €.

Auch die Außenwerbung verzeichnete weniger öffentliche Werbeeinnahmen: Die ­Gewista Werbegesellschaft nahm rund 7,2 Mio. € ein, also rund 1,6 Mio. € weniger als im ersten Halbjahr 2025. Infoscreen (2,2 Mio. €),
Kulturformat (2,1 Mio. €), ÖBB-Werbung (1,6 Mio. €), Epamedia (1,4 Mio. €) und Ankünder (1,1 Mio. €) erhielten Einnahmen über der Millionengrenze.

Big Tech legt weiter zu
Gegen den Gesamttrend stiegen die Einnahmen der internationalen Plattformen um rund eine Million € auf 17,4 Mio. € im ersten Halbjahr 2026. ­Google (inklusive YouTube) kam auf rund 8,2 Mio. €, Meta auf rund 6,8 Mio. € und TikTok auf rund 850.000 €. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 hatte Google rund 15,9 Mio. € von der öffentlichen Hand erhalten, Meta 14,7 Mio. €. Beide Digital­giganten bewegen sich damit weiter in dieser Größenordnung.

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