WIEN. Warum sind manche Unternehmen dauerhaft innovativer als andere? Dieser Frage sind Nikolaus Franke, akademischer Direktor des Executive MBA Entrepreneurship & Innovation der WU Executive Academy, und Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Centers, nachgegangen. Auf Basis von mehr als 10.000 Unternehmensanalysen haben die beiden Wissenschaftler vier zentrale Erfolgsfaktoren für Innovationsfähigkeit identifiziert. Ihre Erkenntnisse haben sie nun in dem Buch „Innovation ist kein Zufall“ veröffentlicht.
Die Untersuchungen erfolgten im Rahmen des Innovationswettbewerbs TOP 100 über einen Zeitraum von 20 Jahren. Dabei zeigte sich laut den Forschern ein deutlicher Zusammenhang zwischen Innovationskraft und Unternehmenswachstum. „Unsere Daten zeigen: Die untersuchten Innovationsführer wuchsen im Beobachtungszeitraum mehr als viermal so schnell wie vergleichbare Unternehmen derselben Branche, Größe und Altersklasse“, erklärt Dömötör.
Vier Faktoren für Innovationsfähigkeit
Aus den Untersuchungen leiten Franke und Dömötör vier zentrale Bereiche ab: Führung, Organisation, Unternehmenskultur und Außenorientierung. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren schaffe die Voraussetzungen für dauerhafte Innovationsfähigkeit.
Eine wesentliche Rolle komme dabei dem Topmanagement zu. Führungskräfte müssten Innovation als strategische Aufgabe verstehen, Ressourcen bereitstellen und Mitarbeitern Freiräume für neue Ideen ermöglichen.
Auch die Organisation beeinflusse die Innovationskraft. Während zu viele Vorschriften und starre Abläufe Veränderungen behindern könnten, führe ein Mangel an Koordination ebenfalls zu Problemen. Entscheidend sei daher ein ausgewogenes Verhältnis zwischen klaren Prozessen und Flexibilität.
Als Beispiel nennen die Forscher die ehotel AG, die durch den gezielten Einsatz von künstlicher Intelligenz und Automatisierung ihre Prozesse weiterentwickelt und ihren Umsatz innerhalb von fünf Jahren um rund 1.200 Prozent gesteigert habe.
Fehlerkultur und Offenheit
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist laut den Wissenschaftlern eine Unternehmenskultur, die Experimente zulässt und den offenen Umgang mit Fehlern fördert.
„Eine offene Lernkultur mit der Möglichkeit, Fehler zu machen und mutige Ideen angstfrei auszudrücken, ist Kern der Innovationsfähigkeit“, sagt Franke.
Wie eine solche Kultur umgesetzt werden kann, zeigt das Unternehmen Active Fiber Systems aus Jena. Dort wird jährlich ein „Failure Award“ vergeben, mit dem die Bereitschaft ausgezeichnet wird, Fehler offenzulegen und daraus gewonnene Erkenntnisse weiterzugeben.
Als vierten Faktor identifizieren Franke und Dömötör die Außenorientierung. Unternehmen sollten sich nicht ausschließlich auf die Optimierung bestehender Produkte und Prozesse konzentrieren, sondern auch Ideen von Kunden, Forschungseinrichtungen und anderen Branchen einbeziehen.
Innovation als strategische Aufgabe
Die Forscher betonen, dass einzelne Maßnahmen nicht ausreichen, um die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens dauerhaft zu steigern. Vielmehr müssten Führung, Strukturen, Kultur und Zusammenarbeit mit externen Partnern aufeinander abgestimmt sein.
Das Buch „Innovation ist kein Zufall“ verbindet die Ergebnisse der Unternehmensanalysen mit 46 Fallstudien, Benchmarking-Daten und praxisorientierten Checklisten. Es richtet sich an Führungskräfte und Unternehmen, die ihre Innovationsprozesse systematisch weiterentwickeln wollen. (red)