MOBILITY BUSINESS
© Lunghammer/TU Graz

Redaktion 16.06.2023

E-Autos: Warum nicht auf der Schiene laden?

Die TU Graz will mit einem innovativen Projekt den Ladevorgang von Elektroautos auf die Schiene verlegen.

GRAZ. Wer lange Strecken mit dem E-Auto fahren möchte, muss sich Gedanken über die Reichweite und Ladestopps machen. Wenn elektrifizierte Autos den Großteil ihres Fahrwegs per Zug zurücklegen würden und dort über das bahneigene Stromnetz geladen werden, könnten das öffentliche Stromnetz entlastet, Ladezeit vernünftig genützt und Akkus kleiner gebaut werden – so jedenfalls die Überlegungen von Experten der Technischen Universität Graz, die in dem von der Forschungsgesellschaft FFG geförderten Sondierungsprojekt „RailCharge” an der Realisierung dieser Idee arbeiten.

Effizienter mit der Bahn

Nach der Idee der Grazer Ingenieure legen E-Autos den Großteil ihres Fahrwegs auf dem Zug zurück und nutzen während der Fahrt das Stromnetz der Bahn und auch die Bremsenergie eines Zuges zur Aufladung des Akkus. Die ersten und letzten Kilometer werden dann mit dem Akku problemlos zurückgelegt, unter dem Strich würde damit auch das Stromnetz entlastet.

„Nehmen wir einmal an, es kommen jetzt am Abend die Menschen nach Hause und wollen Zigtausende Fahrzeuge gleichzeitig schnellladen. Das belastet unser Elektrizitätsnetz, das derzeit aufgrund des Ausbaus der volatilen Quellen ohnehin etwas leidet”, erklärte Armin Buchroithner vom Institut für Elektrische Messtechnik und Sensorik. Wenn sich jedoch während der Bahnfahrt das Zugnetz nutzen lässt, seien die zu erwartenden Belastungen besser kontrollierbar und auch vorhersagbar, argumentiert der Forscher, der das Projekt aufseiten der TU Graz leitet. „Und wenn man Roll- und Luftwiderstand auf Kilometertonne oder einen Passagier aufrechnet, ist es mit der Bahn auch deutlich effizienter”, so Buchroithner.

Zahlreiche Anwendungsfälle

Das Team hat im Rahmen des Projekts mit dem Verkehrsplanungsunternehmen verkehrplus sondiert, für welche Anwendungsfälle das Konzept „RailCharge” am sinnvollsten wäre: Bei Urlaubsreisezügen, allgemein längeren Strecken ab etwa drei Stunden Fahrzeit oder einer Werksbahn dürfte laut TU schon einiges an Potenzial vorhanden sein. Bei kürzeren Strecken dürfte die Lösung aufgrund der Anfahrt zum Bahnhof sowie Verlade- und Abladezeit mit aktuellen Möglichkeiten und konservativer Ladetechnologie jedoch noch wenig erfolgversprechend sein.

„Technologiedemonstrator”

Durch neue Waggondesigns und weiterentwickelte Ladetechnik soll sich das aber künftig ändern. Einige technische Lösungen wurden bereits entwickelt oder konzipiert: In Kooperation mit dem Projektpartner easelink aus Graz ist eine Ladelösung entstanden, gemeinsam mit SSC Railtech wurde auch die Architektur des Waggons neu gedacht.

Der nächste Schritt wäre die Umsetzung der Konzepte und Teilprojekte in die Realität: „Was mir persönlich vorschwebt, wäre ein Technologiedemonstrator in Form eines Waggons, der auf einer Teststrecke unterwegs ist. Vielleicht auch eine Strecke mit einem Grenzübergang”, erklärte Buchroithner. „Im Wesentlichen soll gezeigt werden, dass es möglich ist, Fahrzeuge unterschiedlicher Topologie auf der Schiene zu laden und sie kommen vollgeladen an.” (red/APA)

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