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Auf dem Weg an die Börse © Knorr Bremse AG

Noch darf fleißig gezeichnet werden, sein Börsendebüt will Knorr-Bremse dann am 12. Oktober geben.

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Noch darf fleißig gezeichnet werden, sein Börsendebüt will Knorr-Bremse dann am 12. Oktober geben.

Redaktion 04.10.2018

Auf dem Weg an die Börse

Zeichnungsfrist für Knorr-Bremse-Aktien bis 11. Oktober, Preisspanne zwischen 72 und 87 Euro je Aktie.

MÜNCHEN. Der deutsche Automobilzulieferer Knorr-Bremse wird bei seinem geplanten Börsengang mit bis zu 14 Mrd. € bewertet. Das Münchner Unternehmen legte die Preisspanne vor wenigen Tagen auf 72 bis 87 € je Aktie fest. Mehrheitseigentümer Heinz Hermann Thiele will, abhängig von der Nachfrage, bis zu 30% der Anteile seiner Familie verkaufen. Er könnte damit zwischen 3,48 und 4,21 Mrd. € einnehmen.

Die Preisspanne entspricht einem Börsenwert zwischen 11,6 und 14 Mrd. €. Die bis zu 48,4 Mio. Aktien können bis 11. Oktober gezeichnet werden. Einen Tag nach dem Ende der Zeichnungsfrist soll Knorr-Bremse sein Debüt an der Frankfurter Börse feiern.

Aufs Gemüt des Zulieferers drückt mitten in dieser Hochphase ein Streit mit dem langjährigen Partner Bosch. Der Stuttgarter Autozulieferer wirft Knorr-Bremse vor, ihm absprachewidrig bei Lenksystemen für Lkw Konkurrenz zu machen, und will deshalb aus dem gemeinsam betriebenen Nutzfahrzeugbremsen-Geschäft in Europa aussteigen. Knorr-Bremse müsste die 20%-Beteiligung, die Bosch an der Tochter Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH (SfN) und an einer gemeinsamen Firma im Japan hält, dann nach dem Vertrag für 380 Mio. € zurückkaufen. Der Börsenkandidat bestreitet aber, dass Bosch das Recht hat, die Verkaufsoption zu ziehen.

Eine Bosch-Sprecherin bestätigte indirekt den Streit mit Knorr-Bremse: „Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung hat Bosch sich entschieden, diese Beteiligung grundsätzlich zu überprüfen." Zu Einzelheiten äußerte sie sich jedoch nicht.

Bosch hatte sein Geschäft mit Lkw-Bremsen 1999 an Knorr-Bremse abgegeben und war im Gegenzug bei der SfN eingestiegen, in der der Münchner Konzern sein Europa-Geschäft gebündelt hat. In Europa erwirtschaftet Knorr-Bremse rund die Hälfte seines Umsatzes, knapp die Hälfte davon mit Nutzfahrzeugen. Vor zwei Jahren hatte Knorr-Bremse tedrive gekauft, einen Hersteller von Lkw-Lenksystemen aus Wülfrath. Die Produktion von Lenkungen, wie sie auch die Bosch Lenksysteme in Schwäbisch Gmünd herstellt, ist auch Teil einer Absichtserklärung von Knorr-Bremse mit der chinesischen FAW Jiefang vom Februar.

Das missfiel Bosch, weil der Knorr-Bremse-Partner damit die Vereinbarung verletzt sieht, sich in bestimmten Geschäftsfeldern keine Konkurrenz zu machen. Bosch zog deshalb im Sommer die Verkaufsoption und kündigte ein Rahmen-Lizenzabkommen mit Knorr-Bremse. Vor zwei Wochen – genau an dem Tag, an dem Knorr-Bremse seine Börsenpläne öffentlich machte – leiteten die Stuttgarter ein Schiedsgerichtsverfahren ein. Damit soll Knorr-Bremse zum Rückkauf der Anteile gezwungen werden und dazu, Bosch auch nach dem Ausstieg bei Lenksystemen drei Jahre lang keine Konkurrenz zu machen.

Knorr-Bremse wirft Bosch im Gegenzug vor, selbst Fahrerassistenzsysteme für Lkw entwickelt zu haben, obwohl die SfN diese bereits baue. Zum Jahresende will Bosch nach einem Streit um die Preise auch die Belieferung von Knorr-Bremse mit bestimmten Elektronik-Steuerungen einstellen. (jz)

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