INDUSTRIAL TECHNOLOGY
35. Logistik Dialog 2019 © BVL Österreich/Gary Milano

Podiumsdiskussion mit Christoph Achammer, Bernd Datler, Anne Lange, Christoph Matschke, Karl May und Erich Schatz.

© BVL Österreich/Gary Milano

Podiumsdiskussion mit Christoph Achammer, Bernd Datler, Anne Lange, Christoph Matschke, Karl May und Erich Schatz.

Redaktion 11.04.2019

35. Logistik Dialog 2019

Jubiläumskongress fokussiert auf Fachkräftemangel und aktuelle Logistiktrends.

WIEN. Mit fast 900 Teilnehmern und rund 100 Partnerunternehmen und Ausstellern wurde gestern, Donnerstag, der 35. Logistik Dialog eröffnet. „Die Logistikindikatoren für 2019 zeichnen ein ambivalentes Bild des Wirtschaftssektors“, erklärte Roman Stiftner, Präsident der BVL Österreich. Laut aktuellen Wirtschaftsprognosen verlangsamt sich das Konjunkturwachstum in Österreich und wird sich 2019 zwischen 1,7 und 1,6 Prozent einpendeln. Unsere Wirtschaft erlebt zwar einen leichten Abschwung, steht aber auf stabilem Fundament, trotz anhaltender Handelskonflikte und einem drohenden „harten“ Brexit. Auch die Industrie kann eine positive Bilanz für das letzte Wirtschaftsjahr ziehen. Mit einem Plus von 9,5 Prozent stieg die Industrieproduktion auf 175 Mrd. €. Durch die leichte Abschwächung des Wachstums fallen aber auch in diesem Wirtschaftsbereich die Wachstumsprognosen für 2019 etwas verhaltener aus.

Das Wachstum in der Logistik liegt bei etwa drei Prozent und korreliert unmittelbar mit Wirtschaftsbereichen Industrie und Handel. Einerseits sorgen die fortschreitende Digitalisierung und der boomende E-Commerce für hohe Dynamik, andererseits stellt der Fachkräftemangel in den einzelnen Logistik-Disziplinen ein massives Wachstumshemmnis dar, wie auch in vielen anderen Wirtschaftsbereichen.

Top-Karrierechancen in der Logistik
Erhebungen zeigen, dass derzeit rund 3.000 Fachkräfte, davon allein 2.000 in der Logistikdienstleistung, fehlen, in Deutschland fehlen mehr als 50.000.
Aber auch Softwareentwickler und IT-Spezialisten sind für die Branche essenziell, um die Herausforderung der Digitalisierung bewältigen zu können. Die BVL Österreich setzt Maßnahmen und bietet heuer erstmals den Partnerunternehmen im Rahmen des Kongresses die Möglichkeit, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren und Studierende und Young Professionals über Karrierechancen in Logistik und Supply Chain Management direkt zu informieren.

Logistiktrends
Ohne Big Data, Künstliche Intelligenz, Robotik, 3D-Druck, autonomes Fahren und digitale Werkzeuge geht in der Logistik nichts mehr. Auch die Blockchain als weiteres Trend- und aktuell noch Nischenthema wird den Wirtschaftsbereich erobern. Die Logistik zählt zu den innovativsten Wirtschaftsbereichen. Woran führende Unternehmen arbeiten, welche Lösungen sie einsetzen, zeigen die Experten-Referate und die Partnerunternehmen in der begleitenden Fachausstellung „Alles Logistik“.

„Mit den Freitags-Demonstrationen, angeführt von Greta Thunberg, fordern junge Menschen die Verantwortungsträger zum unmittelbaren Handeln auf, da sie ihre Zukunft durch die Klimaerwärmung bedroht sehen. Auf der anderen Seite demonstriert die ‚Gelbwestenbewegung‘ für ein leistbares Leben. Ohne die rechtliche Seite zu thematisieren, müssen wir uns die Frage stellen, wie wir den ökologischen und sozialen Ausgleich schaffen“, so Stiftner. Die Logistik sei gefordert, die gesamte Supply Chain nachhaltiger zu gestalten. Neue, emissionsärmere Antriebssysteme, klimaneutrale Treibstoffe und bessere Ressourcen-Effizienz seien realistische Lösungsansätze. Logistik ist sozusagen ein Teil der Sozialpolitik. Die BVL Österreich motiviert zu diesen Anstrengungen und zeichnet sie aus.

Festung Europa
Die inneren Widersprüche der EU, die finanzpolitischen Spannungen zwischen Nord und Süd, die Fragen der Rechtsstaatlichkeit zwischen Ost und West und ein möglicher Brexit lassen die EU weltpolitisch schwach erscheinen. „Ein starkes und geeintes Europa war noch nie so nötig wie jetzt! Das heurige „European Year of Change“ gibt uns die Möglichkeit einen Richtungswechsel zu vollziehen“, so Stiftner.

Im Hinblick auf den technologischen Wandel meinte Stiftner, dass die Geschwindigkeit der Veränderungen, die wir in den letzten 30 Jahren erlebt hätten, nicht mehr jene sein würde, die in den kommenden 30 Jahren folge. Durch die gewaltig beschleunigten Rechenkapazitäten hätte eine „künstliche Intelligenz“ eine reale Chance bekommen und ermögliche das Zusammenführen einer analogen mit der digital wahrgenommenen Welt.

„Keinesfalls dürfen wir Europa zu einer Trutzburg ausbauen“, so Holger Bingmann, Präsident des deutschen Bundesverbands für Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA). In seiner Keynote befasste er sich mit politischen Umbrüchen und der digitalen Transformation, die den Groß- und Außenhandel Strategien und Geschäftsmodelle neu zu denken zwingt. Er wünsche sich von der Politik mehr Glauben an den Markt, statt neuer Barrieren und eine Lockerung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Und: „Unternehmen brauchen für die Gestaltung ihrer Zukunft mehr Flexibilität!“

Rechtliche Spielregeln
Brigitte Bierlein, Präsidentin des Verfassungsgerichtshof der Republik Österreich, informierte in ihrer Keynote über rechtliche Grundlagen als Garant für zukunftsorientierte Staaten: „Die österreichische Bundesverfassung enthält unter anderem wirtschaftliche Grundrechte, in denen eine Systementscheidung für eine soziale Marktwirtschaft zum Ausdruck kommt. Insbesondere sind hier der Schutz des Eigentums und die Freiheit der Erwerbsausübung zu nennen. Die Verfassung bietet Raum für unternehmerische Freiheit, sie zieht aber auch Grenzen. Die Einhaltung der rechtlichen Spielregeln zu kontrollieren – zu denen auch die angemessene Verfahrensdauer und ein effektiver Rechtsschutz zählen –, ist Aufgabe des Verfassungsgerichtshofs. Hinsichtlich der Dauer der Verfahren gehen wir mit gutem Beispiel voran: Die Erledigungsdauer konnte im Vorjahr weiter auf unter 4 Monate gesenkt werden.“ (pj)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL