Gastkommentar ••• Von Martin Kaindel
WIEN. Vor rund zwei Wochen hatte ich im Weinviertel einen Wildunfall. Obwohl ich in der Abenddämmerung mit moderatem Tempo auf einer Bundesstraße unterwegs war, hatte ich keine Chance, rechtzeitig zu reagieren, als plötzlich zwei Rehe über die Straße sprangen. Das erste schaffte es noch, das zweite leider nicht mehr. Als ich den Unfall anschließend bei der Polizei meldete und einer jungen Polizistin meine geschäftliche E-Mail-Adresse bekannt gab, hielt sie kurz inne und fragte: tele? Das TV-Magazin?
Wie sich herausstellte, sieht die junge Polizistin gerne fern. Bei ihr zu Hause und auch in der Polizeiinspektion liegen die Niederösterreichischen Nachrichten auf und damit auch tele, das Woche für Woche Orientierung im Fernsehprogramm bietet. Mitten in dieser wenig erfreulichen Angelegenheit entwickelte sich ein nettes Gespräch über unser Magazin.
Stärkstes Supplement
An diese Begegnung musste ich heute denken, als die neuen Zahlen der Media-Analyse 2026 I veröffentlicht wurden. tele erreicht demnach 12,4% der österreichischen Bevölkerung ab 14 Jahren, also 972.000 Leser pro Ausgabe. Damit sind wir einmal mehr das reichweitenstärkste Supplement österreichischer Tageszeitungen. Crossmedial erreichen wir sogar 13,4% beziehungsweise 1.046.000 Menschen. Das ist für ein Land wie Österreich eine beachtliche Größenordnung. Und eigentlich ein guter Grund für die werbetreibende Wirtschaft, einem Medium wie tele und seiner Reichweite noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Eigentlich. Denn immer mehr Werbegeld wandert zu den internationalen Technologieplattformen. Natürlich haben diese Angebote ihre Berechtigung. Sie sind einfach zu buchen, ermöglichen eine präzise Zielgruppenansprache und versprechen messbare Ergebnisse. Aber ich frage mich schon, ob wir bei aller Begeisterung für Algorithmen und Effizienz nicht manchmal übersehen, welche gesellschaftlichen Entwicklungen wir damit zumindest indirekt mitfinanzieren.
Desinformation, Radikalisierung, Filterblasen, Hass im Netz oder das endlose Scrollen sind längst Teil unseres digitalen Alltags. Nicht alles davon lässt sich den großen Plattformen allein anlasten. Aber wir sollten durchaus kritischer hinterfragen, welche Auswirkungen ihre Geschäftsmodelle auf unsere Gesellschaft haben. Und dann denke ich wieder an diese junge Polizistin. Sie liest tele und hat über die Niederösterreichischen Nachrichten zugleich Zugang zu einem regional verwurzelten Medium, das für journalistische Qualität, Glaubwürdigkeit und Nähe zu den Menschen steht. Dahinter steckt eine über viele Jahre gewachsene Beziehung zu den Lesern, die kein Algorithmus so einfach ersetzen kann.
Orientierung schaffen …
Genau darin liegt für mich eine der großen Stärken unserer heimischen Medien. Unsere Tages- und Wochenzeitungen informieren nicht nur, sie schaffen Orientierung, hinterfragen Entwicklungen und geben regionalen Themen eine Stimme. Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zu unserer demokratischen Gesellschaft.
Und ja, auch die werbetreibende Wirtschaft und ihre Agenturen tragen Verantwortung. Denn die Entscheidung, wohin der Werbeeuro fließt, bestimmt letztlich mit, welche Medienangebote und welche journalistische Vielfalt wir uns in Österreich künftig leisten können.
Allerdings dürfen wir Medienunternehmen die Verantwortung nicht ausschließlich bei anderen suchen. Wir müssen selbst relevant bleiben, journalistisch überzeugen, unsere Geschäftsmodelle weiterentwickeln und vielleicht auch etwas mutiger zusammenarbeiten, um den großen internationalen Plattformen gemeinsam mehr entgegenzusetzen. So erfreulich die aktuelle Media-Analyse für tele ist, wäre es falsch, die wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Branche schönzureden. Wir ruhen uns auf diesen Zahlen auch nicht aus.
Stärke der heimischen Medien
Mit der Weiterentwicklung von tele.at investieren wir in unsere digitale Zukunft, in neue Inhalte und attraktive Werbeangebote. Wir wollen Menschen aller Generationen Orientierung in der vielfältigen Welt von TV, Streaming, Kino und Unterhaltung bieten. Print und Digital sind für mich dabei keine Gegensätze, sondern eine sinnvolle Ergänzung.
Mein Wunsch an die werbetreibende Wirtschaft und ihre Agenturen ist daher ein recht einfacher, schauen wir bei der Mediaplanung wieder bewusster auf die Stärken unserer heimischen Medien. Nicht aus Nostalgie oder Mitleid, sondern weil sie viel zu bieten haben. Beachtliche Reichweiten, glaubwürdige Umfelder, gewachsene Leserbeziehungen und einen unmittelbaren Bezug zu den Menschen in diesem Land.
Ich möchte mich auch bei jenen Unternehmen bedanken, die tele in diesem Jahr ihr Vertrauen geschenkt haben. Ebenso gilt mein Dank den Abonnenten sowie den Lesern unserer Trägermedien. Sie tragen mit ihrer Treue und ihrem Interesse an gutem, regionalem Journalismus ganz wesentlich zur Stärke unseres Magazins bei. Vielleicht hat mir gerade diese Begegnung auf einer Polizeiinspektion im Weinviertel noch einmal vor Augen geführt, was hinter all den Reichweitenzahlen steckt: Menschen, ihre Interessen, ihre Gewohnheiten und vor allem ihr Vertrauen.
Die neue Media-Analyse bestätigt für mich deshalb nicht nur die beachtliche Stärke von tele. Sie erinnert uns auch daran, welchen Wert Österreichs Medien haben. Wir sollten diesen Wert nicht erst erkennen, wenn wir ihn verloren haben.