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Europaweiter Produkttest: Giftige Chemikalien trüben Ergebnis © Evelyn Knoll

Tassilo Nordmeyer, Global 2000.

© Evelyn Knoll

Tassilo Nordmeyer, Global 2000.

Redaktion 28.06.2022

Europaweiter Produkttest: Giftige Chemikalien trüben Ergebnis

Global 2000 nimmt Schwimm-, Garten- & Heimwerkartikel unter die Lupe.

WIEN. Die lang ersehnten Sommermonate 2022 stehen vor der Tür. Viele von uns freuen sich bereits auf Aktivitäten wie Schwimmen, Gartenarbeit oder Heimwerken. Deshalb hat Global 2000 gemeinsam mit europäischen Projektpartnern genau jene Produkte unter die Lupe genommen, die uns den Sommer über begleiten.

Die getesteten Artikel waren breit gestreut: Von Luftmatratzen, über Gartenwerkzeug bis hin zu Arbeitshandschuhen - viele Artikel enthalten immer noch giftige Chemikalien. Einige der untersuchten Produkte dürften so gar nicht mehr auf dem europäischen Markt verkauft werden.

Unabhängiges Labor testet 106 Produkte auf giftige Stoffe
Insgesamt wurden 106 Artikel in 13 verschiedenen EU-Ländern eingekauft. Sie wurden an ein unabhängiges und akkreditiertes Labor geschickt und auf besonders besorgniserregende Stoffe (eng. Substances of Very High Concern, kurz: SVHCs) untersucht.

Diese Stoffe können verschiedene negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben. Sie können zum Beispiel Krebs verursachen, unsere DNA schädigen, unser Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen oder schwer abbaubar und giftig für Wasserorganismen sein.

Einige Produkte illegal am Markt
Fast ein Drittel der untersuchten Produkte enthielt mindestens ein SVHC. In zehn Fällen wurde der Grenzwert von 0,1 Gewichtsprozent überschritten. Sieben dieser zehn Produkte enthielten Weichmacher, die in der EU seit Juli 2020 nicht mehr verkauft werden dürfen. „Bereits in sehr geringen Mengen können sie fortpflanzungsgefährdend sein“, berichtet Tassilo Nordmeyer, Chemikalienexperte bei Global 2000.

„Zusätzlich sind Weichmacher in Plastik nicht fest gebunden und dampfen stetig aus dem Produkt aus. So nehmen wir sie nicht nur über den Mund, sondern auch über Haut und Atemwege in unsere Körper auf.“ Dennoch wurden sie in Konzentrationen von bis zu 23 Gewichtsprozent gefunden, was eine 230-fache Überschreitung des Grenzwerts ist. Das bedeutet, dass fast ein Viertel des Artikels aus diesen schädlichen Substanzen bestand. Diese hohen Konzentrationen an Weichmachern wurden zum Beispiel in Gartenhandschuhen und sogar in einer Malschürze für Kinder gefunden. „Was das für Auswirkungen auf das filigrane Hormonsystem eines Kindes hat, will man sich gar nicht ausmalen“, meint Nordmeyer.

In einem Fugengummi wurden gleich vier verschiedene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gefunden. Sie sind allesamt krebserregend und schwer abbaubar und haben jeweils noch zusätzliche gesundheitsschädliche Eigenschaften. Sie zerstören zum Beispiel unsere DNA oder schaden unserer Fruchtbarkeit. Da diese Stoffe so gefährlich sind, existiert für sie sogar ein niedrigerer Grenzwert, welcher bei drei von vier Substanzen um mehr als das 20-Fache überschritten wurde. Auch dieser „Giftcocktail“ hätte natürlich so nicht mehr verkauft werden dürfen.

Transparente Kommunikation verpflichtend
Viele SVHCs sind trotz ihrer schädlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt weiterhin in Alltagsgegenständen erlaubt. Sie sind aber zumindest auskunftspflichtig. Das heißt, dass die Unternehmen verpflichtet sind, die Verbraucher darüber zu informieren, sollte ein SVHC in einer Konzentration von mehr als 0,1 Gewichtsprozent enthalten sein - allerdings nur, wenn danach gefragt wird. Verbraucher können sich mit dem "Recht auf Auskunft" davor schützen, unwissentlich immer mehr giftige Chemikalien in ihr Haus zu holen.

Die App „Scan4Chem“ erleichtert den Usern das Versenden solcher SVHC-Anfragen. Sie wurde im EU-Projekt "Life AskReach" entwickelt. „Mit ‚Scan4Chem‘ kann der Barcode eines Produkts gescannt werden und es werden sofort SVHC-Informationen aus unserer europäischen Datenbank erhalten“, so Nordmeyer. „Wenn die Informationen noch nicht vorhanden sind, kann eine automatische Anfrage an das Unternehmen gesendet werden.“

In „Life AskReach“ arbeitet Global 2000 auch mit den Unternehmen zusammen. Man unterstützt sie dabei, ihre Lieferketten besser zu handhaben und ihre SVHC-Anfragen zu verwalten und zu beantworten. Außerdem arbeitet man daran, das Bewusstsein für SVHCs und die SVHC-Politik in Unternehmen zu verbessern.

Chemikalien-Check mittels App
Global 2000 empfiehlt den Konsumenten dringend, sich die "Scan4Chem"-App herunterzuladen und Informationen über alle Artikel anzufordern, die sie interessieren. Der Weg hin zu sicheren Produkten wird nur dann gelingen, wenn die Kunden und Kundinnen dies auch einfordern.

„Scan4Chem“ kann für iOS und Android heruntergeladen werden. Außerdem hat Global 2000 eine Web-App entwickelt, die z.B. beim Online-Shopping genutzt werden kann.

Im Rahmen der Produkttests wurden auch 25 bereits in der AskReach-Datenbank erfasste Artikel analysiert, um die Korrektheit der Angaben der Firmen zu überprüfen. Nur einer dieser Artikel enthielt SVHCs über 0,1 Gewichtsprozent. Das betreffende Unternehmen wurde bereits aufgefordert, die Angaben zu korrigieren.

Wenn ein Unternehmen bestrebt ist, die Vorschriften einzuhalten und transparent zu sein, kann es sich gern in der AskReach-Datenbank registrieren oder unter scan4chem@global2000.at Kontakt aufnehmen. (red)

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