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Vertreter des Lebensmittelhandels fordern steuerliche Entlastungen APA/Helmut Fohringer
APA/Helmut Fohringer

Redaktion 19.08.2021

Vertreter des Lebensmittelhandels fordern steuerliche Entlastungen

WKÖ für Senkung der Lohnnebenkosten und Körperschaftsteuer sowie günstigere Rahmenbedingungen für Investitionen; Spar-Chef Poppmeier fordert "Österreich-Tausender“.

WIEN. Eine ökosoziale Steuerreform soll den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Lebensmittelhandel "mehr Netto vom Brutto" bringen, indem Lohnnebenkosten gesenkt werden. Das forderten Wirtschaftskammer-Lebensmittelhandel-Obmann Christian Prauchner und weitere Branchenvertreter am Dienstag, 17. August 2021, bei einer Pressekonferenz in Wien. Auch für Unternehmen soll mehr übrig bleiben, etwa durch eine Senkung der Körperschaftsteuer und Förderungen für Investitionen.

Als konkrete Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen nannte Prauchner eine zweite Runde bei der Investitionsprämie und einen Investitionsfreibetrag von 20%. Bei Investitionen in Digitalisierung könne dieser auch auf 30% erhöht werden. Außerdem sei vor allem Planungssicherheit im Hinblick auf die gesetzliche Lage wichtig für Unternehmen.

Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer will "keine Überregulierung, keine Bevormundung und keinen Zwang" für den Lebensmittelhandel. Auch er forderte eine Steuerreform und günstigere Rahmenbedingungen für Investitionen.

Leistung müsse sich lohnen, sagte Spar-Chef Fritz Poppmeier und schlug als unmittelbare Entlastung für die Bevölkerung, neben der Steuerreform und der Senkung der Lohnnebenkosten, auch einen "Österreich-Tausender" vor, den man im Lohnsteuerausgleich zusätzlich für in Österreich konsumierte Leistungen absetzen können soll.

Der Handelsverband pochte in einer Aussendung vom Dienstag ebenso auf eine Senkung der Lohnnebenkosten. Österreich sei hier "EU-weit Nachzügler", nirgendwo sonst in Europa würden Unternehmen so viel für ihre Beschäftigten zahlen, ohne dass es den Angestellten selbst bleibe. "Wir müssen jetzt den Faktor Arbeit entlasten, das ist das beste Investment in die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Auch den von Poppmeier vorgeschlagene "Österreich-Tausender" unterstützt der Handelsverband.

Im österreichischen Lebensmittelhandel beschäftigen 11.000 Unternehmen rund 170.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 12.000 Verkaufsstandorten, wie aus einer Studie des Economica Instituts im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hervorgeht. Der Lebensmitteleinzelhandel war einer der großen Gewinner der Coronakrise. Durch Lockdowns, Homeoffice, geschlossene Kantinen und Restaurants haben die Menschen verstärkt im Supermarkt eingekauft. Während andere Branchen und Handelssparten noch immer mit den Folgen der Krise kämpfen, verzeichnete der Lebensmitteleinzelhandel im Coronajahr 2020 ein Umsatzplus von 8,1 Prozent.

Die Verkaufserlöse im Lebensmitteleinzelhandel beliefen sich im abgelaufenen Jahr auf 27 Mrd. €. Die hohe Wettbewerbsintensität am Markt führe jedoch zu einer geringen Umsatzrendite von 0,9 Prozent, bei so kleinen Margen seien die steuerlichen Rahmenbedingungen entscheidend, erklärte WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf.

Im Lebensmittelgroßhandel, der auch die von Lockdowns stark betroffenen Branchen Gastronomie und Hotellerie beliefert, zeigte sich ein anderes Bild: Dort ist der Umsatz um 5,2 Prozent zurückgegangen. Christof Kastner, Geschäftsführer des Lebensmittelgroßhändlers Kastner Gruppe mit Sitz in Zwettel, betonte deshalb die Wichtigkeit, einen neuerlichen Lockdown zu verhindern. Darüber hinaus wünscht er sich eine klarere Kommunikation der Coronaregelungen, zum Beispiel wo in Zukunft Maskenpflicht gilt und wo nicht. (red)

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