medianet Law & Advisory: In diesem TV-Studiogespräch sprach medianet Verlagsleiter Bernhard Gily mit Natascha Stornig-Wisek, Geschäftsführende Gesellschafterin der LeitnerLeitner GmbH, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, über die Forschungsförderung für Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich. Die LeitnerLeitner Wirtschaftsdienstleistungs-Gruppe ist in neun CEE/CSE Ländern mit knapp 1.000 Mitarbeitenden zu einer der grössten Financial Advisory-, Tax- and Law-Unternehmen aufgestiegen.

Im Zentrum des Gesprächs stand die Einschätzung, dass Österreich für innovative Unternehmen weiterhin attraktive Rahmenbedingungen bietet. Natascha Stornig-Wisek verwies auf sozialen Frieden, Stabilität, Kaufkraft, qualifizierte Fachkräfte und ein im internationalen Vergleich gut ausgebautes Förderumfeld. Gerade für forschungsintensive Unternehmen seien diese Faktoren ein wichtiger Standortvorteil.
Gleichzeitig machte sie auf strukturelle Belastungen aufmerksam. Hohe Lohnstückkosten, angetrieben durch Inflation und Energiepreise, erhöhten den Druck auf Unternehmen zusätzlich. Fördermittel könnten in Phasen der industriellen Transformation zwar unterstützen, seien jedoch begrenzt. Aus ihrer Sicht brauche es daher auch politische Maßnahmen, um Regulierungen zurückzuschrauben und den Einsatz ausländischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erleichtern.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Fachkräftemangel. Stornig-Wisek betonte, dass Wohlstand ohne passende politische Rahmenbedingungen nicht zu sichern sei. Vor allem im Bildungsbereich brauche es Anreize für KMU, stärker in die Ausbildung zu investieren und Lehrlinge im dualen System auszubilden. Zugleich sei es schwierig, internationale Forscherinnen und Forscher für ein Hochsteuerland wie Österreich zu gewinnen.

Positiv bewertete sie die heimische Forschungs- und Entwicklungsförderung. Die österreichische Förderlandschaft sei mit Forschungsprämie und steuerlichen Anreizen gut aufgestellt, für viele Unternehmen aber komplex und schwer zu überschauen. Um Forschung stärker in wirtschaftlichen Erfolg zu überführen, sei zudem ein verbesserter Zugang zu Risikokapital notwendig.
Kritisch sieht Stornig-Wisek die fehlende langfristige Planbarkeit. Da der FTI-Pakt derzeit nicht über 2026 hinausreicht, fehle vielen Unternehmen die nötige Sicherheit für längerfristige Innovationsprojekte. Hoffnung setzt sie auf eine neue Richtlinie für eine niederschwellige Forschungsprämie von 14 Prozent.

Das Gespräch zeichnete damit ein differenziertes Bild: Österreich bleibt ein attraktiver Innovationsstandort mit soliden Grundlagen und wirksamen Förderinstrumenten. Zugleich stehen Unternehmen unter erheblichem Kosten-, Regulierungs- und Fachkräftedruck. Entscheidend werde daher sein, ob es gelingt, Forschung nicht nur zu fördern, sondern auch nachhaltig in Wertschöpfung und Wachstum zu übersetzen.

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