agency log # 113: WPP Media Austria: Media als Wachstumstreiber
Im medianet-Studioformat „agency log“ sprach Herausgeber Chris Radda mit Andreas Vretscha, CEO der WPP Media Austria GmbH, über die neue Aufstellung der größten heimischen Kommunikations- und Mediaagenturgruppe, die Entwicklung der Mediaspendings 2026 und die konzernweite Marketing-KI WPP Open.
Unter dem Dach von WPP Media sind in Österreich die Mediaagenturmarken Mindshare, EssenceMediacom und Wavemaker gebündelt. Die frühere Bezeichnung GroupM wurde im Zuge einer globalen Vereinheitlichung durch WPP Media ersetzt. Für Vretscha ist das vor allem ein Schritt der Vereinfachung: „Geändert hat sich tatsächlich wenig. Das Ganze steht unter dem Gesichtspunkt der Simplifizierung.“ Es sei „leichter und greifbarer, mit der Marke WPP in den Markt zu gehen“.
Auch bei den Marktanteilen sieht Vretscha keine grundlegenden Verschiebungen. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Positionen im Media-Markt kaum verändert. Die Teamstärke in Österreich und der Schweiz sei weitgehend stabil, auch wenn interne Strukturen angepasst wurden. Gleichzeitig gewinne Beratung an Bedeutung: Media sei längst mehr als Planung und Buchung von Werberaum.
Ein zentrales Thema des Gesprächs war WPP Open, die KI-Plattform des Konzerns. Sie soll Marketingprozesse von Analyse und Strategie über Kreation bis zur Aktivierung unterstützen. „Da ist in den letzten Jahren wirklich einiges an Investment hineingegangen“, sagte Vretscha. Für lokale Märkte sei es ein klarer Vorteil, auf die Technologie eines globalen Konzerns zugreifen zu können. WPP Open sei ein umfassendes Ökosystem und aus seiner Sicht „das größte Large Marketing Model, das zur Verfügung steht“.
Die Plattform könne etwa Zielgruppen analysieren, Ideen testen, virtuelle Fokusgruppen simulieren und kreative Varianten generieren. Dennoch bleibe menschliche Reflexion entscheidend. KI sei kein Ersatz für Beratung, sondern ein Werkzeug, um Prozesse effizienter zu machen und mehr Zeit für das Kundenverständnis zu schaffen.
Damit verändert sich auch das Selbstverständnis der Agenturgruppe. Früher sei Media oft stark innerhalb der eigenen Disziplin gedacht worden. Heute gehe es darum, Media als Investment in Wachstum zu verstehen. „Die Expertise hilft nicht, wenn ich das Geschäft meines Kunden nicht verstehe“, betonte Vretscha. Entscheidend sei, das Business der Kunden so weit zu verstehen, dass Kommunikationslösungen maßgeschneidert eingesetzt werden können.
Für 2026 bewertet Vretscha den Markt als herausfordernd, aber mit Perspektive. Externe Krisen und wirtschaftliche Unsicherheit blieben belastend. Gleichzeitig wanderten Budgets weiter in adressierbare, digitale Medien. Für Österreich erwartet er bei den Media-Investments derzeit keinen grundsätzlichen Rückgang: „Für Österreich sehe ich in Summe, dass der Markt nicht nachgibt.“ Die zentrale Aufgabe von WPP Media bleibe damit klar: nicht nur Medialeistung zu liefern, sondern Wachstum für Kunden zu ermöglichen.