Value #44 Der Finanz Talk: Bestattungsvorsorge: Finanzielle Absicherung und persönliche Planung für den letzten Weg
Im gemeinsam mit der Fachgruppe Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Wien produzierten TV-Format „Value – Der Finanz Talk“ sprach Fachgruppenobmann Eric Samuiloff mit Jürgen Sild, Geschäftsführer der Bestattung Wien GmbH, über ein Thema, das in der Vorsorgeberatung oft zu wenig Beachtung findet: die finanzielle und organisatorische Vorbereitung von Bestattungen.
Die Bestattung Wien ist mit rund 10.000 jährlich durchgeführten Bestattungen das größte Bestattungsunternehmen Österreichs. Entsprechend deutlich zeigen sich auch Veränderungen in den Wünschen der Kundinnen und Kunden. „In den letzten Jahren merken wir verstärkt den Wunsch nach Individualisierung“, sagte Sild. Dieser Trend betreffe nicht nur die Gestaltung der Trauerfeier, sondern auch neue Formen des Gedenkens und der Beisetzung. Genannt wurden unter anderem künstlerisch gestaltete Särge, besondere Urnen oder historische Trauerkutschen. Zugleich steige das Interesse an naturnahen und nachhaltigen Bestattungsformen. „Wir merken auch vermehrt den Wunsch nach einer naturnahen Bestattung, nach dem Thema Nachhaltigkeit. Auch das ist etwas, was vor der Bestattung nicht halt macht“, so Sild. Die Bestattung Wien bietet daher etwa Pilzsärge aus Myzel sowie Bestattungen im Wald an. Für viele Menschen sei der Gedanke versöhnlich, dass sich „der Kreislauf der Natur vollendet“.
Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, was Vorsorge in diesem Bereich konkret bedeutet. Nach Darstellung Silds können Kundinnen und Kunden schon zu Lebzeiten festlegen, „wo man beerdigt wird, wie man beerdigt wird und auch wie die Trauerfeier aussehen soll“. Das betrifft etwa Grabstätte, Beisetzungsform, Musik und Ablauf der Zeremonie. Diese Entscheidungen entlasten im Ernstfall vor allem die Hinterbliebenen, die in kurzer Zeit zahlreiche organisatorische Fragen klären müssen. Dafür stehen in Wien 16 Kundenservicestellen zur Verfügung, zusätzlich können Beratungstermine auch online vereinbart werden.
Ein wesentliches Thema bleibt die finanzielle Vorsorge. Die durchschnittlichen Kosten eines Begräbnisses liegen laut Sild bei rund 5.000 bis 6.000 Euro. „Das ist doch eine Summe, wo man sagt, es macht Sinn dafür vorzusorgen“, erklärte er. Hinzu komme ein praktisches Problem im Sterbefall: „Sobald die Bank Kenntnis davon erlangt, dass jemand verstorben ist, werden die Bankkonten auch geschlossen. Das heißt, selbst wenn dort Gelder liegen, hat man nicht direkt Zugriff.“ Da Begräbnisse meist innerhalb weniger Tage organisiert werden müssen, die Verlassenschaft aber deutlich später beginnt, könne es rasch zu einer Liquiditätslücke kommen.
Die Bestattung Wien bietet daher unterschiedliche Modelle der Vorsorge an – von monatlichen Einzahlungen bis zur vollständigen Hinterlegung der Summe. „Wir beginnen bei einer monatlichen Einzahlungsrate von 19,90 Euro“, so Sild. Daneben gebe es flexible Varianten mit Grundsockel und Aufzahlungen. Derzeit würden laut Sild rund 1.000 Vorsorgeabschlüsse pro Jahr bei der Bestattung Wien abgeschlossen. Zugleich sieht er hier noch deutliches Wachstumspotenzial, weil viele Menschen das Thema weiterhin scheuen.
Um diese Hemmschwelle zu senken, setzt das Unternehmen auch kommunikativ auf einen eigenständigen Zugang. Die in Wien bekannte, teils provokant-lockere Werbelinie wurde im Studiogespräch ebenfalls thematisiert. Sild betonte dazu: „Wenn man das Thema mit etwas Humor anfasst, dann ist es leichter, darüber zu reden.“ Gleichzeitig werde klar zwischen der humorvollen Vermittlung – etwa im Bestattungsmuseum – und der pietätvollen Begleitung im konkreten Sterbefall unterschieden.