health:economy: Soziale Infrastruktur: Pflegebedarf wird zum Investitionsthema
Österreich steht vor einer massiven Ausweitung seines Pflegebedarfs. Im TV-Studiogespräch des Formats „medianet health:economy“ diskutierten medianet-Herausgeber Oliver Jonke, Christian Schön, Gründer der Auris Immo Solutions GmbH, und Johann Spiegelfeld, Kommandant des Malteser Hospitaldienstes Austria, über Pflege, Ehrenamt und die Rolle privater Investitionen in soziale Infrastruktur.
Im Zentrum des Gesprächs stand eine Entwicklung, die längst absehbar ist: Die demografische Alterung erhöht den Druck auf das Pflegesystem deutlich. Rund 42% der Pflegebedürftigen in Österreich werden stationär betreut. Derzeit gibt es etwa 900 stationäre Pflegeeinrichtungen mit rund 80.000 Pflegebetten und etwa 60.000 Pflegekräften. Bis 2040 wird die Altersgruppe 75+ laut den im Gespräch genannten Zahlen um rund 50% wachsen. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von bis zu 75.000 Pflegekräften.
„Wir haben durch die demografische Entwicklung in Österreich einen unheimlichen Bedarf in der Zukunft“, sagte Christian Schön. Ein Teil dieses Bedarfs entstehe durch Wachstum, ein weiterer durch Pensionierungen im Pflegebereich. Gleichzeitig würden jährlich nur rund 5.000 Pflegekräfte ausgebildet. Damit werde klar, dass Österreich den künftigen Bedarf nicht allein über inländische Ausbildungskapazitäten decken könne.
Ein wesentliches Thema ist deshalb die Rekrutierung und Anerkennung ausländischer Pflegekräfte. Derzeit liegt ihr Anteil bei rund 12%, künftig dürfte er deutlich steigen. Schön kritisierte dabei die föderal uneinheitlichen Verfahren: „Die widersprüchliche Gesetzeslage bei der Anerkennung der Ausbildung im Ausland ist hinderlich.“ Eine Pflegekraft aus Bosnien könne je nach Bundesland unterschiedlich lange auf die Anerkennung warten. Das verzögere den Einstieg und belaste das System.
Neben Personal fehlt es auch an baulicher Infrastruktur. Der Bedarf an Pflegebetten soll bis 2040 von derzeit rund 80.000 auf etwa 100.000 steigen. Für Schön ist daher klar, dass öffentliche Hand, gemeinnützige Träger und private Investoren gemeinsam handeln müssen. „Wir glauben, das Thema können wir ohne private Unterstützung und Engagement nicht aufrechterhalten“, sagte er.
Auris Immo Solutions setzt genau hier an. Das Unternehmen verbindet Immobilienkompetenz mit sozialer Infrastruktur und hat 2020 den Sozialimmobilienfonds Österreich aufgelegt. Dieser richtet sich unter anderem an institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Vorsorgekassen und Versicherungen. Das Modell: Sozialkapital finanziert Pflegeimmobilien, Betreiber übernehmen den Pflegebetrieb. Die Immobilie wird vermietet, die Betreuung bleibt bei spezialisierten Einrichtungen.
Schön beschreibt das als „Symbiose aus sozialer Verantwortung“ und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Der Fonds habe in den vergangenen Jahren eine Netto-Rendite von 4,8 bis 5% erzielt. „Ich investiere mit Sozialkapital in soziale Infrastruktur“, so Schön. Gleichzeitig gebe es ein Betreiberrisiko, weshalb Auris auch auf die Qualität der Betreiber und die tatsächliche Personalausstattung achte. Es gehe darum, zu verhindern, dass Unterbesetzung zulasten der Pflegebedürftigen gehe.
Johann Spiegelfeld brachte die Perspektive des Ehrenamts ein. Der Malteser Hospitaldienst zählt rund 2.200 Mitglieder, davon etwa 1.200 regelmäßig aktive Ehrenamtliche. Die Organisation engagiert sich unter anderem im Sozialdienst, Rettungsdienst, bei Wallfahrten und Angeboten für Menschen mit Behinderungen. „Ich freue mich über jeden, der uns unterstützt“, sagte Spiegelfeld. Besonders wichtig sei nicht nur finanzielle Hilfe, sondern auch gespendete Zeit.
Für 2026 kündigte Spiegelfeld die alle fünf Jahre stattfindende große Wallfahrt nach Rom an. Rund 500 Personen sollen teilnehmen, darunter etwa 200 Menschen mit Behinderung. „Es ist jeder bei Wallfahrten herzlich willkommen“, betonte er. Zugleich verwies er auf laufende Investitionen, etwa die Generalsanierung der Bereichszentrale am Wiener Börseplatz und die Umstellung auf 72 Stunden Notversorgung.
Beide Gesprächspartner betonten, dass soziales Engagement nicht nur institutionell gedacht werden könne. Schön schilderte seinen persönlichen Weg in die Selbstständigkeit als Suche nach „sinnstiftender Verantwortung“. Er wolle mit nachhaltigen Pflegeheimen, erneuerbaren Energiesystemen und sozialer Infrastruktur einen Beitrag leisten. Spiegelfeld wiederum beschrieb sein Engagement als Möglichkeit, Menschen mit Behinderung Lebensfreude zu vermitteln: „Es steckt an, gemeinsam unterwegs zu sein.“
Das Fazit des Gesprächs war entsprechend deutlich: Pflege ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe für Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft. Ohne Investitionen in Infrastruktur, ohne bessere Rahmenbedingungen für Pflegekräfte und ohne persönliches Engagement wird die Überalterung unserer Gesellschaft nicht zu bewältigen sein.
Weitere Videos
-
-
medianet X-Night 2026 – All Worlds are Equal. Made of Numbers.
-
WPP Media Austria GmbH – Unser Job-Wachstum des Geschäfts der Kunden
-
Young Enterprises Media GmbH – Junge Menschen ohne Social Media erreichen
-
KSV1870 Information GmbH – Faktencheck mindert das Risiko bei Geschäften
-
Out of Home Studio – OOHA-Award 2026