mediadome pressclub: Vertrauen als Standortfaktor
Im „mediadome pressclub“ diskutierten medianet-Herausgeber Chris Radda und GPK PublicGmbH -Gründer Markus Gruber über Vertrauensverlust, unternehmerische Verantwortung und unabhängige Medien. Anlass ist der erste „Political Communication Summit“ in Wien am 6. und 7. Oktober 2026.
Wettbewerbsfähigkeit hängt für Markus Gruber nicht allein von klassischen Standortfaktoren ab. Sorgen, Unsicherheit und der schwindende Rückhalt für demokratische Institutionen belasteten auch die ökonomische Entwicklung. „Wenn die Unsicherheit groß ist, dann ist die Standortqualität unter Druck – und das ist schlecht für alle, weil es schlecht für die Wirtschaft ist.“
Diese Einsicht stehe auch hinter seinen Millstätter Wirtschaftsgesprächen, die heuer zum zehnten mal stattfanden. Mit dem Summit soll die Debatte international fortgesetzt werden. Im Zentrum steht die Frage, wie Vertrauen in die demokratische Grundordnung wiederhergestellt werden kann.
Gruber warnt vor einem zu engen Verständnis politischer Kommunikation. „Die politische Kommunikation hat viel mehr Player und viel mehr Verantwortliche, als das gerne gesehen wird.“ Unternehmen etwa in Energie, Mobilität, Gesundheit, Wohnen oder Infrastruktur seien Teil davon, weil ihre Leistungen den Alltag unmittelbar prägen. Sich mit dem Hinweis auf Regulierung aus der Verantwortung zurückzuziehen, sei nachvollziehbar, aber nicht ausreichend. Statt die Schuld bei Brüssel oder der Politik zu suchen, brauche es Selbstreflexion: „Wo ist meine Verantwortung, was kann ich beitragen?“
Einen Grund für die Verunsicherung sieht Gruber im Umgang mit großen Technologieplattformen. Die Regulierung habe nicht Schritt gehalten und lasse politischen Akteuren sowie marktmächtigen Plattformbetreibern zu viel Freiraum. Soziale Medien müssten wie Medien behandelt, vergleichbar besteuert und bei Regelverstößen wirksam sanktioniert werden. Regulierung solle Sicherheit und Berechenbarkeit schaffen – als Voraussetzungen für Vertrauen und Zuversicht.
Radda verwies zugleich auf die wirtschaftliche Schwächung des österreichischen Journalismus: In den vergangenen zehn Jahren sei rund die Hälfte der Journalistenstellen verloren gegangen; mehr als 1.000 Journalisten seien arbeitslos gemeldet. Der Markt könne damit im Ergebnis eine ähnliche Ausdünnung der Medienlandschaft bewirken wie staatlicher Druck in autoritären Systemen, auch wenn die Ursachen und Methoden andere seien.
Gruber teilte diese Gleichsetzung nicht, erkannte aber die Gefahr eines vergleichbaren Ergebnisses. Das Interesse der Menschen an Information und Interaktion sei weiterhin vorhanden, doch „das Glas hat Risse, und es ist weniger Wasser drinnen“. Neben einer konsequenten Regulierung und Besteuerung internationaler Plattformen brauche es deshalb eine substanzielle Unterstützung nationaler und regionaler Medienhäuser bei ihrer digitalen Transformation. Ohne „namhafte Beträge“, so Gruber, werde die Rechnung nicht aufgehen.
Der Wiener Summit soll vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse nicht bloß erneut analysieren, sondern in konkrete Handlungssicherheit übersetzen. Das Ziel formuliert Gruber pragmatisch: weniger Ausreden, mehr Verantwortung – in Politik, Wirtschaft und Kommunikation.
Weitere Videos
-
-
and-us GmbH – Die Agentur als growth-enabler ihrer Kunden
-
Unicredit Bank Austria AG investiert ins Firmenkunden-Geschäft
-
Megaboard GmbH – Das Sahnehäubchen jeder Werbekampagne
-
Content.Link GmbH & CO KG – Podcast-Werbung ist erwachsen geworden
-
Leadership in volatile Times – kraftwerk Get together 2026