health:economy: Generika unter Druck: Teva warnt vor Risiken für die Arzneimittelversorgung
Generika sind eine tragende Säule der österreichischen Arzneimittelversorgung – doch der anhaltende Preisdruck gefährdet zunehmend die Verfügbarkeit. Diese Warnung formulierte Elgar Schnegg, Geschäftsführer der teva/ratiopharm Arzneimittel Vertriebs-GmbH, im medianet-TV-Format „health:economy“ im Gespräch mit Herausgeber Chris Radda.
Nach Angaben Schneggs entfallen rund 60% der abgegebenen Medikamente und etwa die Hälfte aller ärztlichen Verschreibungen in Österreich auf Generika. Wertmäßig machten diese jedoch nur 14% der Arzneimittelausgaben aus. „Generika und Biosimilars sind das Rückgrat der medikamentösen Versorgung in Österreich“, sagte der teva-Manager. Sie stellten etablierte Therapien kostengünstig bereit und leisteten damit bereits einen wesentlichen Beitrag zur Ausgabendämpfung im Gesundheitssystem.
Der durchschnittliche Preis eines Generikums liege bei rund fünf Euro – damit koste eine 30-Tage-Therapie oft kaum mehr als eine Wiener Melange. Diesem niedrigen Erlös stünden steigende Aufwendungen für Wirkstoffe, Produktion, Energie, Verpackung, Logistik, regulatorische Gebühren und Arzneimittelsicherheit gegenüber. Während sich das allgemeine Preisniveau in den vergangenen zehn Jahren um rund 30% erhöht habe, seien die Generikapreise laut Schnegg um etwa 40% gesunken. Eine reguläre Inflationsanpassung gebe es nicht.
Die Folge sei ein wachsender wirtschaftlicher Druck auf die Anbieter. Allein innerhalb von zwölf Monaten seien 247 Arzneimittel vom österreichischen Markt verschwunden, hieß es im Studiogespräch. Besonders gefährdet seien Präparate mit kleinen Absatzmengen. Niedrige Preise, ein vergleichsweise kleiner Markt und schmale Renditen erschwerten zudem konzernintern die Argumentation, knappe Medikamente vorrangig nach Österreich zu liefern. „Es wird immer schwieriger, diese Versorgungssicherheit sicherzustellen“, erklärte Schnegg.
Kritisch beurteilt er zusätzliche kurzfristige Preissenkungen oder Ausschreibungen einzelner Wirkstoffe. Diese könnten zwar vorübergehend Einsparungen bringen, mittelfristig aber die Zahl der Anbieter und die Breite des Sortiments verringern. Radda verwies in diesem Zusammenhang auf die teva-Studie „Generics Health Check Europe“, wonach bei einzelnen wichtigen Präparaten ein Anbieter bis zu 80% des Marktes abdecken könne. Eine solche Konzentration erhöhe die Anfälligkeit der Lieferketten.
Mehr als 60% der Wirkstoffe würden inzwischen aus Kostengründen in Asien produziert. Schnegg fordert daher faire und planbare Rahmenbedingungen, um Produktion in Europa zu sichern oder zurückzuholen. Auch neue regulatorische Belastungen müssten auf ihre Folgen geprüft werden. Als positives Signal wertete er die neuerliche Evaluierung der EU-Abwasserrichtlinie, deren Umsetzung Pharma- und Kosmetikunternehmen mit Milliardenkosten belasten könnte.
teva setzt neben Generika und Biosimilars auf innovative Arzneimittel sowie rezeptfreie Produkte. In der Forschung hob Schnegg Fortschritte bei chronischer Migräne und ein neues Präparat zur Behandlung von Schizophrenie hervor. Im OTC-Bereich bleiben Erkältung und Schmerz wichtige Schwerpunkte. Die breite Aufstellung stärke die Resilienz des Unternehmens – ändere aber nichts am politischen Handlungsbedarf im Generikamarkt. Denn weitere Einsparungen in einem bereits stark preisdämpfenden Segment könnten am Ende jene Vielfalt schwächen, die für eine stabile Versorgung notwendig ist.
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