AUTOMOTIVE BUSINESS
© APA/AFP/Eric Piermont

Deutsche führend, aber neue Herausforderer wie Google drängen auf den Markt der autonomen Fahrzeuge.

Jürgen Zacharias 14.07.2016

Deutsche global voran

Elektrisch und autonom – so sehen viele das Auto der Zukunft. Deutsche Anbieter scheinen für den Wandel besonders gut gerüstet zu sein, wie eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt.

KÖLN. Teil- und vollautonome Fahrzeuge sind neben alternativen Antriebssystemen wie der Elektromobilität einer der Megatrends in der Automobilindustrie. Die damit verbundene Vernetzung öffnet die Autoindustrie auch für neue Herausforderer wie Google, die es insbesondere auf den Markt der autonomen Fahrzeuge abgesehen haben und dabei auch etablierte Hersteller unter Druck setzen – allen voran die deutschen Autobauer, die sich in diesem Bereich zuletzt ein starkes Standing erarbeiten konnten. Fast 72% aller Premiumfahrzeuge weltweit kommen heute aus Deutschland, seit 2010 haben deutsche Unternehmen 58% der Patente zum autonomen Fahren angemeldet. Doch auf dieser starken Position dürfen sich die Hersteller nicht ausruhen, warnt der Autor der IW-Studie, Hubertus Bardt: „Neue Konkurrenten drängen in den Markt und verändern die Spielregeln grundlegend.“

US-Konzerne auf der Überholspur
„Vor allem Konzerne aus der digitalen Wirtschaft können die Marktstellung der etablierten Unternehmen bedrohen“, sagt Bardt. Zwar entfallen derzeit nur rund sieben Prozent der weltweiten Patente zum autonomen Fahren auf Google, Apple, Tesla und Co., doch die amerikanischen Konzerne beschleunigen den Wettbewerb. „Bei digitalen Komponenten, Vernetzungstechnologien sowie Big-Data-Geschäftsmodellen haben sich diese Unternehmen eine starke Position erarbeitet“, attestiert Bardt. Das Besondere daran: Die Entwicklung neuer, autonomer Fahrzeuge bietet die Möglichkeit, als Neuling direkt in den Markt einzutreten und etablierte Marken anzugreifen – warnendes Beispiel ist der tiefe Fall von Nokia.
Doch der deutschen Automobilindustrie droht derzeit wohl kein ähnliches Schicksal, zeigt die Studie: Die Hersteller können das Tempo der Konkurrenz mitgehen; zu stark ist ihre Position auf dem Weltmarkt, vor allem in Schwellenländern wie China. Die hohe Zahl der Patente zeigt zudem, wie innovativ die deutschen Unternehmen sind. Indem sie unter anderem den Kartenanbieter HERE übernommen und verschiedene Carsharing-Angebote entwickelt haben, haben sie sich außerdem bereits auf den Mobilitäts-Wandel eingestimmt.

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